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Das Interview wurde am 10.03.2009 veröffentlicht.

Steckbrief
Name: Jan Binsmaier
Jahrgang: 30.11.1967
Karriere: Ein bißchen... :)



?: Beginnen wir ganz von vorne: Wie hat deine Karriere als freier Redakteur eigentlich angefangen? Was hast du davor gemacht?
jb: Ich habe während meines Studiums als freier Redakteur bei PC Direkt und PC Professionell gearbeitet. Bei der PC Direkt war damals Ralf Müller stellvertretender Chefredakteur und wir hatten sehr gut zusammengearbeitet. Als Ralf dann als Chefredakteur zur PC Player wechselte, fragte er mich, ob ich nicht auch den Verlag wechseln und als freier Redakteur dort arbeiten wolle. War keine Frage - natürlich wollte ich. Kurz danach wurde Ralf mitgeteilt, dass der DMV-Verlag auch die Power Play übernommen hatte und er ab sofort Chefredakteur der PC Player und der Power Play sei. Das war der Zeitpunkt, als die alte Crew die Power Play verlies - und nur Tom Schmidt und Martin Schnelle waren im Team. Ralf brauchte also dringend Verstärkung und fragte mich, ob ich bei der PP nicht fest als leitender Redakteur anfangen wolle. Na klar wollte ich. Hey, bei der Power Play? Bei DEM Kult-Mag? Ich habe sofort mein Jura-Studium unterbrochen (bis heute... ;) ) und angefangen.
?: Mit der Power Play Ausgabe 9/97 fing deine Karriere bei der Power Play an, kannst du dich noch an deinen allerersten Arbeitstag erinnern? Vor allem, wie war er?
jb: Der erste Arbeitstag war noch in den alten Magna-Media-Räumen - kurz danach wurden wir dann zum DMV-Verlag umgezogen. Aber zurück: Ich kam in die "heiligen Hallen" und kam in ein total unordentliches Büro mit vier Arbeitsplätzen. In der Mitte stand ein großer Tisch auf dem sich mindestens zehn leere Pizzaschachteln getürmt hatten - Tom Schmidt saß an einem Arbeitsplatz und entschuldigte sich erst mal, dass es so aussah. Dann haben wir erstmal ausführlich gequatscht und uns beschnuppert. Dann ging ich ins nächste Büro - da saß Martin, der mir erst mal auf seine so liebenswerte Art mitgeteilt hat, dass ich zwar leitender Redakteur sei, dass ich aber erstmal lernen müsse, wie das hier so abgeht. :) Auf dem Gang traf ich dann Tet Hara von der Video Games, der mich sehr lieb begrüßte. Dann ging ich ins Büro von Michael Hengst - Michael hatte seinen letzten Arbeitstag und packte gerade seine Sachen. Lange Rede - kurzer Sinn: Ja, ich kann mich sehr gut an meinen ersten Arbeitstag erinnern - sogar an Einzelheiten, an die man sich nur bei einem prägendem Moment in seinem Leben erinnert. Und der Moment und mein erster Tag waren... unglaublich und schräg.
?: Mit der Power Play Ausgabe 9/97 wurde ja fast die gesamte Redaktion ausgetauscht, wie hast du damals den Umbruch miterlebt? Hinterließen die Redakteure eine gewisse Lücke? Vor allem, wie kam es überhaupt dazu?
jb: Wie es dazu letztendlich kam, können die "alten" Redakteure sicher bessser beschreiben - als Außenstehender hatte ich den Eindruck, dass der Magna Media Verlag überhaupt keine Ahnung hatte, was er an der Video Games und der Power Play eigentlich hatte. Ich fand es unglaublich schade, dass die alte Crew dadurch auseinander brach. Aber letztendlich hatten wir Neulinge die Aufgabe, die Power Play im Sinne der alten Idee weiterzuführen. Und der haben wir uns gestellt. Natürlich waren wir andere Personen, die auch einiges anders gemacht haben. Aber letztendlich waren es die gleichen journalistischen Ideale: Unabhängigkeit, Spaß, Ehrlichkeit, Kompetenz. Ob uns Letzteres gelungen ist, mögen andere bewerten - aber wir wussten schon genau, welches Erbe und welche Verpflichtung wir da eingegangen sind.
?: Wie hast du die Kollegen in Erinnerung?
jb: Unglaublich hartnäckig. Wir haben uns wirklich gefetzt in Redaktions-Konferenzen - aber immer um der Sache willen. Und sehr engagiert - das hatte damals keiner wegen der Kohle gemacht.
?: Wieviel verdiente man als Redakteur?
jb: Ganz ehrlich gesagt fand ich es damals ganz ordentlich. Vor allem, weil wir unglaublich viel Spaß dabei hatten und der auch noch bezahlt wurde.
