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Dr. Vector - Made In Italy (The Best Of Guillermo Blanco)


Label:
Remute.mod

Erscheinungsdatum:
Juni 2014

Download:
http://remutemod.bandcamp.com/releases (7.99,- Euro)

Inhalt:
Die beigefügten Presseinfos von Testmustern sind manchmal echt komisch. "Made in Italy" vom Szenemusiker Dr.Vector bildet da keine Ausnahme. Horny Italo-Disco? Woah, klingt eher nach einem schwülstigen Porno, statt nach einem Best Of seiner Amiga-Aktivitäten. Insgesamt dreizehn Tracks tummeln sich auf diesem digitalen Album und wollen einen repräsentativen Querschnitt seines Schaffens wiedergeben. Aber obwohl Dr.Vector in den Gruppen Megahawk und Italian Bad Boys aktiv war, kann nicht ein Jeder den Prominenten-Status eines Jogeir Liljedahl erreichen, dessen Module sicher jeder von euch schon einmal gehört hat. Somit ist es auch durchaus keine Schande, jetzt zum ersten Mal von ihm zu hören.

Track by Track:

Top Gigolos - Der Eröffnungstrack kommt - trotz aufdringlichem Bass - locker & flockig daher und weckt sofort Assoziationen an alte Amiga-Tage. Die Marschrichtung ist nach diesen knappen drei Minuten jedenfalls gesetzt: Es wird in den folgenden Stücken so dermaßen Amiga-Stylish (und auf alte ST00-STXX Samples basierend), dass gerne gerätselt werden darf, von welchem Spiel einen dieses oder jenes Sample/Instrument denn nun so bekannt vorkommt. Die Gamerin in mir schreit jetzt aber nicht dumm-dreist "Plagiat!", sondern erkennt nur die arg typische Amiga-Trackermucke, wie sie sehr häufig Mitte bis Ende der achtziger Jahre praktiziert wurde. Mit, ja, häufig wiederkehrenden Samples. Insgesamt ein ordentlicher, leicht zu konsumierender, Einstieg in das Album.

Escape from Tarnow weiß anschließend nicht, ob es eher getragen oder doch eher im Disco-Style aus den Lautsprechern dringen will. Nicht die Welt, das Stück.

Phoenix Foundation - Spätestens mit dem dritten Track fällt einem die nur marginale Produktion der Scheibe auf. Anno 2014 ist einfach mehr möglich, als die Amiga-Module nur mit einem kleinen Filter zu unterlegen und ansonsten alles in Mono ablaufen zu lassen. Der recht interessante Song wird von MacGyver-Sprachsamples flankiert und geht mit seinen Jogeir Liljedahl-Synth ansonsten gut ins Ohr.

Time for Tennis klingt, als hätte das PD-Spiel Backstage noch einen hidden Track auf der Diskette gehabt. So viel achtziger Jahre-Feeling, dass man entweder sofort begeistert Richtung Decke springt - oder sich Fremdschämend von abwendet. Je nachdem.

m-m-Music - Wenn ganz frühe Technotronic mit einem ebenfalls frühen Dr.Alban fusioniert hätten, dann käme wohl so etwas ähnliches wie das hier dabei heraus. Oder wenn Chris Hülsbeck noch ein zusätzliches Stück für die Techno-Welt im Shooter Apidya komponiert hätte. Pump up the Jam und so.

Dragonlove (Macho Mix) - Trotz seiner Simplizität mag ich das Stück sehr. Bei entsprechender Lautstärke knallt der Vordergründige Synthesizer gut durch die Ohrmuscheln. Und er wird im Mittelteil kurz durch ein cooles Break mit Digi-Drums aufgelockert.

R.O.T.O.R. After Dark - Die Message des Songs klingt nach oraler Befriedigung (kein Witz, man lausche den Sprachsamples), ist von einer ohraler aber so weit entfernt, wie der Papst von einem Iron Maiden-Konzert. Auch wenn die eingestreuten Sex-Samples echt witzig sind. Hat aber leider keine Substanz.

Kropotkin - Weiter geht es mit getragenen Disco-Pop. Nur gegen Ende hin blitzt ein wenig Progressivität durch; ansonsten glänzt das Stück mit einer (irgendwie russisch anmutenden) Melodie. Kriegt man nach dem vierten, fünften Durchlauf einfach nicht mehr aus dem Kopf heraus. Großartig! Und ein definitiver Anspieltipp für "Made in Italy".

Auto Rock - Synthetische Amiga-Gitarren, dicke Beats, Scratches; "Auto Rock" ist wohl der experimentellste Song auf dem Album. Klingt, als wenn Monty "On the Run" Mole - betrunken und auf Randale aus - sich erneut durchs Erdreich wühlt. Hit it!

Dance Till Dawn - Das nunmehr zehnte Stück entwickelt sich sehr schnell zu einen der raren Uptempo-Nummern auf Dr.Vector's Album. Rückblickend hätte es gerne mehr von der Sorte geben dürfen. Denn die Nummer macht (mit dem allgegenwärtigen 80er-Flair) Spaß, ohne auch nur im Ansatz einen seelenlosen Trance der neunziger Jahre zu streifen.

Space Mission - Der Name ist Programm: noch eine nach vorne treibende Nummer, diesmal mit spacigen Ambiente - und ständig eingestreuten Funksprüchen. Nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Shower Of Love konzentriert sich, trotz leichter Tribal-Schlagseite, erneut auf Synthies, die stark im Vordergrund stehen. Insgesamt eine durchwachsene Nummer.

Shower Of Love (Remute's 909 of Love RMX) ist abschließend der quasi-Bonustrack auf dem Album. Der Beat geht gut ins Ohr und auch die Verzerrer-Effekte machen Laune. Wenn einem der permanente Schluckauf (Look?) nach einer halben Minute nicht dermaßen auf den Zeiger gehen würde. Manchmal ist weniger Verspieltheit dann doch signifikant mehr.

Fazit:
Wie man es den einzelnen Song-Besprechungen entnehmen kann, ist mein Gesamtfazit ein eher waagerecht ausgerichteter Daumen, der weder nach oben, noch nach unten hin richtig ausschlägt. Neben einigen guten Tracks haben auf diesem Album auch Songs ihr Audio-Archiv gefunden, die im Grunde nichts weiter tun, als den Kiefer bei einem kräftigen Gähnen auszurenken. Das Gros pendelt derweil zwischen durchwachsen bis ganz nett. Was mir persönlich nicht ausreichend scheint. Das sollte aber niemanden daran hindern, sich selbst mal ein Bild vom Amiga-Trip des Dr.Vector zu machen - zumal es auf der oben verlinkten Homepage völlig kostenlos vonstatten gehen kann. Musik ist letztlich - viel mehr noch als Spiele, die nach einem gewissen Schemata Objektiv bewertet werden können - reine Geschmackssache. Wer auf oldschool Amiga-Mucke steht, der macht mit einem reinhören Grundlegend nichts verkehrt. Ob das Ganze am Ende auch den Preis von (ziemlich deftigen) 8 Euronen rechtfertigt dürfte euer Gehörgang euch relativ schnell zuflüstern.

Scans & Texte von Sarah Kreuz


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