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Off-Topic => Rest => Thema gestartet von: GregBradley in 29.05.2011, 19:20

Titel: Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: GregBradley in 29.05.2011, 19:20
Ich muss jetzt gerade mal etwas loswerden, was mich schon lange beschäftigt. Auf den ersten Blick sind es vielleicht eine triviale Überlegungen, aber letzten Endes geht es darum, wie man sich, seine eigene Existenz und deren Stellenwert in der Zeitgeschichte begreift.


Vor einigen Tagen habe ich mich mit Retro-Bruder im Geiste, uno, darüber unterhalten, welchen Sinn das Aufheben von Dingen von ideellem Wert hat. Hierzu zählen in meinem Falle eben auch meine Hard- und Software und die Magazine von damals, die ich seit Jahren unbenutzt im Keller horte. Aber auch alte Schallplatten, Postkarten, all so ein Kram eben.

Klar hängt mein Herz, meine Erinnerungen an dem Zeug, aber wozu hebe ich es eigentlich auf? Auf diese Frage hin erzählte mir uno, er habe mit seinem jüngsten Umzug vor einigen Wochen alles weg geworfen. Auch die alten ASM Jahrgänge usw. Er meinte, er könne ja im Internet auf all diese Dinge zugreifen. Seiner Ansicht nach sind auch sämtliche Retrosammler, also dieser Typen mit meterweise Regalen voller alter Spiele, Computer und Zeitschriften, schlichtweg Sammlernaturen, die genauso gut Briefmarken oder Spielzeugautos sammeln könnten und sich bloß auf dieses bestimmte Thema eingeschossen haben, weil sie ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen damit verbinden.

Gut, jetzt ist der uno natürlich auch ein extremer Typ, aber irgendwo finde ich, hat er Recht. Sammler sind Menschen, die Dinge eines bestimmten Themenbereichs anhäufen, in erster Linie, um sie zu besitzen. Niemand, der alle Nintendo-, Sega-, C64- und Amiga-Spiele zu Hause hat, spielt all diese auch ständig. Das geht schon zeitlich nicht.

Und ich selbst habe noch nicht einmal Zeit auch nur eines meiner etwa 120 Orinigal-Amiga-Spiele zu spielen. Oder es ist mir einfach nicht mehr wichtig genug. Klar, ist es schade, dass die Erinnerungen langsam verblassen und man denkt immer, man müsste so eine Art Vermächtnis bewahren. Andererseits, was ist in zehn Jahren? Oder in zwanzig? Funktioniert der Krempel dann überhaupt noch? Schließe ich dann wirklich noch einmal den Amiga an und zocke Turrican II? Irgendwie glaube ich nicht mehr sp recht daran.
Zu unos Argument, dass man ja auch emulieren kann, lässt sich vielleicht sagen, dass es eine völlig andere Welt ist, eine echte 3,5" Diskette in einen Amiga einzulegen, zu warten, bis sie ratternd geladen wurde, um dann den herrlich knackenden Competition Pro Joystick zu bedienen. Trotzdem wird die Zeit von damals in der Erinnerung durch Emulation ja nicht schlechter.

Womöglich muss ich mir einfach nur mal eingestehen, dass mein Leben schon viele Schritte weiter gegangen ist und das Vergangene abhaken.


Bei so vielen Leuten zuhause sieht man Stapel alter Zeitungen, angestaubter Bücher in Kisten, Schubladen voller Sachen, von denen ich hundertprozentig weiß, bis zu ihrem Tode werden sie sie niemals wieder hervorholen; sie können sie aber auch nicht loslassen. Und wenn man dann Geschichte ist, kommen die Kinder bzw. Erben und müssen sich durch die Berge fremder Erinnerungen wühlen und können diese teilweise auch nicht wegschmeissen, weil der Verstorbene die Mutter war oder vielleicht der Großvater.
Irgendwann aber kommt der Zeitpunkt, da zerfällt all dieses Zeug zu Staub. Außer ein schlauer Geist befindet zwischenzeitlich, dass es sich um einen Gegenstand von historischem Wert handelt, verbringt diesen in ein Museum, wo er dann in einer Sicherheitsvitrine geschützt für die Nachwelt aufbewahrt wird.
Wer aber entscheidet, was wichtig ist?
In dem Zusammenhang muss ich gerade an den Film "Citzen Kane" denken, der sich darum dreht, dass alle Welt rätselt, was der Ausspruch "Rosebud" des superreichen Magnaten Kane kurz vor dessen Tode bedeutet. Am Ende erfährt der Zuschauer, dass es sein Schlitten aus seiner Kindheit war, auf dem dieses Wort stand. All sein Reichtum, seine Macht, sein Einfluss hatten keinerlei Stellenwert für ihn. Dieser Schlitten aber war für ihn das Symbol glücklicher Kindertage, zusammen mit seiner Mutter, bevor er sie verlassen musste.
Selbst wenn ich also versuchte, meinen Besitz, meine Erinnerungsstücke zu schützen, hätten sie doch niemals für andere Menschen den gleichen Wert, da es einzig und alleine MEINE Erinnerungen sind, die daran hängen und ich muss davon ausgehen, dass ihnen nicht das Gedenken zuteil würde, das ich mir für sie wünsche.

