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Das Interview wurde am 07.07.2014 veröffentlicht.

Steckbrief
Name: Mick Schnelle
Alter: 50 Jahre
Karriere: Spieletester, Übersetzer, Lektor


?: Hallo Mick. Fangen wir doch mal bei deinen Ursprüngen an. Wie kam es zu deiner Karriere im Spieletester-Business?
ms: Nach meinem Chemiestudium hatte ich wenig Lust mir in der chemischen Industrie oder gar Forschung (brrrr....) einen seriösen Job zu suchen. Nein, ich wollte Spieletester werden. Ohne allzu große Hoffnung schrieb ich mehrere Bewerbungen an die großen Magazine. Zu meinem Erstaunen bekam ich binnen weniger Tage gleich zwei Rückmeldungen. Die Video Games lud mich zu einem Gespräch ein. Noch fixer war Michael Labiner vom Joker Verlag. Der bot mir per Telefon direkt einen Job an. Und so saß ich bereits einen Monat später, am 3. Mai 1993, im Joker Verlag. Dort arbeiteten wir gleich an drei Magazinen (PC Joker, Amiga Joker, Megablast) und einem Sonderheft parallel. Vom ersten Tag an wurde ich von Kollegen und Chef sehr herzlich aufgenommen, ich hatte Spaß an der Arbeit und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Habe diesen Schritt nie bereut.
?: Man findet Beiträge von dir in der aktuellen, deutschen Retro-Gamer-Ausgabe und auch für die Website „GamersGlobal“, schreibst du ab und an einen Artikel. Welche anderen Projekte, hast du aktuell am Start?
ms: Ich arbeite nach wie vor als Übersetzer. So habe ich z. B. für eine große deutsche Kinoproduktion das Drehbuch ins Englische übertragen. Daneben bearbeite und lektoriere ich Texte für verschiedene Agenturen, allerdings außerhalb der Spielebranche. Und nach wie vor begutachte ich Spiele, die sich in der Entwicklung befinden. Und dann noch so dies und das, über das ich leider nix verraten darf.
?: Auf welchem System, begann deine Spiele-Leidenschaft?
ms: Alles begann 1978 mit einem klassischen Telespiel von Universum. Da waren fünf Spiele drauf. Drei Pong-Varianten und zwei Schießspiele, für die sogar ein Lichtgewehr beilag. Das sah ziemlich cool aus, weil man es wie ein Scharfschützengewehr zerlegen konnte.
?: Erinnerst du dich noch, welches der erste, von dir verfasste Test war?
ms: Klar, das war der Space Hulk-Test für den PC Joker auf dem PC. Meine 50+ Wertung brachte uns dann auch gleich einen Bemusterungsstopp ein. Und das gleich in meiner ersten Woche.
?: Was waren die skurrilsten Ereignisse, die du mit deiner Zeit als Redakteur verbindest?
ms: Hmmm... das Meiste kann ich echt nicht erzählen. Chefredakteure, die auf dem Rücken liegend hilfloser Käfer gespielt haben. Kollegen, die Brennpaste mit scharfer Chillisauce verwechselt haben. Oder das Schmelzinferno, als jemand, dessen prominenten Namen ich mal nicht erwähne, versuchte, Tütensuppe ohne Wasser zu erhitzen...
?: Wenn ich mich recht erinnere, hast du dich in deiner Redakteurszeit bei mehreren Gelegenheiten als Simulations-Fan geoutet. Wie geht man als solcher, mit den aktuell äußerst mageren Zeiten um?
ms: Ganz einfach: Man spielt die Klassiker wie Falcon 4.0 oder die ganzen Microprosesimulationen und hofft auf bessere Zeiten.
?: Dein offener Brief an den Kollegen Christian Schmidt, (ehemals Gamestar), betreffs seiner Kritik an der heutigen Generation der Spieletester im Allgemeinen, vom September 2011, hat im Netz ja recht große Wellen geschlagen. Hast du mit Christian danach noch einmal persönlich gesprochen und wenn ja, wie steht er zu seinen damals getätigten Aussagen ?
ms: Leider habe ich Christian nicht mehr getroffen. Das liegt schlicht und einfach daran, dass sich unsere Wege seitdem nicht mehr gekreuzt haben.
?: Hat dich eigentlich schon einmal eine Festanstellung auf der anderen Seite der Videospiel-Branche gelockt? Einige ehemalige Kollegen sind diesen Weg ja gegangen.
