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Das Interview wurde 2004 geführt.

Steckbrief
Name: Michael Suck   Alter: 36
Karriere:Volontariat bei ASM, später Freier Mitarbeiter, Studium in Göttingen mit M.A. Abschluss in Politikwissenschaft, Publizistik und Germanistik, 1999 Entwicklungsredaktion für den Bauer-Verlag plus Zwischenspiel bei Computer BILD, danach seit 2000 Ressortleiter bei der CHIP fürs Internet, demnächst Redaktionsleiter für ein neues Blatt.


?: Fangen wir mal von ganz vorne an, wie fing deine Karriere als Redakteur eigentlich an ?
ms: Wie so oft durch einen Zufall: Ich war auf der Suche nach Kleinanzeigen für unsere Schülerzeitung und bin deshalb einfach mal beim Tronic-Verlag in Eschwege vorbeigelaufen. Da aber niemand aus der Anzeigenabteilung da war, hab ich einfach mal gefragt, ob die Redaktion noch jemanden brauchen könnte. Die haben mich dann gleich einen Probetext schreiben lassen. Ich hab dann zwei Wochen nix von der Redaktion gehört, aber dann zufällig Manfred Kleimann auf einem Parkplatz getroffen. Der meinte, ich sollte gleich morgen vorbeikommen - und eine Woche später war ich dann fast jeden Tag da, hab während des Zivildienstes fest für die ASM gejobbt und danach gleich das Volontariat begonnen.
?: Was denkst du über den Niedergang der ASM ?
ms: Der hatte viele Gründe. Das Blatt wurde ja lange Jahre weniger professionell als anarchisch geführt. Dem kleinen Tronic-Verlag ging es zuerst an die Gurgel, dann kam der Verkauf an DMV (ehemals Teil von WEKA), wo alle ganz groß hinaus wollten und dann bitter abstürzten. Entscheidungen wurden aber auch beim neuen Besitzer eher aus dem Bauch heraus getroffen. Das betrifft den Switch zum "Spaß-Magazin" ebenso wie die jahrelange Ignorierung der geänderten Marktlage: Als Multiformat-Magazin hatte sich die ASM einfach überlebt, der Titel "Aktuelles Software Magazin" klang schon Anfang der Neunziger viel zu hausbacken für einen Spiele-Titel und mit der Punktebewertung von 0 bis 12 haben wir uns auch nicht mehr mit allen anderen Spiele-Magazinen messen können, die längst auf ein 100-Prozent-Schema umgestellt hatten.
?: Wieso wurde aus der ASM eigentlich "Das Spass-Magazin" ?
ms: Weil der zu diesem Zeitpunkt tätige Chefredakteur Peter Schmitz zwar gemerkt hat, dass der Name "Aktueller Software Markt" nicht mehr in die Zeit passt, aber andererseits nicht wahrhaben wollte, dass ein "Spaß Magazin" noch viel grauseliger klingt. Das war dann die letzte Schippe für das ASM-Grab.
?: Du warst ja von fast Anfang bis Ende dabei, welche Jahre hatten dir am besten gefallen und welche weniger ?
ms: Die Pionier-Tage waren natürlich am lustigsten. Wir haben den ganzen Tag skurrile Sachen ausgeheckt, uns mit Pampelmusen beworfen, Kleinkriege um die Musik geführt, die auf der Tape-Deck gespielt werden sollte, bis in die Nacht gezockt und gefeiert. Als ich 1991 dann auf die Uni gegangen bin, war ich nur noch in den Semesterferien vor Ort. Die Stimmung war da schon angespannter, die Ursprungsredaktion längst komplett gegangen. Nur Bernd Zimmermann hatte nochmall ein kurzes Gastspiel. Insofern bin ich auch der Einzige, der von Anfang bis Ende der ASM dabei war.
?: Du warst eine zeitlang als Redakteur angestellt, dann als freier Mitarbeiter, hattest du noch andere Projekte ?
ms: Na ja, die Uni halt. Und ich hab als Freier auch für andere Zeitschriften und Zeitungen jenseits des Computer-Business gearbeitet.
?: Hast du noch zu ehemaligen Mitarbeitern Kontakt ?
ms: Lange Zeit überhaupt nicht. Witzigerweise ist aber Hartmut Wendt, damals Anzeigenchef bei der ASM, jetzt unser Key Accounter bei der CHIP. Und auch mit Martina Strack hab ich in letzter Zeit öfters telefoniert, die ebenfalls in München wohnt.
?: Was hältst du von Emulation ?
ms: Den ersten Emulator hab ich vor vier Jahren im Web entdeckt und dann per MAME meine alten Lieblings-Spielhallen-Games noch mal gezockt. Endlich hab ich mal Galaga '88 durchgespielt! Es ist halt ein bisschen Nostalgie dabei – und es macht natürlich auch immer noch ne Menge Spaß, die alten Dinger zu zocken.
?: Welche Amigas (oder andere Exoten) hast du noch daheim Rumstehen ?
ms: Ich hab immer alles verkauft, wenn's was Besseres gab. Meine Computerliste so far: C-16, Sinclair ZX Spectrum, C-64, Atari ST und unzählige PCs. Außerdem hatte ich ein NES, SNES, ne PC Engine und aktuell die XBOX.
?: Benutzt du es heute noch ?
ms: Ich hab noch ein NES Rumliegen, aber das hat Staub angesetzt und liegt auf dem Dachboden.
?: Welche sind deine TOP 10 Spiele ? (falls du noch spielst...)
ms: Immer noch Action: Castle Wolfenstein, Half-Life und mit Sicherheit demnächst Half-Life 2, dazu gern mal einen der Need for Speed Teile. Von den alten Games hauptsächlich die Automaten-Ballerspiele, sprich die Gradius-Teile, Galaga und Galaga '88, seltsamerweise aber auch Crazy Kong oder Bank Panic, dazu die "Shmups" aus den späten 90ern, vor allem DoDonPachi.
?: Wie beurteilst du den derzeitigen Spielmarkt ?
ms: Da bin ich zu lang raus und kümmere mich zu selten darum, um das kommentieren zu können.
?: Findest du den derzeitigen Spielpreis angemessen ?
ms: Spiele werden immer häufiger wie Spielfilme entwickelt. Das treibt die Kosten nach oben, und die Raubkopiererei tut ihr Übriges - insofern finde ich die Preise gerechtfertigt.
?: Glaubst du, gehen den Softwarefirmen die Ideen aus ?
ms: Nein. Das Argument gab's schon Ende der Achtziger: Immer die gleichen Film-Adaptionen, immer die gleichen Jump-and-Runs. Es ist, wie es immer ist: Man muss die vorhandenen Konzepte nehmen und ihnen einen neuen, innovativen Spin geben.
?: Was hältst du von den derzeitigen deutschen Magazinen ?
ms: Die lese ich schlicht und ergreifend nicht.
?: In letzter Zeit kommen verstärkt Retro-Bücher auf den Markt, was haltest du davon ? schon mal eines gelesen ?
ms: Ich hab mal in ein paar Bücher reingeschaut. Die sind ja meistens von Leuten geschrieben, die wie ich schon früh mit der Branche zu tun hatten. Wirklich interessant finde ich die Bücher aber nicht.
?: Trauerst du eigentlich der "alten" Computerzeit nach ?
ms: Nein. Die Branche ist so sehr im Wandel, da lohnt i.d.R. nur der Blick nach vorn. Das Internet ist z.B. ein fantastisches, neues Medium. Aber wie gesagt: Ein bisschen Nostalgie gönne ich mir ab und an mit einem Emulator…
?: Danke für das Interview Michael, ich wünsche dir noch viel Erfolg in deinen weiteren Leben.