Wieso dann also an dieses Zeug klammern? Durch Projekte wie kultboy.com, thelegacy.de oder gar richtige Retromuseen bleibt das Vermächtnis ja doch irgendwie lebendig. In meinem Keller weniger.

Daher habe ich mich entschlossen, mich aller Erinnerungsstücke zu erledigen.

Allerdings werde ich vorher noch versuchen, das ein oder andere davon an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Mir geht's dabei nicht um Geld, sondern darum, dass vielleicht noch jemand etwas (für ihn) Sinnvolles damit anzufangen weiß.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: -Stephan- in 29.05.2011, 19:31
Immer her damit :D ;)

Ich kann den Gedankengang recht gut nachvollziehen, ich habe derzeit auch diese Phase. Ich lese zwar immer mal wieder gerne in den alten Heften und spiele auch des öfteren mal an Dreamcast oder PS1, aber ich komme auch beileibe nicht dazu, alles zu spiele und zu testen, was hier rumliegt.
Ein weiterer Aspekt bei mir ist sicherlich auch der Platzbedarf. Hier stehen jetzt schon zwei Vitrinen allein mit Spielen und Konsolen rum, die Computer und Hefte, etc. mal ausgelassen. Das ist für mich auch eher das größere Problem, der Platz den das in Anspruch nimmt; in den Keller möchte ich es nicht stellen, und in der Wohnung wirds langsam wirklich eng, leider steht auch kein eigener Raum dafür zur Verfügung.
Ist ein zweischneidiges Schwert. Klar, das meiste rührt man über eine lange Zeit gar nicht mehr an, aber wenn man dann wieder mal den Retro-Flash bekommt, dann ist es schon was anderes an einem Original zu spielen als an einer Konsole. Und wie gesagt, ab und an hole ich mir die alten Zeitschriften immer mal wieder gerne raus :)
Bei mir wirds wohl drauf hinauslaufen das ich die alten Sachen weiterhin behalte, mich in nächster Zeit aber erstmal ein wenig mit weiteren Retro-Sachen zurückhalten werde; gibt noch so 2 - 3 Konsolen die ich gerne haben würde, aber dann ist auch erstmal Ende.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 29.05.2011, 19:44
Zitat von: GregBradley in 29.05.2011, 19:20
...Auf den ersten Blick sind es vielleicht eine triviale Überlegungen, ...

Nein, das sind keine trivialen Überlegungen! Ich kann total gut nachempfinden, was in dir vorgeht.
Diese Überlegungen sind auch auf andere Lebensbereiche übertragbar, sie sind also von hohem Wert.
Ein echt schöner Beitrag von dir, ich muss aber erst noch überlegen, was ich dazu schreibe.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: sternhagel in 29.05.2011, 19:59
Ähnliches habe ich mit meiner CD/DVD Sammlung durch. Habe ca. 300 CDs weggebegen, 120 DVDs und eine Nintendo Wii, weil ich sie so gut wie nie benutzt habe. Ich dachte auch, daß ich mit dem weggeben der Sachen mehr Platz habe. Aber falsch gedacht, den neuen Platz haben andere Sachen in Beschlag genommen. Wichtig ist nur, daß man das weggeben nicht irgendwann mal bereut.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 29.05.2011, 20:06
Irgendwie kommt das arschekalt rüber.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: GregBradley in 29.05.2011, 21:03
Der Platz spielt natürlich auch eine Rolle. Insgeheim hoffte ich vermutlich all die Jahre, dass ich irgendwann einmal im Lotto gewinne und mir dann eine Villa kaufe, mit 30 Zimmern und meinem eigenen, dekadenten Retroraum, voll mit allen Amigas, Konsolen, Spielen und natülich dem original Double Dragon Automat... :sabber:

Sollte ich aber wirklich eines Tages so reich sein, dann könnte ich auch locker all das nachkaufen, was ich jetzt wegwerfe.