?: Wenn du die Möglichkeit hättest, die Zeit zurückzudrehen, was würdest du mit der Power Play / Video Games anders machen als damals?
jb: Ich glaube, es ist ganz gut, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann - und es war eigentlich auch alles gut, wie es war.
?: Wie darf man sich einen Arbeitstag vorstellen? Wie lief das so ab?
jb: Spät kommen - sehr spät gehen (wenn überhaupt). Am Anfang eines Heftes sehr entspannt sein - kurz vor Ende waren dann ALLE nervös, total überarbeitet und bis zur letzten Sekunde noch SOO motiviert, um noch weiterzuspielen und vielleicht doch noch so weit zu kommen, um letzte Änderungen am Test zu machen und vor allem Screenshots vom Schluss zu zeigen. Der einzelne Arbeitstag war so unterschiedlich und doch so gleich. Wenig spielen (das machte man in den Nachtstunden quasi privat), Infos per Internet oder Telefonate abziehen, mit Firmen über Testversionen verhandeln, Pressesprecher in den Wahnsinn treiben, Anrufe von wütenden Publishern abwehren, Screenshots machen, Artikel schreiben.
?: Was denkst du über den Werde- bzw. Niedergang der Power Play und Video Games?
jb: Ich empfinde es als unsäglich schade, dass Verlagsmissmanagement dazu führt, dass solche Magazine eingestellt werden.
?: Wie kam es zu dem Schritt, zur Video Games zu wechseln?
jb: Der damalige Chefredakteur Michael Schmittner suchte einen Stellvertreter, der sich um die produktions-technischen Aspekte des Heftes kümmerte - und das fand ich sehr interessant. Ich räumte also meinen Schreibtisch und zog in ein Büro, das ein paar Meter weiter den Gang runter war - also nebenan zur VG.
?: War dir die Zeit bei der Power Play / Video Games nützlich für spätere Jobs?
jb: Ja. Ich hatte gekündigt, weil mir versprochene Leistungen durch die Verlagsleitung versagt blieben. Ich stand also ohne Job da - aber Amazon hat mich dann exakt wegen meiner Erfahrungen eingestellt, weil sie jemanden brauchten, der sich im Games-Bereich auskannte.
?: Warum hast du die Video Games verlassen?
jb: Weil mir der Verlag damals zugetraut hat, ein neues Projekt zu machen: www.powerplay.de. Das Medium "Internet" war für mich zuuuu verlockend und ich bin dann auch zu meiner alten Power Play zurückgekehrt. Das war eine gute Kombi... :)
?: Welches war damals dein Lieblingsgenre, und was faszinierte dich daran so?
jb: Ich war, bin und bleibe Rollenspieler. Ich kann auch heute noch (vor allem in Fantasy-)Rollenspiele versinken - und das ist gut so. Wahrscheinlich schlummert in mir der Paladin - sei gut und gerecht. Lebe Deinen Traum. Sei der Held. Gib Dein Leben, um andere zu retten. In Wirklichkeit bin ich natürlich genauso feige in der Realität wie jeder andere - aber es ist die Fiktion, die mir Spaß macht. Allerdings bin ich auch "Sportler" - früher sehr viel selbst betrieben, jetzt einen Bier-Ranzen vor mir herschiebend, schwelge ich noch von aktiven Zeiten. Und ich LIEBE es, einen Sportler durch tatsächliche Aktionen (das liegt schon wieder beim Rollenspieler, oder?) zu verbessern.
?: Was ist mit den getesteten Spielen passiert, die du bekommen hast? Konntest du diese behalten?
jb: Wir bekamen immer Copies von "Gold Master" - die wurden dann nach dem Test (oder später) vernichtet. Aber dank einiger PR-Manager bekamen wir dann auf Anfrage auch finale Spiele, die wir behalten durften. Ich hatte im Speicher mehrere Schränke voller Spiele, die ich auch nie hergeben wollte. Mittlerweile ist das alles längst entsorgt worden. Behalten habe ich mir nur ein paar sehr wenige Special Editons - z.B. das "Silver Special Pack" von "Metal Gear Solid 1" - vor meinen Augen unterschrieben von Hideo Kojima.
?: Wie lange wurde ein Spiel normalerweise getestet (insbesondere Rollenspiele!)? Benutzte man da auch öfters Cheats, um schneller fertig zu werden?
jb: Keine Ahnung, wie lange man so etwas in Stunden angeben soll. Natürlich haben wir nicht alle Spiele komplett durchgespielt - aber schon immer sehr weit. Sönke "Sanka" Siemens war da beispielsweise sehr extrem - er MUSSTE immer den Endboss auf den Screenshots haben... :) Cheats haben wir natürlich auch benutzt - um sie dann im "Tipps & Tricks"-Teil auch verifiziert wiedergeben zu können. Das ist nämlich wichtig für ein Magazin... :)
