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Das Interview wurde am 09.06.2006 veröffentlicht.

Torsten Oppermann


?: Fangen wir mal von ganz vorne an: Wie hat deine Karriere begonnen als Redakteur?
to: Ich war als jugendlicher, wie viele meiner Freunde "auf den Computer gekommen"...angefangen hat aber alles mit einem VCS....Dann kam der erste Atari 400...dann der Atari ST... Irgendwo dazwischen... So 86,87 habe ich die ASM entdeckt....ich hatte damals schon hier und da als Freier Autor für Stadtzeitschriften mal etwas geschrieben, aber nie professionell als Hauptberuf.
?: Wie bist du damals zur ASM gekommen?
to: Ich war irgendwann mit einigen Dingen im Heft (als Leser) unzufrieden und habe Manfred Kleimann angerufen....so fing alles an und ich zog 88 nach Eschwege, habe aber dann schwerpunktmäßig während meines Volontariats zu Beginn für ein anderes Projekt des Tronic Verlags, Public Domain hieß die Zeitschrift, gearbeitet. Dann in die ASM-Redaktion....
?: Wie war früher das Arbeitsklima im Gegensatz zu heute?
to: Wir waren alle recht unbeschwert, es war auch in der Games-Branche bei den Publishern alles etwas einfacher, insbesondere an Entwickler zu gelangen und mit den wirklichen Machern der Branche in Kontakt zu kommen. Logisch, viele Firmen waren ja auch noch sehr, sehr klein im Vergleich zu heutigen Maßstäben.
?: Muss man sich das tatsächlich als freundschaftlich-kumpelhaftes Verhältnis aller Beteiligten untereinander sehen oder war zu Manni als Chef schon eine gewisse Distanz? Waren die persönlichen Verhältnisse zueinander durchweg nur positiv oder gab es auch regelrechte Reibereien (oder vielleicht sogar Mobbing)? Gab es ein Konkurrenzdenken oder war die Redaktion schon ein Team?
to: Wir waren ein super Team damals mit Manfred, Bernd, Uli, Mats, Otti, Michael und co. Klaro, hatte Manfred als Chefredakteur die Verantwortung, das Heft rechtzeitig und kompetent jeden Monat fertigzumachen, aber Manfred war als Chefredakteur und mein Vorgesetzter sehr angenehm. Stress gab's im Team sicher auch, aber das war minimal, bleibt ja auch nicht aus, wenn so viele unterschiedliche Persönlichkeiten tagtäglich zusammenhocken. Vielleicht war es aber auch deswegen innerhalb des Verlags so, weil die ASM zu der Zeit einfach extrem erfolgreich war, viele verkaufte Hefte voller Anzeigen...das macht sicher vieles bequemer und auch Manfred wurde sicher nicht vom Verleger gepeitscht....
?: Wieviel verdiente man damals als Redakteur?
to: Zu wenig (grins)
?: Wieviel Prozent hast du von deiner Arbeitszeit gespielt hat und wieviel hast du geschrieben?
to: Oh Gott, wir hatten oben unsere Arbeitsplätze und eine Etage tiefer unsere Spielecomputer und Konsolen, ehrlich gesagt, haben wir die meiste Zeit oben beim Schreiben, recherchieren, etc. verbracht. Klaro - haben wir viel gespielt, aber ein Spiel zu spielen, um es zu testen ist aus meiner Sicht ein ganz anderer Prozess, als ein Spiel zum Vergnügen zu spielen...
?: Hattest du da damals geregelte Arbeitszeiten? Oder wie darf man sich das Redaktionsleben vorstellen? Beschreibe mal einen Tagesablauf.
to: Es gab ganz klassische, geregelte Arbeitszeiten, die kurz vor Redaktionsschluss natürlich immer in längere Schichten ausarteten, ich kann mich noch erinnern, dass wir immer recht früh, so gegen 8.30h in der Redaktion waren, da die meisten Kollegen aus dem 50KM entfernten Kassel kamen und dies in Bezug auf den Verkehr, die beste Startzeit war....Viel zu früh, wenn Ihr mich fragt ;-)
?: Wie lange wurde ein Spiel normalerweise getestet (insbesondere Rollenspiele!)? Benutzte man da auch öfters Cheats um schneller fertig zu werden?
to: Sofern wir Cheats hatten, nutzten wir diese oder auch das Action Replay Mogelmodul ;-) Je nach Genre, verliefen die Testzeiten zwischen einigen Stunden und einigen Tagen... Wir hatten einen freien Mitarbeiter damals, Thorsten Blum, der war der Rollenspiel-Spezi und hat teilweise tagelang zu Hause an den Spielen gesessen...;-)
?: Hast du noch andere Arbeiten gehabt außer Spiele testen?
to: Klaro, ich habe viel mit den Herstellern gesprochen, um neue Produkte früher als andere Redaktionen zu erreichen und habe mich da insbesondere mit den japanischen Publishern und der damalig neuen Konsole PC-Engine beschäftigt, da ging auch vie Zeit drauf...Auch das Redigieren von Texten, das Mitarbeiten am Lay-Out, das Planen und Durchführen von Gewinnspielen mit Publishern gehörte zu unserem Aufgabengebiet.
?: Nach welchen Kriterien wurde das Cover gewählt?
to: Zur damaligen Zeit hatten wir nie Artworks von Spielen, sondern immer Airbrush-Cover von Marc Bromley (so hieß der, glaube ich)... Hier war unser Verleger sehr stark involviert.
?: Habt ihr auch die Konkurrenzmagazine gelesen und deren Testberichte mit euren verglichen?
to: Klaro, wir haben immer alles gelesen und ich hatte auch schon während meiner aktiven Zeit bei der ASM ein gutes Verhältnis zu Heini, Martin Gaksch und Co. Warum auch nicht...