Der threepwood hat da auch nicht Unrecht, es ist ein befreiendes Gefühl, eine Katharsis, wenn man alte Zöpfe abschneidet. Es hilft einem, mutiger nach vorne zu schauen.
Alte Akten, Aufzeichnungen, Rechnungen, Bedienungsanleitungen, halbkaputte Geräte und solche Dinge stellten bislang ja auch nie ein Problem dar. Nur empfinde ich die Sachen, um die es mir nun geht, keinesfalls als Belastung - im Gegenteil. Trotzdem verspüre ich das Bedürfnis, mich davon zu trennen.


Mann, mich deprimiert das alles echt, kann sich keiner vorstellen.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 29.05.2011, 21:24
Einst waren die Sachen euer ein und alles, und dann wollt ihr sie eines Tages doch loswerden.
Mir blutet das Herz, wenn ich so etwas lesen muss.
Vielleicht bin ich auch eine Spur zu romantisch für diese Welt, mir sind alte Zöpfe, die man abtrennt, immer unheimlich.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: sternhagel in 29.05.2011, 22:47
Nicht wenn sie verfilzt sind.

Es kommt immer drauf an, was man weggibt. Wie ich schon geschrieben habe, hauptsache man bereut es nicht irgendwann mal.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Mindshadow in 29.05.2011, 22:59
Hm, schwieriges Thema. Grundsätzlich kann ich den Gedankengang ganz gut nachvollziehen, hatte aber auch schon so einige schmerzliche Erfahrungen damit machen müssen, es im Nachhinein bereut zu haben. Aber daraus habe ich gelernt und überlege mir heute sehr gut, ob und was ich überhaupt hergebe.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Herr Planetfall in 29.05.2011, 23:24
Eine Sammlung ist für mich sowas wie ein Bild, an dem man malt, und wenn es fertig ist, ist es einfach ein hübsches Objekt zum Angucken. Es gefällt einem, weil man eben Zeit und Geld hineingesteckt hat, und im Idealfall ist eine Sammlung komplett. Man kann sich davorstellen und "aaahhh" seufzen, so tut die Sammlung etwas für den Seelenfrieden; man hat etwas schönes geschaffen und kann sich daran ergötzen.
Einen praktischen Nutzen für den Alltag hat natürlich keine Sammlung.

Aus diversen Gründen beschäftige ich mich schon seit Anbeginn der Zeit mit dem Thema "Aufheberei" und bin daher schon vor geraumer Weile zu den Schlüssen gekommen, die Greg geäußert hat.

Konkret:

Ich hab die Power Plays bis zur 12/91. Das sind die besten Jahrgänge, ich hab sie komplett und "schön" in Ordnern, sie nehmen keinen halben Meter Platz weg, und ab und zu blättere ich sogar mal in einem Heft.
Mehr Hefte zu sammeln würde mir mittlerweile zu lange dauern und zuviel kosten. Es würde mir zuviel Platz wegnehmen, und ich würde mehr Hefte auch nicht nutzen.

Daher hab ich alle anderen Hefte, an denen mein Herz nicht hing, die man im Internet findet, oder die ich nicht in lückenloser Reihe hatte, verkauft oder verschenkt.
Wegschmeißen find ich dann doch doof, denn daß irgendjemand die alten Sachen ordentlich aufbewahrt, halte ich schon für sinnvoll. Ohne solche (publik gemachten) Sammlungen würde tatsächlich einiges verloren gehen, und solche Sammlungen sind der Rohstoff für Seiten wie kultboy.com.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Commodus in 30.05.2011, 11:28
Schluss Aus Endegelände mit Retro ....das ist mien Leitspruch vor 10 Jahren! Seit letztem Jahr (dem Jahr als ich Kultboy.com entdeckte) heisst der neue Leitspruch:

ES LEBE DER RETRO-KULT & DIE SAMMELEI!

So wechseln die alten Dinge ihren Besitzer!  :hihi:
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 30.05.2011, 11:39
Der Sommer der Liebe war ja auch irgendwann vorbei.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Herr Planetfall in 30.05.2011, 12:56
Zitat von: Rektum in 29.05.2011, 21:24
Vielleicht bin ich auch eine Spur zu romantisch für diese Welt, mir sind alte Zöpfe, die man abtrennt, immer unheimlich.