Interviewer war Kultboy. Das Copyright des Interviews unterliegt Kultboy sowie Michael Suck,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
User-Kommentare: (10)Seiten: [1] 
11.07.2004, 06:53 Gast
hm, ich glaub der hat gar nicht kapiert was für nen Einfluss der auf die ganzen ComputerKids damals hatte und das das die Leute sind die heute Anfang Dreisig sind und in der IT-Branche die grossen Gurus sind.
Er hat zwar einige Steine ins Rollen gebracht sich aber selbst nicht auf den richtigen Zug draufgesetzt ... so ähnlich wie Johannes Kepler der zwar die Naturgesetze entdeckt hat gleichzeitig aber in seiner alten eit haften blieb, indem er Horoskope erstellte. Aber danke das ihr damals den Stein ins Rollen gebracht habt, aber ich habe gerade gemerkt das ihr halt auch nur Menschen wart, genau so wie die Leute die damals Programmiert haben wohl nicht anders sind als die Programmierer heute, nur war ich damals eben 12. Jedenfalls habt ihr die Welt verändert.
23.03.2004, 20:13 DaveTaylor (1697 
Stimmt. Man hat über den Amiga schnell Freunde gewonnen. Noch schneller wurde man sogar eine Gruppe mit einem Namen (nein, den verrate ich jetzt nicht). Und dann diese Copy Parties am Wochenende. Und auf dem Schulhof wurde mit Disketten gedealt.
Ach ja...
23.03.2004, 12:52 lemmy07 (673 
Das Interview ist echt interessant! Vor allem wie es in den Anfangszeiten in der Redaktion so zu ging, sowas gibts heute bestimmt nicht mehr... Von seinen alten Klassikern kenne übrigens die wenigsten, aber Automatenspiele waren nur so lange mein Fall, bis ich selber meinen ersten Computer hatte, danach hab ich höchstens noch im Urlaub in Italien in den Spielhallen gezockt (manchmal wäre ich fast wieder käsebleich aus dem Urlaub gekommen

