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Vulcan Software
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Vulkanausbrüche im Amiga-Land


Vulcan Software wurden zu einem Zeitpunkt gegründet, als der Amiga längst nicht mehr auf der Höhe seiner wirtschaftlichen Bedeutung war. 1993 waren die schlechten Tendenzen durch suboptimales Marketing, und fehlender Innovativer Hardware, spürbar. Nicht zuletzt durch die, im Gegensatz dazu, immer stärker werdende Konsolen-Fraktion und der wachsenden Bedeutung eines (IBM-kompatiblen-) PC`s, und dessen Hard- und Software. Es sollte im Laufe der Jahre nicht besser werden.
Und dennoch: 1993 - das war auch das Jahr, wo Ideen und Visionen in England in eine Firmengründung enden sollten, die dann 1994 offiziell gemacht wurde: "Vulcan Software" waren geboren. Die Inhaber: Paul Carrington und Lisa Tunnah. Paul Carrington kümmerte sich sowohl um die Grafiken als auch um den Code, während Lisa Tunnah sich hauptsächlich um die geschäftlichen belange von "Vulcan" kümmerte, und auch das groß der Pressearbeit leistete. Einige (zugegeben: recht seltsam anmutende) Musikstücke und Soundeffekte stammen aber auch aus ihre Feder. Man lausche und staune bei der skurrilen Musik beim Abspann von "Timekeepers" !

Zwei Amiga-Fans, denen nachgesagt wird, sie würden mit mittelklassigen Spielen nur noch schnell den (noch) vorhandenen Markt abgraben. Ein paar Pfund gingen anno 1993/1994 durchaus noch - der Amiga befand sich zwar auf einem schwankenden, langsam absteigenden Ast, aber Kaufkraft konnte man dennoch vorfinden - warum also nicht einfach den Versuch wagen ? Ja, Stimmen wie diese gab es. Und gibt es womöglich noch heute unter den Retro-Fans. Dadurch, das Vulcan Software ihren ureigenen Stil in ihren Spielen zur Show stellten, entfachten sie oftmals kontroverse Diskussionen. Auch heute noch schwanken die Meinungen über die Produktpalette von "Vulcan Software" zwischen den beiden großen "G"`s - Genial und Grütze.

Das Erstlingswerk Valhalla - and the Lord of Infinity machte 1994 den Anfang und Lisa Tunnah brüstete es mit dem Zusatz "das allererste Sprach-Adventure für den Amiga". Die beiden Nachfolger sollten bereits 1995/1996 das Licht der Software-Welt erblicken und diese, storymäßig ineinander verwobene, Trilogie dann komplett machen. Hillsea Lido, Tiny Troops, Burnout, Jet Pilot, Bograts und Timekeepers (inklusive einer separat erhältlichen Disk, mit zusätzlichen Missionen) bildeten in den ersten drei Jahren ein stattliches Fundament. Und zeigten, das man sich Veröffentlichungs-technisch ordentlich in`s Zeug legte. Alle Spiele "firmierten" unter dem Begriff "MiniSeries" - was sogar innerhalb des Spiels in Form eines Logos zu sehen ist, das über den Bildschirm flimmert. Anfangs bezog sich die Firma da nur auf die schiere Größe der Spiele-Verpackung. Denn die war bei allen Vulcan-Spielen nicht viel größer als die beigelegten Disketten. Je nach Anzahl der Disketten konnten sie auch schon mal mit der Größe eines Taschenbuchs konkurrieren. Wer also in den Laden gegangen ist, um das neuste Spiel aus dem Hause "Vulcan Software" zu kaufen, der konnte jenes eben mal kurz in die Hosen- oder Innentasche seiner Jacke stecken, wenn diese denn großzügig "ausgebeult" werden konnte. :)
Ab 1997 wurde mit dem Begriff "MiniSeries" dann auch die Floppy-Ära von Vulcan Software spezifiziert - und von da ab erschienen die restlichen Spiele nur noch auf CD. Die "MegaSeries" war geboren. (Nein, diesmal nicht auf die Verpackung bezogen - man benötigte keinen Lastwagen nach dem verlassen des Ladens !)