Mit dem Loslassen habe ich auch Probleme, deshalb behalte ich immer einen harten Kern.
In diesem Fall sind das bei mir eben die alten Power Plays.
Hätte ich z. B. 120 Amiga-Originale, die ich nicht bräuchte, würde ich mich von maximal 100 Spielen trennen.

Wenn sich andere ganz radikal von ALLEM alten trennen, betrübt mich das auch.
Das ist, als ob Michael Jackson irgendwann gesagt hätte, "Billie Jean war scheiße."
Dann steht man traurig da.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: GregBradley in 30.05.2011, 20:51
Zitat von: Herr Planetfall in 30.05.2011, 12:56
Wenn sich andere ganz radikal von ALLEM alten trennen, betrübt mich das auch.
Das ist, als ob Michael Jackson irgendwann gesagt hätte, "Billie Jean war scheiße."
Dann steht man traurig da.
Offensichtlich ist man geneigt, mich hier mißzuverstehen.
Ich will nicht der Retrovergötterung den Rücken kehren. Auch würde ich niemals sagen: "Retro ist scheiße". Es geht mir rein um den Vorgang des Wegwerfens (bzw. -gebens) - mit dem aber das sich-Trennen von Erinnerungsstücken verbunden ist.
Z. B. seine von Chris Hülsbeck handsignierte Turrican-CD, die konnte noch nicht einmal der uno wegschmeissen. Womöglich behalte ich auch ein paar wenige Einzelstücke.

Andererseits denke ich halt, wenn diese Einzelstücke dann auch nur ein Dasein in einem verstaubten Kistchen fristen, wieso sollte ich die dann nicht auch gleich fortgeben?!? Ach, es ist schwer...

Zitat von: Herr Planetfall in 29.05.2011, 23:24
Eine Sammlung ist für mich sowas wie ein Bild, an dem man malt, und wenn es fertig ist, ist es einfach ein hübsches Objekt zum Angucken. Es gefällt einem, weil man eben Zeit und Geld hineingesteckt hat, und im Idealfall ist eine Sammlung komplett. Man kann sich davorstellen und "aaahhh" seufzen, so tut die Sammlung etwas für den Seelenfrieden; man hat etwas schönes geschaffen und kann sich daran ergötzen.
Einen praktischen Nutzen für den Alltag hat natürlich keine Sammlung.
Genau hier liegt noch ein anderes Problem für mich begraben: Ich bin ein ganz-oder-gar-nicht-Typ. Was ich tue, mache ich richtig. Oder eben gar nicht. Eigentlich steckt in mir der zwanghafteste, gierigste Sammler, den man sich vorstellen kann. Nur habe ich bereits zu Grundschulzeiten festgestellt, dass man viel, viel Geld braucht, um Sammlungen zu komplettieren. Und es hat mich oft angekotzt, wenn irgendwelche Klassenkameraden, ihres Zeichens Kinder viel zu reicher Eltern, dann in kürzester Zeit ihr Pannini-Album voll hatten, oder alle MotU-Figuren, oder sämtliche Miniaturmodelle jedlicher Luxusautohersteller, oder sämtliche Briefmarken einer seltenen Auflage aus den 30er Jahren.
Und genauso geht es mir mit diesem Retrokram. Einmal angefangen hätte ich natürlich erstmal gerne alle Systeme von Mitte 80er bis Mitte 90er mit allem, was es an brauchbarem und unbrauchbarem Zubehör so gibt, darüber hinaus natürlich auch alle Spiele, alle Magazine und am liebsten auch noch die originalen Arcdeautomaten. Das kann nicht funktionieren. Mit halben Sachen war ich noch nie glücklich.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Retro-Nerd in 30.05.2011, 21:01
Gegen diese zwanghafte Sammlerleidenschaft bin ich zum Glück gefeit. Hatte immer nur die Sachen, die mich auch wirklich interessiert haben. Auf Retro Spieleplattformen bezogen waren das nie mehr als 9-10 Systeme. Heute habe ich noch 7 davon, mehr wird es aber auch nicht werden. Platzprobleme sehe ich da in der Tat als großes Problem an. Immer wieder alles rauszukramen, weil nur 1-2 Systeme Platz finden, ist schon etwas nervig. Der Rest der interessanten Systeme wird halt emuliert, wie z.B. Arcade mit MAME.  