ms: Nein, absolut nicht. Das ist eine völlig andere Arbeit mit völlig anderen Anforderungen und würde mir keinen Spaß machen. Ich liebe mein Freiberuflerdasein, weil ich so immer das letzte Wort habe. :-)
?: In den Bereichen Belletristik und Fachliteratur, bist du ja schon mehrfach als Übersetzer in Erscheinung getreten. Würde es dich locken, eine Übersetzung für ein Videospiel anzufertigen? Ist man da schon einmal damit an dich herangetreten und wie denkst du überhaupt über das allgemeine Niveau von Spiele-Lokalisierungen in unserer Zeit?
ms: Theoretisch ja. Aber nur, wenn ich ausreichend Zeit bekäme gute Arbeit abzuliefern. Oft kennen die Übersetzer bei PC- und Videospielen nicht den ganzen Text, sondern immer nur Teile. Und die ändern sich auch gern mal. Sehr häufig ist auch der Zusammenhang nicht klar. So mag ich nicht arbeiten. Bei Romanen oder Drehbüchern lese ich immer erst den ganzen Text, bevor ich mich an die Übersetzung mache. Schließlich wird manches erst dann klar, wenn man das Ganze kennt.
?: Wie hast du den Wechsel vom Joker zur PC-Player erlebt? Wie unterschiedlich waren die Arbeitsbedingungen?
ms: Ach, das verlief eigentlich ganz harmonisch. Hüben wie drüben gabs nette Kollegen. Bei der Player war die technische Ausstattung allerdings deutlich besser. Wir durften sogar ins Internet und hatten ein Netzwerk. Und endlich durfte ich regelmäßig auf Entwicklerbesuch und auf Messen. Einziger Nachteil: mein schönes großes Eckbüro musste ich bei der Player gegen eine enge Klosterzelle eintauschen mit Serverraum im Rücken.
?: Das Horror-Adventure Phantasmagoria, hast du damals im Vergleich zu anderen, deutschen Redakteuren, mit 88% recht positiv bewertet. Kamen eigentlich manchmal nachträgliche Kommentare, von der Chef-Redaktion, wenn die Wertung eines Spieles weit ober- oder unterhalb der der anderen Publikationen lag, oder hat man eher nicht auf die Konkurrenz geschielt?
ms: Jede Wertung war stets mit dem jeweiligen Chefredakteur besprochen. Also gabs auch nie Diskussionsbedarf. Und nein, wir haben nie geguckt wie die Mitbewerber gewertet haben.
?: Gibt es irgendwelche Spiele, die du aus heutiger Sicht härter, oder milder bewerten würdest.
ms: Ja, Black & White wäre mit einer 70er Wertung gut bedient gewesen.
?: Stimmt es, daß du schon länger an einem Retro-Buch schreibst? Wenn ja, zu welchem Thema?
ms: Nein, ich erzähle auf Facebook ja schon mal die eine oder andere Anekdote aus der Historie. Aber ein Buch ist derzeit nicht geplant.
?: An welchem Spiel, bist du verzweifelt? Entweder, weil es so unmenschlich schwer, oder so furchtbar grottig war?
ms: An Malkari. Das war ein Strategiespiel für den PC, dessen Sinn und Zweck ich trotz Erklärung durch den Entwickler nicht verstanden habe. Das mitgelieferte Handbuch war auch nicht viel aufschlussreicher. Also habe ich getan, was jeder gute Spieletester gemacht hätte: ich habe es auf einen Kollegen abgewälzt. Getroffen hat es den armen Martin Deppe. Keine Ahnung, was der aus dem Ding gemacht hat.
?: Wie hast du den Untergang der CHIP-Powerplay erlebt? Wirst du an Heinrich Lenhardts „Power-Play-Digital“ - Projekt beteiligt sein?
ms: Das Ende kam schnell und schnörkellos in einer Mail von Heinrich. Wir waren alle schon sehr früh darüber informiert. Schade, um das schöne Heftkonzept, ich habe die Mischung aus Neu und Alt sehr gemocht und empfinde es nach wie vor als Ehre dabeigewesen zu sein. Wenn Heinrich uns erneut an die Tastatur ruft, bin ich mit Freuden dabei.
?: Im Rahmen des Spieleveteranen-Podcast, erwähntest du, daß du im Rahmen eines Umzuges alle möglichen, alten Spiele und Hefte loswerden musstest. Bereust du das heute?