In den folgenden zwei Jahren erschienen mit The Strangers, The Final Odyssey, Uropa II, und Genetic Species Spiele auf Amiga-CD, bei denen Vulcan Software nur mehr den Vertrieb übernahmen. Der Grund für den wechsel zwischen "wir entwickeln Spiele" hin zu "wir werden zusätzlich Publisher" wird wohl in dem Spiel Burnout zu finden sein. Man könnte es als den ersten ernst zu nehmenden "Test-Ballon" für die britische Firma bezeichnen, um zu sehen, ob es sich auch rentiert, mal nicht an der Entwicklung beteiligt zu sein.
Da die Wertungen in den Magazinen gut bis euphorisch für das Spiel waren - und die Verkaufszahlen wohl somit auch nicht unterirdisch schlecht - war das Entwicklerhaus Vulcan Software somit Ad Acta gelegt. Vorerst.

Der ureigene Grafikstil von Vulcan Software war unbestritten ein Erkennungsmerkmal der Softwareschmiede (ebenso wie die Soundeffekte), ob nun gemocht oder nicht. Aber mit beginn der CD-Produktionen war das schlicht nicht mehr vorhanden. Das tat der Qualität der Spiele aber keinen Abbruch - wenigstens The Final Odyssey und Genetic Species sind von Presse (und dem großteil der Amiga Community) hoch gelobt worden. Zudem waren insbesondere die CD`s aus dem Hause Vulcan Software immer darum bemüht multi-lingual und mit vielen Extras und Info`s und Demo-Versionen der bisherige Produktpalette daher zu kommen.
Man teilte sich jedoch die Haus-eigene Distribution im laufe der Zeit mit anderen Firmen, was darauf zurück zu führen ist, das Paul Carrington & Co immer wieder mal involviert waren in der Programmierung. (wenn auch nicht mehr im großen Stil wie noch zu Gründerzeiten - sondern nur für Ausbesserungen/Hilfestellungen bei den fremd-Entwicklern)
Im großen und ganzen bleibt aber festzuhalten, das sich Vulcan Software beizeiten
um alles gekümmert haben; Publisher/Distributor/Entwickler

1998 gab man das gleichzeitige veröffentlichen von Software auf dem PC bekannt. Einige Tools wären auf der Windows-Plattform in Arbeit, aber "Man würde dem Amiga die Treue halten", lies Paul Carrington verkünden. Und man "würde weiterhin mit viel Enthusiasmus an Amiga- und PowerPC-Amiga Spielen arbeiten"
Unterstützt wurde seine Fan-Attitüde durch ein sehr persönliches Statement, das er im gleichen Jahr veröffentlichte. Dort rekapitulierte er den bisherigen Werdegang von Vulcan Software und nicht zuletzt den des Amiga aus der Sicht eines Publishers/Entwicklers - aber auch aus den Augen eines Amiga-Fans. Die Authentizität nahm man ihm ab. Und auch im Nachhinein ist es nur schwer vorstellbar, das er sich Seitenlang über Amiga, die Community und dem ganzen drum herum ausgelassen hätte, wenn er nicht von ganzem Herzen ein Fan gewesen wäre. Seiner Beschreibung nach war "die Entwicklung von PC-Software unabdingbar , um finanzielle Ressourcen zu gewinnen" - und sein Schreiben klang wie ein kleines "Entschuldigt bitte für diesen Verrat am Amiga" ;)

Ende des gleichen Jahres verabschiedete sich Vulcan Software überraschend vom Amiga-Markt. Paul Carrington gab die üblichen "wirtschaftlichen und kommerziellen" Gründe an, dem Amiga den Rücken zu kehren. Er mag recht haben, denn viele äußerten sich ähnlich in Interviews. Ginge es nach reinen wirtschaftlichen Maßstäben, wären die letzten Spiele gar nicht mehr erschienen - aber man übte sich dennoch in Optimismus und Durchhalteparolen, wie es ende der Neunziger üblich war im Amiga-Sektor. Als letzte Veröffentlichung gab es noch eine Compilation-CD seitens Vulcan Software. Sie enthielt 10 Vollversionen aus dem Spiele-Archiv und war somit besonders für diejenigen geeignet, die (mindestens) den Großteil der Softwareschmiede schlicht und einfach nicht kannten / oder nicht besaßen.