@Greg

Den Amiga 1200 mit Turbokarte würde ich nicht weggeben. Denk lieber nochmal drüber nach.   ;)
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 30.05.2011, 21:44
Den Amiga würde ich auch nicht hergeben, auf gar keinen Fall.
Titel: Re: Schluss! Aus! Endegelände mit Retro (Niemals)
Beitrag von: forenuser in 31.05.2011, 01:00
Wo fange ich an...
Von damals gelesenen Zeitschriften (HC/PP, Acorn World) habe ich mich schon vor vielen Monden getrennt, mir fehlt u.a. der Platz und auch im Keller eingelagert modert das Zeug eher vor sich hin. Auch aktuell abonierte Zeitschriften (sprich c't) gehen nach Jahresabschluss ins Altpapier - wobei der Heise-Verlag es mir derzeit auch sehr einfach macht. :D

Ich habe Ende der 1990/Anfang der 2000 einen 800XL, einen 1040STF und einen Amiga 2000 aus zweiter Hand erstanden. Und irgendwie nehme ich an, dass die beiden 16 Bitter in absehbarer Zeit den Weg allen Alt-Siliziums, sprich Richtung Wertstoffhof gehen. Ich habe zu den Kisten keine (romantisch verklärte) Bindung. Ich hatte damals zwar auch keinen 800XL, aber in meiner Brust schlagen es 8 Bit... :D ... :conf:

Ich werde, des Platzes wegen, aber auch ein paar meiner VC64 und 1541 entsorgen. Man muss ja nicht alles doppelt und dreifach haben.
Wovon ich mich aber nicht trenne ist meine VC64 Softwaresammlung. Auch wenn ich nach bald 30 Jahren annehmen muss, dass die Scheiben leer sind, die behalte. Das sind alles Originale und da hängen wirklich etliche (romantisch verklärte) Erinnerungen dran. :engel

Nun, nun weiss ich (und der geneigte Leser) also was ich entsorge. Aber es gibt ja auch noch den umgekehrten Weg.
Wo ich mich von Computern, da weder Bindung noch Platz vorhanden, trenne da schaffe ich gerne Konsolen und Zubehör an. Diese Sammlung hat noch viele weisse Flecken und die geringe Wachstumsrate ist nur der Platznot (das Thema verfolgt mich bis in meine Träume) und dem Geldmangel geschuldet. Da sind viele Mäuler die gestopft werden wollen - und die Familie soll weiter wachsen und gedeihen... :ballon
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Elvis in 31.05.2011, 03:28
Ich ziehe jetzt auch von den USA wieder zurück nach Europa und ich schmeisse auch sehr viel Zeug weg, da ich mir sage "das schaue ich nie mehr an". Es bleiben nur die wichtigsten Dinge übrig.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: sternhagel in 31.05.2011, 12:05
Zum Thema wegschmeißen fällt mir ein, daß sicherlich jeder von uns hier hunterde oder sogar tausende von Digitalen Fotos hat. Wie oft habt ihr sie angeschaut? Wollt ihr die Bilder deswegen löschen? Ok, sie existieren in digitaler Form und nehmen keinen Platz weg. Wieso sollte man also nicht die alten Systeme emulieren. Wie schon geschrieben wurde, kann ein Emulator nicht einem das Gefühl geben eine Diskette ins Laufwerk zu schieben. Aber spaß macht es trotzdem. Genau wie mit den Bildern. Alle sehen die Bilder, aber nur der Fotograf der Bilder kennt das Gefühl dort zu sein.

Was will ich jetzt damit sagen? Keine Ahnung, aber vielleicht sollte man nur die Systeme aufgeben, die man nicht besessen hat. Ich würde auch meine C64er weggeben (wenn ich müßte) aber nicht meine Atari 800XL.

Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Herr Planetfall in 31.05.2011, 13:15
Zitat von: GregBradley in 30.05.2011, 20:51
Ich will nicht der Retrovergötterung den Rücken kehren. Auch würde ich niemals sagen: "Retro ist scheiße". Es geht mir rein um den Vorgang des Wegwerfens (bzw. -gebens) - mit dem aber das sich-Trennen von Erinnerungsstücken verbunden ist.
Z. B. seine von Chris Hülsbeck handsignierte Turrican-CD, die konnte noch nicht einmal der uno wegschmeissen. Womöglich behalte ich auch ein paar wenige Einzelstücke.

(...)