?: Letztens kam die Frage auf, wer wohl das erste mal das Wort "Obermotz" mit dem Endgegner eines Computerspiels in Verbindung brachte. Was meinst du?
jb: Das war bestimmt Heinrich Lenhardt! :)
?: Habt ihr auch die Konkurrenzmagazine gelesen und deren Testberichte mit euren verglichen?
jb: Selbstverständlich! Vor allem bei der Video Games - da war die Maniac! einfach Pflicht. Denn das Magazin war richtig gut - und hat genauso wie wir sehr hart getestet. Und die Maniac! hat uns auch sehr aufmerksam gelesen - ich denke, sie hat uns genauso respektiert, wie wir sie. Humpty Dumpty sat on the wall... ;) Ganz im Ernst: Wir haben auch die anderen Magazine sehr aufmerksam gelesen - konnten aber ausschließlich die Maniac! als ernsthaften Konkurrenten ausmachen.
?: Hast Du noch Kontakt zu ehemaligen Redaktionskollegen?
jb: Ja. Leider nicht zu allen - aber das liegt daran, dass wir uns unterschiedlich weiterentwickeln. Manchmal (alle zwei Jahre...) treffen sich ein paar beim gemeinsamen Bier - regelmässig treffe ich eigentlich nur Bernd Braun aus PowerPlay.de-Zeiten.
?: An welche/n Test/s kannst du dich noch gut erinnern, und welches Spiel hat dich damals am meisten aufgeregt? Dein Favorit?
jb: An wirklich SEHR viele. Richtig aufgeregt hatte mich zu Power Play-Zeiten "Lula 1" - ich hatte bis dahin noch nie solch ein unfertiges und schlechtes Spiel in den Fingern. Mein Favorit war dagegen auf dem N64 "Zelda" - das war einfach großartig.
?: Zockst du heute noch Computerspiele? Wenn ja, welche?
jb: Was für eine Frage... Ich gebe es zu: Mein RL (=Real Life) lässt es tatsächlich heute nicht mehr zu, dass ich so exzessiv wie früher spiele. Aber ich nehme mir immer noch die Zeit, alles wirklich Gute zumindest anzuspielen. Ich bedauere dann auf der einen Seite, dass ich mich meistens nicht mehr so darin versenken kann, wie ich es früher getan habe - aber dazu ist mir meine Familie viel zu wichtig. Dennoch werde ich meinem Hobby bis ins Rentneralter und darüber hinaus NIE abschwören. :) Ich bin mal gespannt, wie "Gothic 15" dann aussehen wird und ob mein Rollstuhl auch einen USB-Anschluss hat.
?: Hast du das Gefühl, das der Trend zum Casual Gaming hin mit seinen Gimmicks negative Auswirkungen auf die Qualität hat? Für meine Begriffe gehen die Spielehersteller einen gefährlichen Weg, mit Unmengen an Software, die nur um der Nutzung der neuen Steuertechnicken willen mit spielerisch belanglosen Gimmicks durchzogen sind. "Casual Gamer" kommen und gehen, aber besteht bei all dem kurzfristigen Erfolg nicht Gefahr, die verlässliche Größe der echten Spieler vor den Kopf zu stoßen?
jb: Neue Steuerungstechnik bedeutet in erster Linie neue Möglichkeiten. Auch für Core Gamer. Natürlich gibts auch eine Menge Software-Mist - der wird aber dank Internet unglaublich schnell identifizierbar. Und dann kauft man ihn nicht. Die Gefahr besteht natürlich, dass Unternehmen lieber sechs schnell zu programmierende Casual Games machen, als ein teures Rollenspiel. Allerdings feiert man dann auch keine großen Erfolge als Unternehmen und ich denke, die meisten Publisher wissen schon, wer ihre Stammkunden sind. Aber der wachsende Casual-Gaming-Markt hat auch etwas wirklich Gutes: Wir Spieler waren all die Jahre bei den Publikumsmedien die "übergewichtigen, asozialen, gefühlsbeschränkten" und vor allem die "potentiell sehr gefährlichen" Mitmenschen. Ich finde es sehr gut, dass Casual Games da nun eine gewisse Normalität reinbringen und einer breiten Masse deutlich machen, dass dem nicht so ist.
?: Welches System war damals dein Liebling, und welche/s besitzt du heute noch? Benutzt du diese noch, und wenn ja, wie oft?
jb: Für mich war das N64 mit "Zelda" das TOP-System. Und dann der GameCube mit dem neuen "Zelda". Natürlich hab ich auch die Wii - und finde auch da das "Zelda" sehr toll (mein Favorit: Angeln!). Von den alten Systemen habe ich nur noch den GameCube und die PS2 - die anderen sind längst verkauft. Ich spiele auch nur noch auf den neuen Konsolen.