ms: Nö!
?: Wird man dich in absehbarer Zeit wieder einmal als Gast des Spieleveteranen-Podcast zu hören, oder sogar zu sehen bekommen?
ms: Mir hat die Teilnahme am Podcast viel Spaß gemacht, allein schon weil ich mit den lieben Kollegen wild rumplaudern konnte. Habe viel dabei gelacht. Wenn die Herren mich nochmal ertragen, bin ich gern wieder dabei.
?: Zu welchen deiner Kollegen, aus deinen Zeiten, als fest angestellter Redakteur, hast du heute noch Kontakt?
ms: Über Facebook, Telefon und via Mail zu sehr vielen. Persönlicher Kontakt ist deutlich seltener, da wir mittlerweile ja über die ganze Republik samt diverser US- Bundesstaaten plus Kanada verstreut sind. Meinem Bruder Martin sehe ich natürlich regelmäßig.
?: Wie stellt sich die Spielwelt der letzten, sagen wir mal zehn Jahre, in deinen Augen im Vergleich zu der deiner persönlichen Pionier-Zeit dar ? Welche Entwicklungen hast du begrüßt und welche hast du verdammt?
ms: Nun ja, meine „persönliche Pionierzeit" ist tatsächlich schon 20 Jahre her. Die Unterschiede zu damals sind gar nicht mal so groß. Es gibt nach wie vor gute und schlechte Spiele. Wobei früher der Anteil der Komplettausfälle sicherlich größer war. Dafür gibts heute erheblich mehr Mittelfeld, wobei die Zahl der völlig uninteressanten Titel sehr groß ist. Diablo-Klone en masse, Rennspiele, die man weder optisch noch spielerisch kaum unterscheiden kann. Nicht zu vergessen die Flut generischer Free2Play-Spiele. Letztlich ist der Markt aber nach wie vor Wellenbewegungen unterworfen, wobei die Qualität der Spitzentitel mittlerweile überragend ist. Solange mehr Spiele erscheinen als ich durchspielen kann, ist die Welt aber noch okay.
?: Viele Leute in der Spiele-Branche, egal ob Entwickler, oder Journalisten gestehen im Interview, daß sie aus Zeitmangel, abseits der Arbeit nur noch selten zocken. Wie sieht das bei dir aus ? Spielst du vielleicht sogar gerne alte Spiele und wenn ja, auf welchen Plattformen am liebsten?
ms: Ich spiele nach wie vor viel und gern. Und zwar privat, wie beruflich. Ich bin nach wie vor neugierig, beschäftige mich gern auch mit richtig schlechtem Kram. Oder den Klassikern. Darunter ist auch viel altes Zeug. Gern in Versionen auf dem iPad, etwa Baldur's Gate oder Final Fantasy 6.
?: Gibt es ein absolutes Top-Lieblingsspiel der Herzen, für Mick Schnelle?
ms: Ja, Magic Carpet spiele ich nach wie vor regelmäßig. Und einmal pro Jahr Fate of Atlantis auf einem der drei Lösungswege.
?: Wie wird die Zukunft des Print-Mediums, im Spiele-Bereich deiner Meinung nach aussehen ? Besonders mit Blick auf die vielen Internet-Blogs, die das Thema mittlerweile abdecken.
ms: Print hat dann eine Chance, wenn besseres als in irgendwelchen Internetblogs geboten wird. Tests und Reports, die nicht vom Praktikanten aus PR-Propaganda zusammengesetzt werden. So wie wir es mit der Chip Power Play gezeigt haben. Dazu gehört die Einsicht bei den Entscheidungsträgern, dass die Leser das auch haben wollen und keine beigelegten Glasperlen. Müssen die Verlage aber auch wollen.
?: Was denkst du über Retro-Seiten und Fanatiker wie uns? Ist das eine gute Sache oder haben wir alle einen Schuss?
ms: Natürlich habt ihr alle einen Schuß! So, wie ich auch. Und natürlich ist es eine gute Sache, wenn engagierte Leute die Geschichte unserer Branche am Leben halten. Verlage und Spielehersteller sehen sich ja leider nicht in der Verantwortung sich darum zu kümmern. Da ist die Arbeit von euch Enthusiasten wichtig. Ginge es nach mir, würden 50 Cent pro verkauftem Spiel in Projekte wie eures fließen.
?: Kultboy.com bedankt sich im Namen aller Mitglieder für das Interview und wünscht viel Erfolg und Gesundheit für dein weiteres Leben.


