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Power Play 12/93



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von Tobi-Wahn Inobi

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01.07.2014, 13:45 PomTom (81 
Selbst für einen Commodore-Fänboy wie mich war der Amiga Ende '93 nur noch eine verblassende Erinnerung. Die PCs, die man wenige Jahre vorher einfach nicht erst genommen hatte, hatten dank VGA, Soundblaster und 386- / 486-CPUs den 68000er-OCS-Amiga erst ein- und dann sehr schnell völlig überholt. Und selbst Windows 3.1, das wir in der Erinnerung zu recht als grottig wahrnehmen, sah deutlich schicker und moderner aus als die klobige Workbench.

Bei den Spielen deutete sich diese Entwicklung ja auch schon 1992 mit Wolfenstein 3D an, und Mitte 1993 war dannDoom das Maß aller Dinge, und es war klar, das solche Spiele auf dem Amiga nicht mehr machbar sind. Eine Zeitenwende, sozusagen. Wer wollte da noch einen 8- oder 16-Bitter?
01.07.2014, 12:57 Bren McGuire (4805 
Ob es nun die Raubkopien waren, die den Amiga letztlich in die Knie zwangen, oder die Tatsache, dass die "Freundin" spätestens ab 1993 technisch nicht mehr auf der Höhe ihrer Zeit war, kann wohl keiner so genau sagen. Vielleicht war es auch eine Mischung aus beiden Möglichkeiten, wobei ich eher in Richtung letztgenannter tendiere. Sicherlich, auch '93/'94 konnte man sich wohl kaum über mangelnden Spiele-Nachschub beschweren. Insbesondere die Bereiche Action, Sport und selbst Strategie wurden nach wie vor gut abgedeckt. Doch bedingt durch die Abkehr der meisten amerikanischen Hersteller (LucasArts, Sierra On-Line und Westwood seien hier stellvertretend genannt), welche sich nach dem Weihnachtsgeschäft '92 endgültig von Commodores einstiger Wundermaschine lossagten, waren Neuerscheinungen innerhalb der Genres Adventure, RPG und vor allem Simulation in den Folgejahren eher rar gesät. Und mal ehrlich: Für wichtige wie auch kultige Titel à la "Day of the Tentacle", "Lands of Lore" oder "Strike Commander" gab es auf dem Amiga einfach keinen (auch nur annähernd) relevanten Ersatz! Dies war wahrscheinlich mitunter einer der Gründe, warum sich viele Spieler von ihrer "Freundin" trennten und sich stattdessen lieber einen (sündhaft teuren) PC zulegten, denn schließlich hatte man es hier mit absoluten "Systemsellern" zu tun, wenn man so will! Und dieser Umstand war wirklich schade, denn für solcherlei Titel ("Strike Commander" natürlich ausgenommen) wären die neuen AGA-Modelle geradezu prädestiniert gewesen, hätte man sie doch quasi 1:1 konvertieren können!

Auch mit dem Erscheinen des CD32 änderte sich so gut wie nichts an der Lage: Anfangs versprachen viele Hersteller nur allzu oft, dass man plane, speziell aufgeputschte Versionen für Commodores brandneue CD-Konsole zu veröffentlichen, doch zumeist blieb es bei diesen Versprechen oder es kamen bestenfalls kaum lohnenswerte 1:1-Umsetzungen heraus. Bestes Beispiel für eine solche Zusage an das CD32 lieferte einst LucasArts: In einer The One-Ausgabe im Frühjahr 1994 war zu lesen, dass man angeblich plane "Day of the Tentacle" und sogar (man höre und staune) "Star Wars: Rebel Assault" für die Silberschleuder zu portieren! Tatsächlich wäre beides vorstellbar gewesen, selbst im speziellen Fall von "Rebel Assault", handelte es sich bei den Grafiken ja schließlich nicht um pure Echtzeitgrafiken, sondern um einen im Hintergrund ablaufenden Film! Doch einmal mehr erwies sich das Vorhaben als laues Lüftchen und verlief (wie so vieles) im Sande. Ob LucasArts tatsächlich vorhatte, eine CD32-Portierung jener beiden Games auf den Markt zu bringen, oder ob es sich lediglich um eine Ente handelte, sei mal dahingestellt...