Und genauso geht es mir mit diesem Retrokram. Einmal angefangen hätte ich natürlich erstmal gerne alle Systeme von Mitte 80er bis Mitte 90er mit allem, was es an brauchbarem und unbrauchbarem Zubehör so gibt, darüber hinaus natürlich auch alle Spiele, alle Magazine und am liebsten auch noch die originalen Arcdeautomaten. Das kann nicht funktionieren. Mit halben Sachen war ich noch nie glücklich.

Zum ersten Absatz:
Hab Dich schon richtig verstanden, mir ist klar, daß Du nie Gods oder Turrican scheiße finden wirst. Das Weggeben jeglicher Erinnerungsstücke fühlt sich für mich aber ein bißchen danach an.
Komm schon.
It came from the Desert.
Das mußt Du doch behalten! :cry:
DU BIST SCHLIEßLICH GREG BRADLEY, MANN! :angry:

Zum zweiten Absatz:
Eigentlich bin ich auch so drauf, zu allem möglichen fällt mir "die perfekte Sammlung" ein. Nachdem es aber schon Jahre und Geld gekostet hat, auch nur die ersten Power-Play-Jahrgänge zusammenzubekommen (was heißt das auf Schweizerisch? "Zämezcho"?), habe ich mich dazu entschlossen, es dabei zu belassen. Im Grunde ist da ja auf Meta-Ebene alles an Systemen und Spielen drin, was ich mit meiner Kindheit verbinde. Und blätternderweise kann ich so eben auch "in echt" nochmal in Erinnerungen schwelgen. Außerdem war das damals sowieso alles, was ich hatte: Power Plays. Gespielt habe ich ja immer woanders. Und das Leben wird nicht länger, und bei diesen alten Systemen und Spielen ne ordentliche Sammlung hinzubekommen, veranschlagt Jahre oder Jahrzehnte. Das ist mittlerweile echt Arbeit für Museen.
Öffentliche Sammlungen finde ich eh sinnvoller als private.
Hätte mein örtliche Bibliothek ne ordentliche CD-Abteilung und nicht nur drei CDs von Cher und eine von Moby im Regal (so ungefähr), hätte ich womöglich nicht mal besonders viele CDs zu Hause.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 31.05.2011, 14:08
Mir wird es langsam echt schlecht von diesem Thread.
Dann hört doch einfach auf, wenn ihr keinen Bock mehr habt, ihr eiskalten Menschen ihr.
Wisst ihr was? Jetzt habe ich auch keinen Bock mehr. Ich finde Elvis, Freddie und John scheiße.
Früher fand ich sie gut, aber jetzt nicht mehr.
Ich höre eh keine Musik mehr, sie bedeutet mir absolut nichts mehr - meine Musiksammlung ist nur noch ein Relikt aus Zeiten, als ich noch romantisch verklärte Träume hatte.
Bob Dylan sagt in seinem Buch Chronicles: "Früher gut, heute nicht gut."
Tut mir leid, aber ein Song von John Lennon hat doch eh keinen echten Wert, weil ich meine nicht vorhandenen Kinder nicht damit ernähren kann.
Eigentlich denke ich gerade wieder über Selbstmord nach, weil mich so etwas todtraurig stimmt.
Früher hatte man noch ein Funkeln in den Augen, das ist jetzt dahin.
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Commodus in 31.05.2011, 14:21
Ach was! Okay in ein paar Monaten gibt es kein einziges Kultboymitglied mehr! Es war einfach nur mal ein kurzer Retro-Trend, bald ist alles vergessen, die Seite geschlossen und alle alten Computer verschrottet. Kultboy macht ne neue Seite "Mein Garten & ich" oder bringt eine megatrendige, quietschbunte, abgefahrende Manga-Seite heraus.

Spätestens in einem Jahr weiss keiner mehr, was Monkey Island sein soll, oder das es vor dem PC schon Computer gab!

AAAAAaaaaaaab in die Zukunft!






Ist doch alles Käse!
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: PsychoT in 01.06.2011, 00:31
Zitat von: GregBradley in 29.05.2011, 19:20Klar hängt mein Herz, meine Erinnerungen an dem Zeug, aber wozu hebe ich es eigentlich auf?
Weil du es irgendwann, wenn du dir durch harte Arbeit eine Villa gekauft hast und darin einen extra dafür angelegten Raum voller alter Schätze hast, wieder mal benutzen willst? Ich bin mir fast sicher, die Disks würden dann immer noch funktionieren. Wird zwar Ausfälle geben, aber wozu hat man alles in mehrfacher Ausführung? Ich für meinen Teil habe alles in 4facher Ausführung und irgendwann, wenn ich mehr als genug Platz hab, bekommen alle Medien, also auch Computer, Konsolen und Zubehör, einen eigenen Raum. Irgendwann eben... Bis es soweit ist, kann ich den Kram auch bei den Eltern unter'm Dach horten. Da ist's gut aufgehoben und es stört keinen. :cen:
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: GregBradley in 02.06.2011, 19:52
Aber macht es Sinn, etwas einfach nur zu horten, nur für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass man irgendwann vielleicht, womöglich, eventuell... hm.