Seitdem ist Vulcan Software auf dem PC aktiv. Wobei diese Aktivität im laufe der Jahre nicht wirklich Früchte getragen hat. Man besann sich auf das entwickeln von FTP-Tools und Applikationen - was keine Abnehmer fand. Man versuchte eine Community rund um die Firma aufzubauen - was tragisch scheiterte. Bis zu ihrem 10. Geburtstag (2004) gab es dennoch ein Aufflackern und man besann sich "zurück zu den Wurzeln" und kochte, wie zu alten Amiga-Zeiten, am heimischen Herd sein eigenes Süppchen. So kam die Portierung von "Valhalla" und "Timekeepers" für PC-Windows zustande. Ein Dejavu: Man wollte die Geschichte wiederholen, nur diesmal auf dem PC.

Projekte stehen seitdem im Raum - und werden höchstwahrscheinlich nie das Licht der Welt erblicken. Seit nunmehr 6 Jahren ist es still geworden um Paul Carrington...


Homepage von Vulcan Software:
http://www.vulcan.co.uk/



© des gesamten Textes bei Sarah Kreuz
Bilder:


Spiele: (7)


User-Kommentare: (3)Seiten: [1] 
04.02.2011, 17:11 Retro-Nerd (9733 
Genetic Species ist schon recht gut, definitv das beste was Vulcan Software veröffentlicht hat. Allerdings schwirren da Versionen mit kaputten CD Tracks im Netz rum. Keine Ahnung, ob das auch auf die in HOL verklinkte Freewareware Version zutrifft.
04.02.2011, 12:53 jan.hondafn2 [Mod Wunschzettel / Tests] (1981 
Genetic Species sieht mal richtig gut aus:
LINK

Wer hat das Spiel schon gespielt und kann nähere Anhaltspunkte dazu geben?
28.01.2011, 11:41 Commodus (4769 
Das Beste von der Firma "Vulcan Software" ist dieser Bericht hier von Sarah Kreuz! Obwohl die Firma für mich, selbst als Amiga-Fan, eher uninteressant ist, ist es doch interessant zu lesen, was einem Entwickler dazu bewegt, für ein sterbendes System zu programmieren!

Zitat

...Auch heute noch schwanken die Meinungen über die Produktpalette von "Vulcan Software" zwischen den beiden großen "G"`s - Genial und Grütze.

Ich sage "Grütze"!

Zitat

...Der ureigene Grafikstil von Vulcan Software war unbestritten ein Erkennungsmerkmal der Softwareschmiede (ebenso wie die Soundeffekte), ob nun gemocht oder nicht.

Die Firma benutzte soviele Grau bzw. dunkle Einheitsbrei-Töne, das die Spiele meist aussahen, wie ein alter Scheuerlappen!
Und die Figuren sahen alle wie Marionetten aus! Hölzern! ...ohne Leben in sich!

Das beste Spiel war mMn vielleicht noch "Hillsea Lido"! Und positiv ist vielleicht noch anzumerken, das sie den Amiga in seiner Sterbezeit noch treu waren! Aber gerade wegen der immer schlechter werdenden Qualität der Amigaspiele, musste man sich ja fast zwanghaft einen PC kaufen!

Vulcan Software hatte bei mir immer den Status einer Independent-Hobbyprogrammierer-Stube! Als Spiel-Beilagen eines Diskmags vielleicht okay, als Vollpreisspiele....nein danke!
Kommentar wurde am 28.01.2011, 11:42 von Commodus editiert.
Seiten: [1] 


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