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Fallout Tactics: Die stählerne Bruderschaft
Fallout Tactics: A Post Nuclear Tactical Combat Game oder Fallout Tactics: Brotherhood of Steel
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Bisher 1 Stimmen bei einer Gesamtwertung von 7.00

Publisher: Interplay   Genre: Action, Rollenspiel, Strategie, 2D   
Ausgabe Test/Vorschau (1) Grafik Sound Wertung System Datenträger Hits Autor
PC Player 5/2001
Testbericht
70%
80%
Solo: 83%
Multi: 80%
PC CD-ROM
3 CDs
74Udo Hoffmann
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User-Kommentare: (1)Seiten: [1] 
16.11.2016, 20:48 Il bastardo (160 
Da sowohl Fallout, als auch Squad-Taktikspiele genau in mein Beuteschema fallen, hätte Fallout Tactics schon sehr viel falsch machen müssen, um mir nicht zu gefallen. Und tatsächlich hat dieser oft übersehene Spin-Off der Rollenspiel-Reihe viel zu bieten, allerdings bleibt durch seine begrenzte Entwicklungszeit einiges Potential unangetastet. Diesem Taktik-Rollenspiel-Hybrid liegt im Prinzip das klassische Fallout-Gameplay zugrunde, nur dass man das Kampfsystem ausgebaut, die RPG- und Adventure-Aspekte hingegen stark zurück geschraubt hat. So gibt es in den Dialogen kein Multiple Choice mehr, Nebenquests sind Mangelware, Schauplätze sind in weitgehend starrer Chronologie zu bereisen. Wem aber das Kämpfen und Plündern in Fallout 1+2 den meisten Spaß bereitet hat, der dürfte auch hier viel Erbauliches finden: Zahlreiche Kisten und Schränke warten darauf - mal mehr, mal weniger willig - ihre Inhalte preiszugeben. Die Missionen variieren in Anspruch und Komplexität, bieten jedoch in der ersten Spielhälfte viel Abwechslung.

Wenn man nicht dabei ist, die wie üblich völlig heruntergekommenen Ortschaften und Industrieanlagen nach Wertsachen zu durchsuchen, erwehrt man sich seiner Haut mit einem breiten Waffenarsenal - Fallout-typisch natürlich stets mit äußerst blutigen Konsequenzen. Dabei steht die Wahl zwischen Pseudo-Echtzeit und Runden offen, wobei sich bei erstere nur empfiehlt, wenn man sich stark im Vorteil sieht. Im Laufe des Spiels werden auswählbare Squad-Mitglieder verschiedener Rassen (auch Deathclaws können zur Truppe stoßen) nach und nach ergänzt, ebenso wie Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Zudem kann man in einigen Missionen auch Fahrzeuge erbeuten, und diese dann mit Fahrern besetzen. Diese sind allerdings verwundbar, weshalb das Mitführen eines Mechanikers Pflicht ist. Entgegen dem ursprünglichen Vorhaben wurden alle Grafiken neu gezeichnet, das Aussehen der Rassen dabei überarbeitet. Das neue Gewand steht dem Spiel gut zu Gesicht, da der optische Eindruck sich durch mehr Zäsuren deutlich abwechslungsreicher gestaltet, als in Fallout 1+2. Dazu stimmt auch die akustische Untermalung, die der Fallout-Linie mit ihren Dark Ambient-Klängen und knackigen Soundeffekten in bester Surround-Qualität wirklich zur Ehre gereicht. Die Zutaten zum Top-Spiel sind allesamt vorhanden, und streckenweise hatte ich auch viel Spaß mit Fallout: Tactics. Einige lästige Details verminderten mir den Spaß mit zunehmender Spieldauer jedoch sehr deutlich:

1. Das SPECIAL-System wurde nicht vernünftig ausbalanciert, so dass einige völlig nutzlose Stats zurückgeblieben sind (z.B. Glücksspiel). Es kann also durchaus passieren, dass man nach einem Level-Up seine Punkte in Fähigkeiten verpulvert, deren Nutzen praktisch null ist.
2. Zufallsbegegnungen während der Reise (Privateer 2 lässt grüßen) auf der Übersichtskarte sind teilweise unerträglich häufig, besonders wenn man abseits der direkten Wege zwischen zwei Schauplätzen auf Erkundungstour gehen will. Das Spiel will einem wohl damit suggerieren: Weiterfahren, hier gibt es nichts zu sehen. Es ist trotzdem sehr unbefriedigend, dass die Übersichtskarte zum Großteil schwarz bleiben muss, weil man bei einem Abstecher ins Gelände nach jedem Pixel wieder kämpfen muss.
3. Das Missionsdesign flacht mit dem Erscheinen der Roboter deutlich ab. Gilt es in der ersten Spielhälfte noch vergleichsweise komplexe Missionsziele zu erfüllen - wie Geiselbefreiungen, oder die Verteidigung einer Stadt -, so geht es später nur noch ums Abknallen und Überleben. Man merkt recht deutlich, dass der Entwicklung irgendwann die Zeit davonlief, und die Missionen gegen Ende entsprechend einfacher designed werden mussten.
4. Die Brotherhood of Steel ist eine faschistoide Verbrecherbande: Die Endzeit ist natürlich rau, und die BoS wurde schon vorher als ein fanatisch technokratischer Orden charakterisiert, ähnlich den Space Marines im Warhammer 4K-Universum. Wurde dem Spieler in den Fallout-Teilen aber noch stets die Wahl gelassen, ob man Philanthrop oder Teufel sein wollte, wird dem Spieler hier die Rolle des Erfüllungsgehilfen einer militaristischen Sekte förmlich aufgezwungen. Beispiele: In einer Mission muss man die Kapitulation einer Stadt herbeiführen. Die Folge: Die unterworfene Bevölkerung wird als Arbeitssklaven in Konzentrationslager verfrachtet. Den Tiefpunkt stellte für mich jedoch der Einsatz dar, in dem Versorgungsgüter für die Soldaten in einem Truck durch eine verwahrloste Stadt transportiert werden müssen. Dabei wird man von Massen halb verhungerter Zivilisten angegriffen, die zu Beginn der Mission noch schön menschenverachtend als "wilde Tiere" verunglimpft werden, und natürlich in Massen niedergemäht werden müssen.

Es hätte das Spiel in meinen Augen erheblich aufgewertet, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, dem inneren Dilemma seines Alter Egos Entscheidungen folgen lassen zu können. Vielleicht war das ursprünglich angedacht, so bleibt mir beim Endprodukt aber ein schaler Beigeschmack zurück. Eine aufgerundete 7 ist mir Fallout: Tactics aber trotzdem wert. Wenn ich es mal wieder hervorkrame, werde aber vermutlich beim Erscheinen der Roboter wieder aufhören… und versuchen, ob ich bei der bekrittelten Mission nicht doch einen Schleichweg finde.
Seiten: [1] 


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