Im Übrigen habe ich das in diesem Fred (wie immer halt) völlig ausgeartete Gelaber mal dortin verschoben, wo es hingehört: G-Laber (http://www.kultboy.com/smforum/index.php?topic=2078.msg213082#msg213082).
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: PsychoT in 02.06.2011, 20:52
Solange es nicht zuviel wird, darf man ruhig mal was horten. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich 2003, als mich die Lust nach alten Commodore-Zeiten überkam, immer noch mein ganzes jahrelang unbenutztes Commodore-Zeug von damals hatte. Und ich bin mir sicher, dass irgendwann wieder der Zeitpunkt kommen wird, der einem mehr Zeit bietet und dass die Lust, nach Ewigkeiten wieder ein Eye of the Beholder o.a. zu zocken, und zwar indem man seine alten Disks ins alte Laufwerk schiebt, nachdem man die weiße Hand mit der blauen 3,5 Zoll-Disk auf weißem Hintergrund am Bildschirm hatte. Wenn man sich bei den Originalspielen auf die Besten beschränkt (sind beim Amiga auf jeden Fall unter 100) und nicht alles haben muss, was es gab, wie so mancher Sammler, dann braucht es gar nicht allzuviel Platz. Das gilt auch noch dann, wenn man mehrere Systeme mit dazugehörigen Originalspielen hat, so wie ich. Hätte meine Wohnung auch nur 1 Zimmer mehr, würde ich das genau dafür nutzen und bei der Gelegenheit dort auch gleich noch die ganze Musik und die Filme mit unterbringen. Ein Medien- und Spielezimmer braucht ein Mann! :cen:
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: onlyaroth in 03.06.2011, 16:29
Wenn man Freude damit hat und gern an die Zeit zurück denkt...

Ich werde meinen Amiga vll nie wieder benutzen und trotzdem liegt er am Dachboden meiner Eltern. Ich würde auch nie zulassen, daß sie ihn verschrotten. Warum? Keine Ahnung. Hab ihn halt gern ;)

Man sollte sich über solch Warum/Wieso/usw. keine Gedanken machen. Es ist halt so...
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 05.06.2011, 23:39
Wo sind wir hier eigentlich, auf dem Recyclinghof?
So ein Scheiß-Thema!
Seid gefälligst euphorisch!
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: berghutzen in 06.06.2011, 10:39
Das Thema passt gut! (ich habe allerdings zuerst gedacht, die Zeitung RETRO gibt den Geist auf, aber egal)

Ich stecke im Moment in einer ähnlichen Bredouille. Ich habe zwar keine Atari-ST-Sammlung, oder dutzende von original Amiga-Disketten auf dem Dachboden, aber dennoch häuft sich da einiges an. Im Wesentlichen tatsächlich Erinnerungen. Tja, und wie es der Familienstand so will, wird in diesem Sommer oben ausgebaut - zwei Kinderzimmer geschaffen, was meinen geliebten Dachboden (als Lagerraum) verschwinden lässt. Ich bin also nun in Zugzwang. Da oben MUSS ausgeräumt werden.