Interviewer war Retrofrank. Das Copyright des Interviews unterliegt Retrofrank sowie Mick Schnelle,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
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28.12.2016, 17:53 DaBBa (1226 
Pat schrieb am 27.12.2016, 16:09:
Es gibt zum Beispiel einige alte Platform-Puzzler, die ohne Lebenszähler richtig coole Spiele sind mit Lebenszähler aber einfach nur frustrierend.
Als umgekehrtes Beispiel möchte ich zum Another World nennen. Stell dir vor, wie schlecht das Spiel mit einem Lebenszähler wäre.


Another World ist da insofern bemerkenswert, als dass Éric Chahis Nachfolger im Geiste, Heart of Darkness, als einer der ersten Plattformer auf einen Lebenszähler verzichtete. Man konnte immer wieder neu versuchen, die Puzzles zu lösen. Ein Zeitlimit und einen Punktezähler hatten Heart of Darkness übrigens auch nicht. Dadurch brauchte man kein HUD, welches die Immersion mit technokratischem Unsinn störte.

Apropos: Das Zeitlimit war gefühlt in jedem Heim-Actionspiel drin, weil es halt bei Spielhallen-Spielen auch drin war. Oder der Punktezähler: Mal ehrlich, in 95 % aller Spiele sind die Punkte absolut belanglos. Wen interessiert eine High-Score-Tabelle, in die ich mich sowieso nur selbst eintrage?
28.12.2016, 10:39 Darkpunk (2288 
Pat schrieb: Also wenn es ein wirklich cool designtes T-Shirt ist, dann würde ich es mit Stolz tragen. Und wenn du es mir schenkst, mach ich noch ein Foto davon.




Ich las mir was einfallen und sag dir dann bescheid
27.12.2016, 16:55 Retro-Nerd (10201 
Bei beinharten Japan Shmups/Actionspielen cheate ich auch ab- und wann. Am lustigsten sind Leute, die Emu Save States dafür benutzen und dann sagen sie cheaten nicht.
Kommentar wurde am 27.12.2016, 16:55 von Retro-Nerd editiert.
27.12.2016, 16:09 Pat (3310 
Darkpunk schrieb am 26.12.2016, 11:04:
Du würdest ja auch nicht mit einem T-Shirt auf dem "Single-Player-Cheater" draufsteht rumlaufen. Denk mal drüber nach...