?: Was hältst du von Emulation? Spielst du sogar ab und zu mit einem Emulator?
jb: Ich hatte mir ein paar der alten Games auf dem Emulator angesehen, aber festgestellt, dass es für mich nichts ist. Man macht sich irgendwie die eigene Erinnerung kaputt, wenn man die Games wieder spielt und natürlich automatisch Grafik und Sound mit den heutigen Maßstäben vergleicht. Das haben die alten, tollen Games einfach nicht verdient. Ich stelle mich lieber nun dem "Jetzt" und behalte meine Erinnerungen so, wie sie waren.
?: Ist die Spieleszene wirklich so einfallslos geworden, wie die Retrofreaks immer jammern, oder haben wir heute nicht auch Vieles erreicht, von dem wir damals nur träumen konnten? Was hätte im Bereich Videospiele seit damals anders/besser laufen können/müssen?
jb: „Was ist ist, was nicht ist ist möglich“ (B.Bargeld, Endeneu, erster Song.) Die Kundschaft an der Kasse entscheidet, was sich durchsetzt. Zwischen Junk-Food und Videospielen gibt es keinen wesentlichen Unterschied.
?: Haben Spieletestzeitschriften im Zeitalter des Internets überhaupt noch einen Sinn?
jb: Für mich ja. Allerdings müssten die Anzeigenpreise wieder hoch - man muss der Print-Journalie die Chance geben, ohne Zeitdruck Spiele zu testen. Im Internet zählt die schnelle Veröffentlichung - und hat damit für mich auch vollkommen die Berechtigung. Ich selbst habe ja auch Internet-Projekte gemacht und stehe auch zu den Websites. Geschwindigkeit ist wichtig. Und viele lassen auch da die Qualität nicht links liegen - aber sie haben aufgrund des Mediums meistens keine Zeit, einen Test langfristig durchzuziehen. Auch Nachbesserungen sind dann nicht aktzeptabel - ich mag es immer noch, ein Printmagazin zu lesen. Das hat nämlich nur EINE Chanche, einen Artikel zu bringen - und wird dadurch qualitativ höher sein, als bei jemandem, der weiß, dass er sich online auch schnell verbessern kann. Ich kenne auch noch immer sehr viele Kollegen aus den verschiedensten Print-Magazinen - und die reissen sich wirklich den A**** auf, um beste Arbeit abzuliefern. Die nachhaltig ist. Und substanstiell. Ich lese jeden Tag im Internet meine News - aber eben auch meine Printmagazine. Internet und Print ist für mich keine sich gegenseitig ausschließende Alternative - ich brauche beides.
?: Kennst du gewisse Retro-Zeitschriften, wie z. B. das "Retro" oder "Retro-Gamer"?
jb: Nein.
?: Was müsste geschehen, damit die heutigen Spiele auch wieder "kultig" werden können?
jb: Die Frage impliziert, dass heutige Spiele NICHT "kultig" sind. Und das sehe ich anders. Ist vielleicht eine Definitionsfrage.
?: Wie denkt du über den Unterschied zwischen den Computerzeiten damals und heute? Bist du retro?
jb: Nein, ich bin nicht "retro". Ich trauere den alten Zeiten nach - freue mich aber über die Vorteile der jetzigen Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass man von "alten Zeiten" lernen kann - aber ich lebe lieber im "Jetzt" als im "Gestern". Früher war toll - jetzt ist besser.
?: Wie denkst du über Retro-Fanatiker wie uns? Ist das cool oder haben wir doch nur alle 'nen Schuss?
jb: Ihr habt nen Schuss! :) Und ich auch... Ich mag die Vergangenheit und ich liebe die Gegenwart. Und ich freu mich auf die Zukunft. Es ist toll, wenn ich bei Euch etwas über Power Play oder Video Games lese. Und ich mag es, wenn sich jemand mit den alten Games beschäftigt - auch, wenn ich sie selbst nicht mehr spiele. Zum Punkt: Was ist denn "Retro"? Wenn jemand alte, tolle Erfahrungen auch später positiv bewertet, dann ist das gut. Wenn er aber deshalb grundsätzlich die Meinung hat, dass deshalb keine besseren Dinge nachkommen können, dann limitiert er sich selbst und verkleinert seinen Horizont. Dann ist "Retro" ein Manko. Wenn jemand dagegen die Vergangenheit schätzt und offen für Neues bleibt, dann ist er auch "Retro" - aber dann ist das cool.
?: Danke für das Interview Jan, ich wünsche dir noch viel Erfolg in deinen weiteren Leben.