?: Hast Du noch Kontakt zu alten Redaktions-Kollegen?
to: Von der ASM? Recht wenig. Achim Amann, jetzt bei Konami sehe ich häufig insbesondere auf Messen. Mit Ulrich Mühl arbeiten wir von Zeit zu Zeit, da er ein Übersetzungsbüro betreibt. Martina sehe ich auch ab und zu, sie hat ja eine eigene Agentur. Bernd habe ich leider aus den Augen verloren (also Bernd: wenn Du das liest, melde Dich mal!!!)...
?: Wie kam es das du damals bei der Gamers mitgewirkt hast? Wie lange warst du dabei?
to: Ich bin damals als Product Manager für United Software tätig gewesen, wollte aber nicht länger in Gütersloh bleiben, hatte daraufhin Gespräche über andere Jobs. Unter anderem mit dem Verleger der Gamers, Rüdiger Limbach. Wir haben uns gut verstanden und so bin ich dann eigtl. während der Fertigstellung der ersten Ausgabe zu Heini und Boris gestoßen als fester Freier und wir haben dann die ersten Ausgaben als Team hier in Hamburg und von zu Hause aus fertig gestellt.
?: An welche/n Test/s kannst du dich noch gut erinnern, und welches Spiel hat dich damals am meisten aufgeregt?
to: Hmmm, am meisten Spaß hatte ich mit den japanischen Konsolengames für die PC-Engine. Am meisten aufgeregt? Keine Ahnung, doch! Der Sound des Amstrad CPC war IMMER unerträglich....
?: Warum bist du damals in das Ausland gegangen?
to: Erstens wollte ich schon immer einmal ins Ausland, um die persönliche Herausforderung zu bewerkstelligen und zweitens war es ein spannender Job.
?: Wie kam es zu deiner Firmengründung (Indigo Pearl)?
to: Ich war vor Indigo Pearl bei HASBRO, dem Spielwarenkonzern für einige Bereiche verantwortlich und habe in London und Frankfurt gearbeitet, aber in Hamburg gelebt. So saß ich dann teilweise vier Tage die Wochen im Flieger.... Irgendwann habe ich dann überlegt, dass ich lieber an dem Ort arbeiten möchte, wo ich wohne...und da ich in Hamburg wohnen wollte, habe ich zusammen mit meinem Partner und Freund Reza Abdolali, den ich auch schon seit über zehn Jahren kenne, Indigo Pearl gegründet. Vor nunmehr fünf Jahren.
?: Welches System war damals dein Liebling, und welche besitzt du heute noch? Benutzt du diese noch, und wenn ja, wie oft?
to: Leider habe ich nicht so viel Zeit, um zu spielen, da der Beruf mich stark einspannt und ich natürlich auch noch andere Hobbies habe. Wenn ich spiele, dann viel auf PSP, ab und zu DS (geht halt gut unterwegs) und viel mit Freunden online auf der 360 (Tischtennis und Uno zurzeit...)
?: Was waren/sind deine Lieblingsspiele?
to: Alles um Mario, außer auf Virtua Boy und dem ersten DS Mario.
Viele Zelda-Teile
Summer Games II (mann, damit haben wir damals echt viel Zeit verbracht)
Die Virtua-Fighter-Serie
Und generell Rennspiele und Sportspiele - am besten gemeinsam mit Freunden
?: Was hältst du von Emulation? Spielst du sogar ab und zu mit einem Emulator?
to: Klaro. MAME ist ein tolles Projekt!
?: Wie beurteilst du den derzeitigen Zeitschriften- und Spielemarkt?
to: Es ist sehr gut, zu sehen, wie sich der Markt in Bezug auf Größe, breitere Zielgruppen und Umsatz entwickelt und wie Spiele immer mehr ein Teil unserer Kultur werden. Die Konzentration auf die großen Hersteller und Publisher geht sicher in einigen Teilen zu Lasten der Kreativität, aber gute, mutige Konzepte wird es auch weiterhin geben (Spore, Wii, etc.) - von großen und kleinen Unternehmen. Der Zeitschriften-Markt hat sich extrem weiterentwickelt und viele Magazine sind sehr, sehr professionell und kompetent - mittlerweile gibt es für jeden Geschmack das richtige Blatt oder das richtige Online Medium.
?: Was müsste geschehen, damit die heutigen Spiele auch wieder "kultig" werden können?
to: Wartet's ab, wir waren doch Kids damals... frag die heutigen Kids in fünfzehn Jahren, für die ist dann bestimmt ein Pokemon oder Sims oder Tomb Raider auch kultig...
?: Wie denkst du über den Unterschied zwischen den Computerzeiten damals und heute? Bist du retro?
to: Ich schaue gern mal nach hinten (spiele alte Arcade Games auf MAME oder schwärme über die "gute, alte Spiele-Zeit), aber meines Erachtens sind viele heutige Spiele wirklich auch richtig gut. Nur das "Spielerlebnis", was wir direkt mit den ganz alten Retro-Produkten verknüpfen, war damals intensiver, weil wir nicht so reizüberflutet waren. Und wir heute auch schon Tausende von Spielen gesehen haben...Und wenn wir ehrlich sind, gab es auch damals schon eine große Anzahl an wirklich schlechten Produkten (die haben wir wohl nur verdrängt ;-)).
?: Wie denkst du über Retro-Fanatiker wie uns? Ist das cool oder haben wir doch nur alle 'nen Schuss?
to: Quatsch, ich finde es fantastisch, dass es eine aktive Szene gibt. Ist doch schön zu sehen, dass es auch im Games-Bereich verschiedene Bewegungen und Szenen gibt, wie auch im Musik-, Film- und Modebereich. Pflegt Euer Hobby und macht weiter so!
?: Danke für das Interview Torsten, ich wünsche dir noch viel Erfolg in deinen weiteren Leben.