Also wenn es ein wirklich cool designtes T-Shirt ist, dann würde ich es mit Stolz tragen. Und wenn du es mir schenkst, mach ich noch ein Foto davon.

Es ist wirklich kein Problem, wenn jemand anderer Meinung ist. Für mich gibt es aber viele Spiele, die mir erst mit Cheaten wirklich Spaß gemacht haben.
Vom Kaputtcheaten halte ich aber auch nichts.

Es gibt zum Beispiel einige alte Platform-Puzzler, die ohne Lebenszähler richtig coole Spiele sind mit Lebenszähler aber einfach nur frustrierend.
Als umgekehrtes Beispiel möchte ich zum Another World nennen. Stell dir vor, wie schlecht das Spiel mit einem Lebenszähler wäre.

Ich finde, ein Spiel soll in erster Linie Spaß machen.
27.12.2016, 14:38 DaBBa (1226 
Mittlerweile haben viele Spiele mehrere Schwierigkeitsgrade. Der unterste ist dabei oftmals so einfach, dass er praktisch keine Herausforderung darstellt. Auch Lebenszähler sind längst ausgestorben: Bei GTA kann ich jede Mission immer wieder neu versuchen, egal wie oft ich verhaftet oder erschossen werde. Beim 3D-Shooter fange ich immer wieder beim letzten Neustart-Punkt wieder an. Ganz ehrlich: Da ist es doch bis zur völligen Unverwundbarkeit auch nur noch ein kleiner Schritt, der nicht diskutiert werden muss.

Z. B. bei Open-World-Rollenspielen: Da wollen viele auch einfach die Story erleben - und nicht Hunderte von Monstern totklicken. Da kann man dann sagen: "Ja, ich sammle jetzt allen möglichen Kram. Den verkaufe ich beim Händler, um mir von dem Geld bessere Ausrüstung zu kaufen. Dann mach alle Nebenquests weg, um Erfahrungspunkte zu sammeln. Dann bin ich irgendwann so mächtig, dass die Hauptquest total leicht wird." Oder ich sage: "Ach, scheiß drauf, wo ist der God-Mode?".
26.12.2016, 11:04 Darkpunk (2288 
Eigentlich bin ganz klar gegen das cheaten.

Pat`s Kommentar weiter unten liest sich, als ob ein Gelegenheitszocker der schnell die Geduld verliert cheatet um möglichst schnell durchs Game zu rushen an dem er eigentlich kein wirkliches Interesse hat. Überhaupt liest sich sein Kommentar wie eine einzige Ausrede für das cheaten. Sorry.

Lieber scheitere ich an einem Spiel und spiele es nicht durch als das ich einen Cheat benutze. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch schon das Trainer-Menü genutzt habe. In den 80igern am C64 vermutlich sogar ziemlich häufig. Damals waren Computerspiele für mich allerdings nur Zeitvertreib. Bei meiner letzten C64-Session ist mir wieder aufgefallen, wie schwer die alten Spiele damals waren (gerade auch im Vergleich zu vielen modernen Videospielen). Ob ich heute die Geduld hätte mich stundenlang ohne Cheat durch "Platoon" zu quälen weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Bei "Gods" für den Amiga habe ich seinerzeit im Trainer "Unlimited money in shop" aktiviert. Dadurch wird das Spiel aber viel zu einfach. Zuletzt habe ich Gods 2015 am SNES versucht durchzuspielen - und bin gescheitert. Bei Alien 3 auf der selben Konsole war nach "Stage 3" Schluss. Den Cheat für unendlich Munition halte ich bei letztgenanntem Spiel für legitim. Aktiviert man bei Alien 3 jedoch "Unlimited Lives" macht so ein Spiel keinen Sinn mehr.