Apropos The One: Eine Teilschuld für den Niedergang des Amiga ist vielleicht auch beim Spiele-Journalismus an sich zu suchen. Großbritannien war ja eigentlich bis zum Schluss die Amiga-Hochburg schlechthin, entsprechend viele Magazine zu diesem Thema befanden sich da natürlich auf dem Markt. Im Vergleich zu UK war die Situation in anderen Ländern wohl recht überschaubar; so auch in Deutschland, fanden sich mit Amiga Joker/Amiga Games lediglich zwei Hefte in den Verkaufsregalen wieder, die wirklich gewichtig waren. Daneben gab es dann natürlich noch die zahlreichen PC- und Multiformatmagazine, wobei bei letzteren eigentlich nur drei den Ton angaben – nämlich ASM, Power Play und die damals blutjunge Man!ac. Da sich letztgenannte ausschließlich mit Konsolenspielen beschäftigte, blieben also nur noch die beiden ersten Mags übrig: Nun, die ASM hatte 1993 ihren Zenit längst überschritten, und spätestens mit Peter Schmitz als neuen Chefredakteur an Bord bzw. der Umbenennung des Hefts in "Das Spaß-Magazin", konnte man dieses Blatt kaum noch ernst nehmen. Was wiederum die Power Play angeht: Dass sich eben dieser Artikel ausgerechnet in jener Zeitschrift wiederfindet grenzt fast schon an Hohn, denn schließlich war diese Publikation dafür bekannt, schwächelnde Systeme entweder fast komplett zu ignorieren (C64) bzw. ganz 'rauszuschmeißen (Spectrum, CPC). Nachdem sie im Laufe '94 zuerst die Konsolen 'rausgehauen hatten, schossen sie im Herbst desselben Jahrgangs schließlich auch noch den ungeliebten Amiga ab. Allerdings muss ich ihnen zugestehen, dass sie von Ausgabe 11/93 bis zur 1/94 ein letztes Mal eine ganze Breitseite an Amiga-Tests abfeuerten ("Turrican 3", "Uridium 2", "Ambermoon", "Die Siedler", "Cannonfodder" u.v.m.), fast alle auf zwei Seiten! Nach diesem (zumindest für PP-Verhältnisse) unerwarteten Höhenflug zogen sie aber schließlich einen Schlussstrich bezüglich des großen Commodore...

Wie gesagt, es waren wohl mehrere Faktoren für den Niedergang der "Freundin" verantwortlich, nicht zuletzt Commodore selbst, die durch eine ganze Menge von Fehlentscheidungen ebenfalls dazu beitrugen...
29.06.2014, 10:59 Pat (3148 
Ich habe, glaube ich, irgendwo schon geschrieben, dass wir alle in unserem Bekanntenkreis ganz ehrlich dachten, Amiga-Spiele wären gratis. Wir kannten niemanden, der ein Original hatte und Geschäfte boten zwar NES- und Master System-Cartridges an aber keine Computerspiele.

Erst mit dem regelmäßigen Lesen des Amiga Jokers begriff ich, dass eigentlich Spiele (viel) Geld kosten.

Ich habe dann so langsam (und heimlich, da meine Eltern nicht begreifen wollten, dass ich für etwas, das ich umsonst haben konnte, Geld zahlen wollte) auf Originalspiele umgestellt.
Ich habe allerdings auch stets ein Spiel als Kopie besorgt und ausgiebig gespielt, bevor ich die Investition tätigte - ich war ja schließlich auch Schüler.
Und oft spielte ich dann von meinen Kopiedisketten, da ich erstens die Originale schonen wollte und zweitens, diese oft kleine fixes enthielten (wie später die erwähnten AGA-fixes, weil Commodore zu blöd war, echte Rückwärtskompatiblität zu garantieren).

Anders wiederum hatte zu meinen C64-Zeiten fast jeder originale Mastertronic sachen, weil man sich diese eben auch leisten konnte.
Spiele waren einfach viel zu teuer! Ich musste mich zwischen drei oder vier Spielen entscheiden, welches ich nun als Original haben wollte. Hätte ein Spiel so viel gekostet wie heute, hätte ich mir alle leisten können.

Übrigens empfand ich die Hochzeiten des Amiga so 88/89 bis 92/93. Danach waren die Spiele meist besser und schneller auf dem PC - wiederum teilweise daran geschuldet, dass zum Beispiel Amiga-Festplatten oder Turbokarten einfach zu wenig unterstützt wurden.
29.06.2014, 10:55 gamersince1984 (289 
Wie kann man nur Steam gutheißen? Wegen so einem Mist bin ich auf Konsole umgestiegen. Ich mach mich doch nicht von einem Publisher abhängig.
Kommentar wurde am 29.06.2014, 10:56 von gamersince1984 editiert.
29.06.2014, 10:36 TheMessenger (1647 
Und bei mir GOG
Somit muss zu meinem vorigen Kommentar angefügt werden, dass wir weiser hinsichtlich der Erkenntnis geworden sind, was nicht unbedingt etwas an unserem Verhalten ändert, was das Horten angeht. Auch homo ludens ist letztendlich ein Jäger und Sammler...
29.06.2014, 09:44 Dragondancer [Mod] (968 
TheMessenger schrieb am 29.06.2014, 00:35:
Letztendlich haben wir doch alle Spiele gehortet, aber nicht wirklich gespielt. Hauptsache, wir konnten sagen, dass wir dies oder das Spiel auch haben - und auch schon mal angezockt haben, selbst wwnn es nur fünf Minuten waren...