Aber was liegt da oben eigentlich?
Kartons voll mit Musik-CDs. CDs, die mir zu schade waren, bei ebay zu verticken: rare Pressungen, limitierte Auflagen, Liebhaberstücke wie z.B. die Soundtrack-CD von Sacred, der "The Look"-12" Headdrum-Mix von Roxette auf 3"-CD oder der Killer Instinct-Soundtrack. Oder Alben von denen ich MP3-Kopien auf meiner HD habe.
Kartons voll mit DVDs. "Will ich aufbewahren". Oder die Regale im Wohnzimmer waren voll (da stehen eh nur ein paar DVDs drin, weil ich lieber Bücher im Regal stehen habe als DVDs). Oder es sind Horrorfilme, die die Kinder noch nicht zu sehen bekommen sollen, wie SAW oder Freddy vs. Jason.
Kartons mit alten Schulsachen - ach, die gute alte Schulzeit! Die Arbeit mit den Leistungskursen! Die ollen Schulbücher, die man liebevoll vollgekritzelt hat! Die ganzen Arbeiten mit Noten des gesamten Spektrums!
Viele Kartons voll mit Büchern und Zeitschriften. Von Büchern kann ich mich gar nicht trennen. Ich kann doch kein Buch verkaufen/-schenken, was ich einmal gelesen habe! Auch, wenn es heute höchstens antiquarischen Wert hat, oder selbst auf dem Flohmarkt liegen bleiben würde.
Und dann gibt es da noch 2-3 Kartons, die ich vermissen würde, selbst, wenn alle anderen o.g. Kisten verschwunden wären. Darin sind Herzensangelegenheiten aufbewahrt. Z.B. sämtliche Werke der Firma Ascaron, die mich 6-7 Jahre lang eng begleitet hat (mit seltenen Marketingdevotionalien oder handsignierten Spielen). Oder aber der Karton, in dem ich neben meinen Jugendtagebüchern die Briefe aufbewahre, die meine Frau und ich in unseren jungen Jahren geschrieben haben.

Und was davon muss jetzt weg? Warum bewahre ich Briefe auf, die ich seit 10 Jahren nicht gelesen habe? Warum Spiele, die ich auf aktueller Hardware nicht mal mehr installieren kann? Warum DVDs, die ich schon x-mal gesehen habe und garantiert nicht mehr ansehen werde? Warum Bücher, die ich ebenfalls kaum nochmals lesen werde? Warum Zeitschriften, deren Inhalte schon 14 Tage nach Druck veraltet waren, und das mit den Jahren sicher nicht besser geworden ist?

Die Antwort ist doch einfach: Weil das zu mir gehört. Mich von diesen "alten Zöpfen" trennen, würde auch bedeuten, sich von einem Teil von mir selbst zu trennen. Die Frage, die dann nur bleibt ist: Will ich das? Ist es nötig, einen Teil der Vergangenheit hinter sich zu lassen, um nach vorne gehen zu können? Kann ich das mit mir selbst klar haben? Kann ich in den Spiegel schauen und mir aufrichtig sagen "Es war richtig, das jetzt endlich wegzuschmeissen!" ?

Manchmal ist es Ballast. Manchmal verrät man sich aber auch selbst. Die Entscheidung kann man nur selbst treffen. Wichtig ist da nur: Überhaupt eine Entscheidung zu treffen.

Ich werde mich nun von vielen Sachen trennen. Meine alten Schulsachen sind bereits im Altpapier gelandet. Und einen Müllcontainer haben wir für die Woche nach Pfingsten bereits bestellt. Ich werden mich sicher von einigen Sachen schwer nur trennen können - aber meine Kinder brauchen den Platz. Und die sind mir wichtiger als ein Kickerheft aus 1995.

Dennoch werden einige Kartons aufbewahrt werden: Denn meine Erinnerungen sind nicht nur für mich da. Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder diese Sachen irgendwann mal entdecken und sagen: "Das habt ihr damals gemacht?"
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: GregBradley in 06.06.2011, 22:00
Zitat von: Rektum in 05.06.2011, 23:39
So ein Scheiß-Thema!
Zitat von: berghutzen in 06.06.2011, 10:39
Das Thema passt gut!
Es gelingt mir, zu polariseren. Immerhin.  B)
Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Rektum in 06.06.2011, 22:38
Wo werden wir sein, wenn der Sommer vorbei ist?
Der Morgen fand uns gelassen und ahnungslos.
Der Mittag brannte Gold in unser Haar, bei Nacht schwammen wir im lachenden Meer.
Wenn der Sommer vorbei ist, wo werden wir sein?


Es bricht mir einfach das Herz, Ameisen haben solche Probleme nicht, aber ich bin keine Ameise, ich bin ein Mensch.
Deshalb finde ich das Thema scheiße.

Titel: Re:Schluss Aus Endegelände mit Retro
Beitrag von: Herr Planetfall in 06.06.2011, 23:55
Ach, weißte was, hast recht.
Greg muß alles behalten, ist doch scheiße sonst.

Gez. Das Fähnchen im Winde

Jetzt bin ich doch tatsächlich wieder hin- und hergerissen bei dem Thema, weil Rektalium so inbrünstig weint.
Da weine ich mit.
Wenn man den Platz hat, wieso soll man Kleinode nicht bis ans Lebensende in Kisten im Keller lassen?