Interviewer war Kultboy. Das Copyright des Interviews unterliegt Kultboy sowie Torsten Oppermann,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
User-Kommentare: (10)Seiten: [1] 
27.07.2007, 16:40 Gast
Ich erinnere mich noch ziemlich gut an Torstens Turrican-Test (Amiga). Das waren noch Zeiten...
02.05.2007, 20:09 kultboy [Admin] (10848 
Gast schrieb am 02.05.2007, 18:59:
Danke an alle. Mir hat das Interview Spaß gemacht. Und mich haben schon einige Freunde darauf angesprochen... Eure Seite wird wohl sehr gut gelesen ;-) Bis bald, Torsten
Hallo Torsten! Schön das du mal wieder vorbei schaust! Mich würde eher interessieren wer die Personen sind! Kennen wir die auch?

ASM FOREVER!
02.05.2007, 20:04 cassidy [Mod] (3279 
Yess, kultboy bringts! Ein Hoch auf die ASM!
02.05.2007, 19:11 Lari-Fari (1842 
Yeah, der Torsten! ASM, Alter! A! S! M!
Kommentar wurde am 02.05.2007, 19:11 von Lari-Fari editiert.
02.05.2007, 18:59 Gast
Danke an alle. Mir hat das Interview Spaß gemacht. Und mich haben schon einige Freunde darauf angesprochen... Eure Seite wird wohl sehr gut gelesen ;-) Bis bald, Torsten
13.06.2006, 00:53 monty mole (1108 
Kacke, ist die Hochzeit der ASM echt schon so lange her. Übel wie die Zeit fliegt.
11.06.2006, 08:32 Darkpunk (2458 
Mal eben Manni anrufen, und ´nen Job bei der ASM bekommen! Super!

Tolles Interview. Bin ja eher der Joker VET, aber immer wieder interessant, was über die "Legenden" der ASM usw. zu erfahren. Danke kulty!
10.06.2006, 14:43 Lari-Fari (1842 
Schönes Interview! Dank an alle Beteiligten, Lobpreisung dem Interviewten: Danke, Torsten! Für Interview + ASM + so - War ´ne tolle Sache, das damals!
(Man, das klingt jetzt, als könnte ich keine zwei Sätze geradeaus reden, aber ich bin gerade hin- und hergerissen zwischen bleierner Müdigkeit und aufrichtiger Heldenverehrung. )
09.06.2006, 22:29 merlwein [Ehrenmitglied] (9 
Hallo Torsten!

Schön, dass Du Dich auch hierher verirrt hast. Freue mich auch, dass Du der Branche weiterhin treu bist. Kenne Dich nur als tollen Typen, der Menschlichkeit und Business sehr gut verbinden kann.

Beste Grüsse
Michael "Early" Erlwein
09.06.2006, 15:48 kultboy [Admin] (10848 
Danke für das tolle Interview Torsten!

Die ASM Zeit muss damals wirklich geil gewesen sein, wenn man das so liest...
Seiten: [1] 


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