Auch ich habe schon Cheats genutzt, aber eigentlich meide ich sie. Der Betrug verdirbt mir zu oft den Spielspaß. Stichwort: "Spielerehre". Was war ich stolz als ich dieses Jahr XGRA (Extreme G 4) auf der alten Xbox durchgespielt habe.

Wie ich oben schrieb bin ich grundsätzlich gegen das cheaten. Das gilt vor allem für moderne Computer- und Videospiele. Bei vielen Retrogames dagegen halte ich gelegentliches cheaten für vollkommen legitim. Das muss aber jeder selber wissen.

@Pat

Du hast geschrieben: "Ich finde es erbärmlich, wenn sich Leute als was besseres hinstellen, indem sie Single-Player Cheater an den Pranger stellen oder sogar ein Spiel auf "Leicht" zu spielen als unwürdig abtun..."

Wenn überhaupt, wirst Du wegen eines Begriffs wie "Single-Player-Cheater" kritisiert. Du würdest ja auch nicht mit einem T-Shirt auf dem "Single-Player-Cheater" draufsteht rumlaufen. Denk mal drüber nach...

Das Spieleredakteure gelegentlich Cheats genutzt haben um ein Spiel schnell und komplett durchzuzocken um das Gesamtwerk bewerten zu können - geschenkt.
Kommentar wurde am 27.12.2016, 10:47 von Darkpunk editiert.
17.12.2016, 17:58 Retro-Nerd (10201 
Selbstverständlich haben Tester auch früher schon Cheats genutzt. Wenn die Spiele für manchen zu schwer sind kommt man nicht anders an Screenshots bzw. eine Gesamtmeinung in Bezug auf Technik oder Inhalt.
17.12.2016, 17:51 Viscera (96 
Es ist schon etwas komisch, wenn ein Spieletester eine Lanze für's Cheaten bricht. Wenn man ein Spiel mit Cheats testet kommt ja nicht gerade ein vertrauenswürdiger Test dabei raus (wobei das auch wieder von einigen Faktoren abhängig ist).

Zuerst ist aber natürlich die Frage, ob Mick Schnelle sich bei seinen Tests überhaupt großartig Cheats benutzt hat. Und genau da ist dieser Artikel eher fragwürdig. Der... große Text über dem eigentlichen Text (keine Ahnung, was die Bezeichnung dafür ist), welcher offensichtlich nicht von Mick selbst ist, impliziert das stark. Aber er selbst nimmt kaum Bezug zu seiner Tätigkeit als Tester und schreibt eher allgemein und auf Spielerebene über das Cheaten. Sehr merkwürdig das ganze...
17.12.2016, 17:02 SarahKreuz (8167 
Bei einem Solo-Spiel kann und soll natürlich jeder so spielen, wie er/sie möchte. Punkt. Mann, war ich damals froh über das ein oder andere "Trainer-Menü", dass - wie durch Zauberhand - als Intro bei so manchen Spielen auftauchte! Sehr gnädig von Factor 5, Team 17 und Rainbow Arts, die vor dem Ladegang des eigentlichen Spiels zu pflanzen! Unlimited Lifes? Hell fucking YES!

Aber ein bemitleidenswertes Lächeln oder ein frecher Kommentar muss dann auch erlaubt sein. Da kann dann auch die Gegenseite nix dafür (die hart für den Sieg gekämpft hat), wenn Cheater empfindlich reagieren. Mit den Beinen aufstampfen oder die Arme verschränken, wenn sie statt nem "Toll gemacht!" nur ein "Ach komm, keine Kunst, du hast doch gecheatet!" erntet. Zocken ist auch schon immer eine Competition gewesen. Wie beim Sport. Da kann man ruhig dopen gehen, wenn man die eigene Fitnessleistung künstlich übertrumpfen will. Damit dann aber auch nach Facebook oder YouTube zu latschen, um zu zeigen, wie toll man ist, ist eher lächerlich. (erinnert mich an einen ehemaligen Longplay-YouTube-Kollegen: nannte sich Zeuss oder so und lieferte ein LP nach dem anderen - im Cheat-Modus ) Und in so nem Zustand die Challenge gegen einen (fair agierenden) Mitspieler suchen, ist sogar äußerst verachtenswert. Die ganzen Online-Shooter da draußen kranken an solchen "Spielern".