Interviewer war Kultboy. Das Copyright des Interviews unterliegt Kultboy sowie Jan Binsmaier,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
User-Kommentare: (15)Seiten: [1] 
21.03.2009, 19:21 Gecko (2 
@whitesport:

>Aber das Wegbleiben der Leser bzw. die Einstellung des Magazins >einfach lapidar komplett dem Verlag in die Schuhe zu schieben, das
>ist für mich persönlich einfach schlechter Stil. Wenn z.B. >Fussballvereine abstürzen, ist auch nicht nur der Vorstand schuld, >sondern der komplette Verein...

Solche Grundsatz-Aussagen halte ich eher für gefährlich - was würdest Du sagen, wenn der Vorstand eines Vereines alle guten Spieler verkauft, die Trainigsbedingungen deutlich verschlechtert und dann noch in ein viel zu kleines Stadion umzieht? Ich denke, da werden die Wenigsten die Verantwortung bei den verbleibenden Spielern suchen. Im Falle der Magna Media erschien es mir zumindest so zu sein: Die gute Stammmannschaft um Michael Hengst, Mikkl Galuschka, Frank Heukemes, Knut Gollert, Peter Steinlecher u.a. wurden vergrault, das Heft seitenmässig verkleinert und das Klopapier, auf dem die PP damals gedruckt wurde, war auch nicht dazu angetan, das rüberzubringen, was Screenshots eigentlich sollten. Aber nochmal: Ich kann nur als PP-Fan hier meinen Eindruck schildern - über die Internas zu dieser Zeit können sicher andere mehr beitragen.