So gesehen ersetzt Steam meine Amiga-Zeiten.
29.06.2014, 00:35 TheMessenger (1647 
Schön, dass wir nach all den Jahren dann auch weiser geworden sind, wie die Rechnung mit den Leerdisketten eindrucksvoll belegt. Letztendlich haben wir doch alle Spiele gehortet, aber nicht wirklich gespielt. Hauptsache, wir konnten sagen, dass wir dies oder das Spiel auch haben - und auch schon mal angezockt haben, selbst wwnn es nur fünf Minuten waren...
28.06.2014, 23:44 Filtertüte (625 
SarahKreuz schrieb am 28.06.2014, 20:17:
Klar, er war da noch voll im Saft. 1993 war ein großartiges Jahr für Spiele auf der Freundin (auch ohne Doom & co) - erst in den 3 Folgejahren konnte man immer mehr mit den Zähnen knirschen.

Nuja, 1994 war noch ebenso großartig in Sachen Amiga-Spiele wie 1993. Ich würde sagen, sogar eher noch etwas besser, zumindest was Vielfalt und Qualität der Spiele betrifft, quantitativ etwa gleichwertig.
Auch 1995 war bis zum Sommer noch ein guter Jahrgang, erst zum Herbst kam dann der zweite große Einbruch.
Der erste, muß man allerdings sagen, kam doch schon 1993. Ich habe interessehalber vor einer Weile mal nachgezählt, wieviele neue Spiele pro Ausgabe im AJ getestet wurden (ab Ausgabe 4/92). Waren es 1992 bis zur Ausgabe 1/93 noch 25 bis 30 neue Spiele pro Ausgabe (Amiga-interne Konvertierungen und Spiele, die nicht erschienen, nicht mitgezählt), brach die Zahl ab Ausgabe 2/93 schlagartig auf ca. 15 pro Ausgabe ein. Diese Zahl blieb dann bis Mitte 1995 relativ konstant (mit leicht sinkender Tendenz). Ab Herbst 1995 waren es dann meist nur noch ein rundes halbes Dutzend pro Ausgabe.

DaBBa schrieb am 28.06.2014, 14:48:
Der typische Heimcomputer-User waren Schüler: Die hatten wenig Geld, konnten sich also gar nicht viel Software kaufen. Dafür hatten sie viele Bekannte, die auch lauzocken wollten.

Also, wenn der typische Amiga-User Schüler war (woran ich zweifle, zumindest was die fortgeschrittenen 90er-Jahre betrifft, schließlich wurden die User mit der Zeit zusammen mit ihrem System auch älter), dann trifft dies mit Sicherheit auch auf die Konsolen-User zu. Und dort wurden auch genug Original-Spiele verkauft, und das, obwohl man dafür fast das Doppelte bezahlte als für ein Amiga-Original.
Das ist also kein Argument, sondern eine Ausrede.
Zugegeben, auch ich habe damals in meiner A500-Zeit (und auch vorher auf dem C64) bis zum Gehtnichtmehr raubkopiert, hatte hunderte Disketten mit hunderten von Spielen. 90% der Spiele wurden kurz mal angespielt und danach nie wieder angerührt, für mehr wäre schon gar keine Zeit gewesen. Für das Geld, das mich die Leerdisketten gekostet haben, hätte ich das Dutzend Spiele, das ich letztlich ausgiebiger gespielt habe, auch kaufen können.
28.06.2014, 20:17 SarahKreuz (8012 
forenuser schrieb am 23.06.2014, 21:18:
Ich denke, J.E. würde hier auch nicht besser da stehen, hätte er die Amiga-Jagdgründe als abgegrast bezeichnet. So mancher sieht dem Amiga 1993 ja auch der Höhe der Zeit.