Beim "Sport" der Spiele bin ich also eher auf der Seite der Anti-Cheater. Und zwar im Geiste des Wettbewerbs. Turrican, Gradius und Contra kriegt doch jeder neunjährige Krümel mit entsprechenden Cheats durch. Das sind dann natürlich auch diejenigen, die sich sofort aufregen (oder wenigstens als Nachruf mal ne kleine Kolumne schreiben), wenn sie im Kreis der Zocker etwas zu viel bemitleidenswertes anlächeln geerntet haben. Und mit was? Mit Recht. Waren sie doch bloß zu faul zum üben. Wie der gedopte Sportler eben.

Und ja, wie gesagt: zwischendurch haben wir ja mal alle geschummelt. Die Cracker anno damals waren ja auch verdammte Dealer! Hielten dir schon bei Katakis auf dem C64 damals nen Schuss Cheaten unter die Nase! "Komm, probier mal! Damit wird aaaalles leichter! Sag nur "Yes"!"
Kommentar wurde am 17.12.2016, 17:05 von SarahKreuz editiert.
17.12.2016, 12:36 Rufus (143 
Pat schrieb am 17.12.2016, 09:37:

Oftmals hätte ich ein Spiel ohne Cheats in die Ecke geworfen und hätte allen Spaß verloren. Aber dadurch, dass ich es mal durchgespielt hatte, hatte ich auch die Motivation, es später ohne Cheats zu machen.


In teilen sehe ich es auch so, einzelne Spiele habe ich meist ausschließlich mit Cheats gespielt. Die Sim City-Serie z.B. Da hatte ich einfach Spaß am Bauen, wollte nicht warten, bis mal wieder Geld übrig war. Ich hatte eine Vorstellung einer Stadt und wollte das realisieren. Auch bei den Sims ging es mir eher daru bestimmte Gegebenheiten erzeugen (zumal es sonst doch sehr eintönig "Arbeiten -> Schlafen -> Arbeiten -> Schlafen..." war.

Im Singleplayer sollte man spielen dürfen wie man wollte, irgendwann bekommt man auch den Reiz es nicht zu tun, so ging es mir bspw. bei GTA. Früher gecheatet ohne Ende (die GTA1-Codes habe ich teils jetzt noch im Kopf), ab einem gewissen Punkt nie wieder.
17.12.2016, 09:37 Pat (3310 
Ich sehe jetzt erst den (wirklich guten) Artikel über's Cheaten von Mick.
Danke Sarah.

Cheaten ist ja so ein Thema, das in Spielerkreisen ja oft ziemlich seltsam abgetan wird. Cheaten ist des Teufels! Wer cheatet gehört in die Hölle!
Ja, es hat schon fast katholische Züge, wie einige Leute das Thema behandeln.

Ich freue mich zu hören, dass Mick da ganz ähnliche Ansichten hat wie ich.

Das Thema scheint ja im Moment sogar wieder semiaktuell zu sein. Da wird das cheaten mal wieder verdammt, Cheater ins technolgoische Exil verwünscht und arg mit der (eigentlich nichtexistenten) Moralkeule gefuchtelt.

Wohlgemerkt: Wir reden hier über Singleplayer-Spiele.
Dass man sich bei einem Gesellschaftsspiel (und da zähle ich Multiplayer-Spiele dazu) an gemeingültige Regeln halten muss, empfinde ich als selbstverständlich.