Ich kam dann Mitte 1997 dazu und ja: Wir waren durch den Verkauf an DMV/Weka natürlich dann von heute auf morgen ein komplett neues Team - und sicherlich fehlte uns da auch einiges an Erfahrung. Ich bin dann ja auch relativ schnell zur Video Games gewechselt - hatte die PP aber als Nachbar-Redaktion immer direkt im Auge und wusste natürlich durch die Nähe recht gut, was dann auch unter Future passierte. Und die Einstellung der PP unter Future war definitiv die Schuld des Verlages bzw. der Verlagsleitung. Ich kann mich da sicherlich nicht allzu genau auslassen, da ich sonst wirkliche Internas ausplaudern würde. Aber die PP einzelnd als Verlagsobjekt betrachtet, war sicherlich nicht defizitär. Auch kein großer Gewinnbringer, aber eben auch kein Heft, das am Existenzminimum rumkrebste. Und wenn dann das Heft dennoch eingestellt wird, obwohl andere weit weniger lukrativ, aber prestige-trächtiger sein sollen, dann ist das objektiv für mich eine Fehlentscheidung.

So wars dann auch von mir gemeint.

>Nichts für ungut, Danke für das Interview.

Kein Problem! Ich nehm da auch nix krumm - wir diskutieren ja nur.

Beste Grüße!
Gecko
19.03.2009, 10:39 Herr Planetfall [Mod] (3888 
Tja, von uns war ja keiner dabei. Wenn aber fast alle hier interviewten Ex-Redakteure der Power Play von einer unglücklich agierenden Verlagsleitung sprechen, wird das wohl seinen Hintergrund haben.
Kann mir z. B. nicht vorstellen, daß Ex-Redakteure der Maniac oder der PC Games von einer schlechten Verlagsleitung sprechen würden, diese Magazine gibt's schließlich noch, und das seit über 15 Jahren.

Einige Redakteure haben hier ja auch geschrieben, daß sie den Niedergang ihrer Magazine durchaus aufhalten wollten, aber beim Verlag auf taube Ohren stießen. Um beim Fußball-Vergleich zu bleiben: Wenn Du Stürmer sein willst, aber der Trainer Dich immer in die Verteidigung stellt, schießt Du halt keine Tore.
19.03.2009, 10:16 whitesport (849 
Das die Powerplay zu Deiner/Eurer Zeit einfach nur noch armselig war, sowohl stilistisch als auch von der Fachkompetenz her (Altpapier und schlechte Screenshots mal aussen vor gelassen), ist natürlich eine vollkommen subjektive Aussage von mir.

Aber das Wegbleiben der Leser bzw. die Einstellung des Magazins einfach lapidar komplett dem Verlag in die Schuhe zu schieben, das ist für mich persönlich einfach schlechter Stil. Wenn z.B. Fussballvereine abstürzen, ist auch nicht nur der Vorstand schuld, sondern der komplette Verein...