Klar, er war da noch voll im Saft. 1993 war ein großartiges Jahr für Spiele auf der Freundin (auch ohne Doom & co) - erst in den 3 Folgejahren konnte man immer mehr mit den Zähnen knirschen.
Aber die meisten haben das Hautnah ja leider nicht mehr miterlebt. Bin nach wie vor der Überzeugung: wer 93 noch vor einem Amiga gesessen hat, dem wurde nicht Langweilig.
28.06.2014, 17:05 spatenpauli (699 
Dragondancer schrieb am 28.06.2014, 11:44:
Ehrlich gesagt kannte ich niemanden der ein Spiel fürn Amiga als Original gekauft hatte.


Und genau damit ist mMn des Pudels Kern getroffen.
Kommentar wurde am 28.06.2014, 17:05 von spatenpauli editiert.
28.06.2014, 14:48 DaBBa (1130 
Der Amiga hatte das Problem, das alle Heimcomputer spätestens in den 90ern hatten: Zum Arbeiten war ein PC sinnvoller und auch nicht mehr so extrem teuer wie in den 80ern.

Der typische Heimcomputer-User waren Schüler: Die hatten wenig Geld, konnten sich also gar nicht viel Software kaufen. Dafür hatten sie viele Bekannte, die auch lauzocken wollten.

Naja, und 1993 war der PC mittlerweile sogar von den Multimedia-Fähigkeiten gleichgezogen. Im Zeitalter von VGA-Grafikkarte und Soundkarte gab es nur noch wenige Gründe, einen Amiga oder Atari ST neu zu kaufen.
28.06.2014, 12:13 Teddy9569 (1548 
Kurz gesagt, der Untergang des Amiga war die Schuld vom Hersteller, no na, UND, zu einem nicht gerade kleinen Teil, der Raubkopierer.


So sehe ich das auch! Allerdings kannte ich schon Käufer von Originalen! War sogar selber einer!
28.06.2014, 11:44 Dragondancer [Mod] (968 
Ehrlich gesagt kannte ich niemanden der ein Spiel fürn Amiga als Original gekauft hatte. Kopieren war einfach und der Amiga war, relativ, günstig. Eine Mischung um zwar ne Menge Geräte abzusetzten, gut fürn Hersteller, jedoch weniger Software zu verkaufen, schlecht für die Entwickler und später schlecht fürn Hersteller.

Kurz gesagt, der Untergang des Amiga war die Schuld vom Hersteller, no na, UND, zu einem nicht gerade kleinen Teil, der Raubkopierer.
28.06.2014, 11:39 Teddy9569 (1548 
@ Nr. 1

Ok, verstanden! Sicher waren die Raubkopierer nicht alleine schuld, aber er sagt doch auch, dass Commodore die Entwicklung verschlafen hat und der Amiga deshalb seinen Spitzenplatz verloren hat. Dass es immer unwirtschaftlicher wurde, für den Amiga zu programmieren, haben andere Firmen wie LucasArts doch auch behauptet. Dazu das Interview in Amiga Joker 05/93 mit Jack Sorensen. Den fand ich nun nicht sonderlich sympathisch!
28.06.2014, 10:24 Nr.1 (2401 
Teddy9569 schrieb am 27.06.2014, 11:16:
Ich weiß nicht, was an dem Statement von Herrn Eggebrecht unsympathisch oder einseitig sein soll. Es wurde raubkopiert und der Amiga war technisch - AGA hin oder her - nicht mehr die Speerspitze. Die Gesamtsituation war sicher unsympathisch, aber das gleiche wie Herr Eggebrecht haben vor allem die US-Entwickler auch gesagt. Oder gingen wie Cinemaware pleite.


Die Situation war deutlich komplizierter, als es Eggebrecht zugeben wollte. Gerade der letzte Abschnitt, in dem er förmlich den Raubkopierern die UNIVERSALSCHULD dafür gab, dass man sich vom Amiga abwandte, ist zutiefst lachhaft und billig.

Ich hatte eigentlich schon wiedergegeben, welche Aussagen sich nach meiner Meinung eindeutig und unverschlüsselt wirklich in seinen Worten widerspiegeln. Unter anderem schielte das Unternehmen längst nach den Systemen Konsole und PC, die weitaus bessere Umsätze bringen würden. Im Falle des PC, waren da auch damals schon die Raubkopierer ganz genauso aktiv, wie im Amiga-Bereich, nur fiel das durch die enorme Rechnerdichte nicht weiter auf.

Die Lage war komplex und nicht derart simpel herunterzubrechen, wie es Eggebrecht gerne gehabt hätte und das macht ihn (wie immer nach meiner Meinung) sehr unsympathisch.
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