@DaveTaylor: weil du geschrieben hast "deine Amiga Truppe":
Da kommt mir gerade der Gedanke, dass ich damals mindestens 2-3 Freunde nur deshalb hatte, weil ich zu dem Zeitpunkt einen Amiga hatte (wie schon von euch geschrieben: damals war man einfach eine Gruppe Aussenseiter, die zusammenhielt und Neuigkeiten austauschte, vor allem wenn man den selben Computer hatte). Wäre ich damals beim Atari ST geblieben, hätte ich die Leute wohl nie kennen gelernt!
21.03.2004, 07:53 kultboy [Admin] (10776 
Du sprichst mir aus der Seele Dave

Früher war man wirklich ein Aussenseiter beim zocken, aber heute ? Jeder Idiot zockt, ist wie beim Bodybuilding, früher in den 80 Jahren, war das auch eine Randsport Art, und heute ? Heute pfeifen sich 18 jährigen schon ihre 3 Kur rein

Irgendwie ist heutzutage nichts mehr besonders, weil es einfach jeder machen kann bzw macht. Schade eigentlich
20.03.2004, 20:14 DaveTaylor (1697 
Zum Anfang war die Computerszene so schön familiär. Wenn man liest welche Stimmung in der Redaktion herrschte, dann würde ich auch gern da arbeiten. Bis in die Nacht zocken und so.

Doch auch außerhalb der Zeitschriften-Redaktionen ging es familiär zu. Die wenigen Zocker hielten zusammen, denn sie waren ja Außenseiter.

Heute zockt jeder. Es ist nix besonderes mehr daran. Games sind Massenprodukt geworden.

Ich würd gern die Zeit zurückdrehen.
Nochmal jung sein und Aufstieg, Blüte und Fall des Amigas nochmal miterleben.
Diesmal würd ichs noch mehr genießen, da mir klar wäre: die Zeit kommt nie wieder.

Ihr seid übrigens ein guter Ersatz für meine damalige Amiga Truppe.

Kommentar wurde am 20.03.2004, 22:00 von editiert.
20.03.2004, 17:44 uno (839 
sehr interessant! wíe sympatisch die ganze computersache damals war (auf dem parkplatz getroffen, verrückt). ich glaube nicht, dass ein verlag so heute seine mitarbeiter rekrutiert, da muss man schon was vorweisen können (um dannach doch nur totalen mist zu fabrizieren, no names mentioned).
19.03.2004, 18:20 kultboy [Admin] (10776 
Siehe vorletze Frage an Suck, dort steht ja was er von der "alten" Zeit hällt
19.03.2004, 15:46 Greg Bradley (2570 
Très interessant!!

Ich glaube aus der, sowohl zeitlichen als auch beruflichen, Distanz ist der Niedergang der ASM einfacher zu bewerten.

Ansonsten scheint der Mann aber eher mit zielgerichtetem Blick nach vorne zu schauen. Kein so Retro Freak - schade, aber auch Ok.
19.03.2004, 11:12 Nestrak (769 
Stimmt, eine realistische Darstellung der Situation von einem Menschen der mit beiden Beinen im Leben steht. Sehr interessant. Eine interessante Frage die mir im nachhinein einfällt wäre zum Beispiel:
Ob er sich bewußt ist eigentlich als Pionier in einem Bereich tätig gewesen zu sein und ein Magazin hinterlassen zu haben das heute Kultstatus genießt? Und ob er das selber auch so sieht?
Kommentar wurde am 19.03.2004, 11:13 von editiert.
19.03.2004, 05:43 kultboy [Admin] (10776 
Ich finde es recht interessant, vorallem war er ehrlich im Bezug zum Niedergang der ASM
Seiten: [1] 


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