Ist mir halt ein bisschen sauer aufgestossen, daß niemand für den, milde gesagt, unrühmlichen Niedergang der Powerplay auch nur ein kleines Bisschen Verantwortung übernehmen will.

Nichts für ungut, Danke für das Interview.
19.03.2009, 07:52 Herr Planetfall [Mod] (3888 
Danke für die Wortmeldung, Jan, sehr erhellend. Wer sollte damals schon tieferen Einblick in die Branche gehabt haben, wenn nicht brancheninterne Mitarbeiter?
18.03.2009, 23:03 Gecko (2 
@whitesport - zum 1. Eintrag von Dir:
Ich hatte deutlich geschrieben, dass ich als "Außenstehender" bezüglich der MagnaMedia-Entscheidungen keine wirklichen Einblicke zu diesem Zeitpunkt hatte - ich hatte den damaligen (und heutigen) Eindruck als reiner Leser und Fan der PP. Vielleicht habe ich das so im Interview nicht richtig rübergebracht. Ich wollte bei diesem Passus nur ausdrücken, dass es mir selbst, obwohl ich dadurch ja zur PP erst kam, selbst sehr leid tat, dass die "alten Redakteure" damals das Magazin verlassen mussten/sich dazu entschlossen hatten zu gehen. Natürlich habe ich einen sehr subjektiven Eindruck dann durch den DMV (wurde ziemlich schnell dann vom Unterverlag in die WEKA-Verlagsgemeinschaft umfirmiert) in der Übergangszeit bekommen - der hatte diesen Eindruck aber auch noch verstärkt. Fazit: Nein, es ist nicht immer "der böse Verlag" - in diesem Fall hatte ich aber den Eindruck und den habe ich auch heute noch. Das hat aber mit Deinem letzten Halbsatz auch nichts zu tun: Die PP ging nicht 1997 zugrunde, sondern ca. 4 Jahre danach. Und nicht wegen MagnaMedia, dem DMV Verlag oder WEKA, sondern durch den Future Verlag. Und ja: Auch hier würde ich klar die Hauptschuld aus meiner sehr subjektiven Sicht dem Verlag zurechnen - auch, wenn ich da schon LANGE (seit Anfang 1998 ) nicht mehr bei der PP war...

@ Evil - zum 1. Eintrag von Dir:
Danke für den Business 2.0-Hinweis... Das Heft war tatsächlich sehr cool - schade nur, dass man vor lauter unwirtschaftlichen Werbemaßnahmen aus meiner Sicht sehr viel Geld verbrannt hatte - Geld, das für die anderen Objekte nötig gewesen wäre. Aber auch das war nicht der Grund für Futures Weggang aus Deutschland und die Schließung aller Hefte... Das war tatsächlich aus meiner Sicht gar kein deutscher (die Hefte waren allesamt deutlich im Aufwind und einzelnd betrachtet auch wirtschaftlich im Reinen) - sondern ein momentaner Aktienniedergang auf globaler Ebene beim Future-Verlag. Und um deutliche Kosteneinsparungen zu demonstrieren, wurde das Land, das gerade erst aufgebaut wurde, gleich wieder geschlossen wurde. Nicht umsonst wurden quasi alle Objekte (T3, Business 2.0, PC Player, Video Games, PowerPlay.de, PlayStation Fun (das frühere Offizielle PlayStation Magazin) gleichzeitig platt gemacht...

@Evil - zum 2. Eintrag von Dir:
Stimmt so nicht. Bei der PP-Print war ich lediglich "leitender Redakteur". Danach u.a. "Stellv" bei der Video Games, die ich dann als Chefredakteur übernommen hatte. Später dann als Projektleiter und Chefredakteur zu PowerPlay.de (dailyradar.de). Dies nur zur Richtigstellung - und nein: Ich halte mich deshalb nicht für einen "ganz tollen Journalisten", Whitesport...