Wie man aber alleine ein Spiel spielt, sollte jedem selber überlassen werden.
"Du machst das Spiel damit kaputt", kann ich dabei nicht gelten lassen. Klar kann man es immer übertreiben aber in vielen Fällen holt man für sich selber den Spaß aus dem Spiel, den man sonst vielleicht nicht hätte.

Und das ist für mich das aller wichtigste: Ein Spiel muss einfach Spaß machen!

Wenn mir ein Spiel eigentlich Spaß macht aber die limitierte Anzahl Leben verhindert, dass ich weiterhin Spaß mit dem Spiel habe, na dann passe ich das doch an.
Wenn ich Spaß mit einem Rollenspiel habe aber das Ding so blöd designt ist, dass man für einen Zwischenboss zehn Levels mehr haben muss und mir tumbes Grinding halt eben keinen Spaß macht, na dann helfe ich eben ein bisschen nach.

Und wieso auch nicht?

Gehört das nicht auch ein bisschen dazu, Mensch zu sein? Haben wir uns nicht immer schon mit Hilfsmitteln das Leben einfacher gemacht?
Waren Speere zum Jagen nicht auch in gewisser Weise cheaten?
Ist es nicht auch cheaten, wenn man eine Brille (oder Kontaktlinsen) nimmt, um seine Sehschwäche auszugleichen?

Klar ist es nochmal so schön, wenn man ein Spiel ohne cheaten durchspielt. Schlussendlich mache ich das praktisch immer auch wenn ich vielleicht für's erste Durchspielen Cheats nehme.
Oftmals hätte ich ein Spiel ohne Cheats in die Ecke geworfen und hätte allen Spaß verloren. Aber dadurch, dass ich es mal durchgespielt hatte, hatte ich auch die Motivation, es später ohne Cheats zu machen.

Ich finde es erbärmlich, wenn sich Leute als was besseres hinstellen, indem sie Singleplayer-Cheater an den Pranger stellen oder sogar ein Spiel auf "Leicht" zu spielen als unwürdig abtun (und dementsprechend finde ich es auch einfach scheiße, wenn eine Firma das "echte" Ende nur beim Durchspielen im höchsten Schwierigkeitsgrad zeigt oder gar in der Hälfte abbricht und sagt, den Rest gäbe es nur in einem höheren Schwierigkeitsgrad).

Spaß ist das höchste Gut beim Spielen!
14.12.2016, 22:08 Frank ciezki [Mod Videos] (2943 
Mick ist klasse.Ich ihn zwar erst mit der Gamestar kennengelernt, aber seine Schreibe gefiel mir so gut, dass es ein großer Spaß war, ihn hier auszufragen. Er ist definitiv eine markante Persönlichkeit im Spiele-Test-Zirkus.
14.12.2016, 18:00 robotron (1462 
War einer meiner Lieblingsredakteure bei der GameStar, schade das er nicht mehr dabei ist. Die Spieleveteranen-Podcasts sind irgendwie nicht so mein Ding.
14.12.2016, 17:53 Trantor (305 
Naja, Streit oder Rivalität gehört doch irgendwie dazu. Amiga vs. ST, ASM vs. PowerPlay, Spieleveteranen vs. Stay Forever - ich erkenne da die Fortführung einer stolzen Tradition.
Kommentar wurde am 14.12.2016, 17:53 von Trantor editiert.
14.12.2016, 17:04 Rufus (143 
Mick Schnelle ist auch für mich eine sehr schöne Bereicherung des Spieleveteranen-Podcasts. Da waren wirklich schon mehrere amüsante Anekdoten, gerade erst zuletzt mit Gast Richard Löwenstein.

Etwas schade finde ich nur, dass meine zwei Lieblingspodcasts aus dem Gammes-Bereich (SV und Stay Forever) quasi im "Streit" liegen, durch die Geschichte rund um Christian Schmidts Spiegel-Artikel und Mick Schnelles offenen Antwortbrief.
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