@McCluskey - zum 1. Eintrag von Dir:
Man muss mich auch nicht kennen - das war auch nie mein Ziel... Und ich halte Heini NICHT für den "Obermotz-Schöpfer" - aber ich kenn durchaus den "historischen" Hintergrund von Heini und habe auch längere Zeit mit ihm zusammengearbeitet (er hat u.a. auch für uns bei Powerplay.de geschrieben). Und ich respektiere schlichtweg, was er (und Boris) damals auf die Beine gestellt haben. Die Antwort im Interview war aber tatsächlich eher ironisch gemeint - kam wohl nicht an...

@Apock: Wie gesagt: Das macht rein gar nix...

Beste Grüße!
Gecko
Jan Binsmaier
EDIT: EINEN Smilie-Fehler korrigiert...
Kommentar wurde am 18.03.2009, 23:05 von Gecko editiert.
11.03.2009, 09:56 kultboy [Admin] (10835 
Welches PlayStation Magazin war das jetzt? Du hast mir ja eine Menge geschickt Evil.
Kommentar wurde am 11.03.2009, 09:56 von kultboy editiert.
11.03.2009, 08:39 Apock (39 
Nettes Interview auch wenn der Herr mir nichts sagt
11.03.2009, 02:55 clemenza (318 
whitesport schrieb am 10.03.2009, 15:44:
Ooh, der Verlag ist mal wieder schuld Wenn die Power Play gegen Ende keiner mehr gelesen hat, sollte man sich eventuell, selbst wenn man sich für einen ganz tollen Journalisten hält, auch ein bisschen an die eigene Nase fassen...


10.03.2009, 23:44 Herr Planetfall [Mod] (3888 
whitesport schrieb am 10.03.2009, 15:44:
Ooh, der Verlag ist mal wieder schuld


Naja, andere Ex-Redakteure der Power Play haben ja ähnliches geäußert, also wird schon was dran sein. Sollte das stimmen, ist es jedenfalls ziemlich schräg, daß es der Markt&Technik-Leitung völlig egal war, mit der Power Play zeitweilig Marktführer im Spielezeitschriften-Sektor zu sein.
10.03.2009, 19:40 McCluskey (320 
Interessantes Interview, auch wenn mir der Name Jan Binsmaier nix sagt. Meine POWER PLAY-Leserschaft endete mit der Umstellung auf ein reines PC-Magazin einige Jahre früher.

PS: Schon der Zweite, der Heini Lenhardt für den "Obermotz"-Schöpfer hält...
10.03.2009, 17:31 whitesport (849 
Nee, ging ums Altpapier, sorry...
10.03.2009, 17:16 Evil (643 
whitesport schrieb am 10.03.2009, 17:12:
MAD hab ich auch gelesen

Ironie, die ich nicht verstehe? Da war er als stellv. Chefredakteur dabei, also nicht unwichtig -- oben lese ich aber nur PP und VG.
10.03.2009, 17:12 whitesport (849 
MAD hab ich auch gelesen
10.03.2009, 16:02 Evil (643 
Guck dir mal an, wie die Hefte in der Magna Media bzw. Weka/DMV-Zeit aussahen. Das Altpapierzeugs hat man doch nur bedingt gerne gelesen. Future hat die Hefte meiner Meinung nach erst wieder versucht die Hefte auf Kurs zu bringen, hat's hinter den Kulissen aber so versaut, dass es nicht geklappt hat (Stichwort: Geldverbrennung mit Business 2.0).

In dem Interview (danke Kulti ) hab ich aber nichts von deren PlayStation-Magazin gelesen. Schade, da hätte mich eine ehrliche Meinung im Nachhinein auch noch interessiert...
10.03.2009, 15:44 whitesport (849 
Ooh, der Verlag ist mal wieder schuld Wenn die Power Play gegen Ende keiner mehr gelesen hat, sollte man sich eventuell, selbst wenn man sich für einen ganz tollen Journalisten hält, auch ein bisschen an die eigene Nase fassen...
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