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Das Interview wurde am 19.3.2005 geführt.

Steckbrief
Name: Manfred Kleimann   Alter: 49
Karriere: Dipl-Ing., Ausbildung zum Journalisten, Chefredakteur ASM, Product Manager bei Konami.


?: Fangen wir mal von ganz vorne an: Was hast du vor der ASM gemacht?
mk: Eine ganze Menge. Viel dummes Zeug (Bundeswehrdienst, Studium zum Dipl-Ing. für Stadt- und Landschaftsplanung). Gute Dinge (Abitur, Redaktionsvolontariat, "Erfinder" und Chefredakteur der ASM). Des weiteren schwärmte ich früher für schöne Frauen, Autos - aber: lassen wir das! Ich muß gestehen, daß ich dieses Interview nach ein paar kleinen Drinks leicht "alkoholisiert" geführt habe…
?: Wie ist das Konzept der ASM entstanden, und war es schwer den Verlag davon zu überzeugen? Waren andere europäische Magazine ein Vorbild der ASM?
mk: Oh, das war sehr, sehr schwierig. Der Verlag glaubte nicht an die Möglichkeit, wie in der Musikbranche (New Musical Express, Sounds, etc.), Rezensionen über das "Medium" Computerspiele entsprechende Bewertungskriterien abzuliefern. Die C&VG aus England habe ich immer bewundert, aber als "VorBILD" habe ich sie nicht angesehen.
?: Musst du schmunzeln, wenn du an den Kleinanzeigen-Teil der ASM denkst (only da newest stuff, dial 0761/...), gerade in Anbetracht der allgemeinen Hysterie der Industrie heutzutage?
mk: Nein, schmunzeln würde ich nicht sagen … Der Kleinanzeigenteil war für mich fast immer wichtiger als die 1/1-Seiten der Software-Distributoren. Es gab halt immer etwas für die sogenannte "Provinz"; Vorläufer von "Amazon", die gerade die User (meist günstig) beliefern konnten, wo es keine Großstadt und auch keine Kaufhofs, Herties & Co. gab.
?: Hast du die Happy Computer bzw. die spätere Power Play immer als Konkurrenz gesehen?
mk: Ein klares NEIN. Denn: Von Konkurrenz kann man lernen. Und welche Qualität diese damals abgeliefert haben, war teilweise kindisch-naiv und auf Effekthascherei aus. Wir, die ASM, waren, so glaube ich heute noch, mehr an den Erhalt der Leserschaft und nicht an der Masse der Anzeigen interessiert. Sorry, aber das ist meine ehrliche Ansicht…
?: Du hast den Verlag ja nicht in Freundschaft verlassen. Wie denkst du heute darüber?
mk: Vielleicht hätte ich die Flinte nicht sofort ins Korn werfen sollen. Aber ich wurde durch massive "Grabenkämpfe" innerhalb der Redaktion ziemlich entnervt. Wenn einem einige "Gefolgsleute" von damals den Rücken kehren und nur auf einen Karrieresprung aus sind, dann hat man die Lust am Weitermachen verloren. Ich muß zugeben, daß auch ich meine Fehler gemacht habe, aber der "Geist der ersten Stunde" war 1990 schon fast dahin; die innovative "Reserve" aufgebraucht.
?: Was für Jobs hattest du nach der ASM, und als was arbeitest du heute?
mk: Ich wurde von Konami abgeworben und begann mein neues Betätigungsfeld "auf der anderen Seite der Branche" als Product Manager. Dort in Frankfurt habe ich sehr viel von Kuschke, Tetsu & Co. gelernt. Heute betätige ich mich als freier Journalist und übersetze Handbücher, On-Screen-Texte und Speech für Computer- und Videogames.
?: Was denkst du über den Werdegang bzw. Niedergang der ASM?
mk: Den ersten Knacks erlebte die ASM, als meine "Lieblings-Redakteurin", Martina Strack, in den späten 80ern zu "Ariolasoft" nach Gütersloh (später und heute noch "Selling Points") wechselte. Die „Dame der Redaktion“ hatte eine große Lücke hinterlassen. Ein paar Jahre später bestand die Redaktion, nach dem "Untergang" des Crede-Tronic-Verlags, aus einer bunten Mischung aus erfahrenen und naiven Redakteuren. Letztere gewannen erstaunlicherweise die Oberhand, da sie der neuen Verlagsführung unter "Niederlage und Reitersmann" (Namen v. mir geändert) sehr gefügig wurden. Sei’s drum: Qualität, Durchsetzungsvermögen und kritisches Auftreten dem Verlagsherrn gegenüber war nicht mehr vorhanden…
?: Was war dein erster Gedanke, als die ASM zum "Spaß-Magazin" wurde?
mk: Die ASM - ein "Trauerspiel"… Schade, daß so etwas nach einer hervorragenden Entwicklungszeit herauskommen mußte…
?: Hast Du noch Kontakt zu alten Redaktions-Kollegen?
mk: Die habe ich in der Tat. Klaus (Cruiser) Segel ist der Mitwirkende, mit dem ich noch heute guten Kontakt pflege. Des weiteren habe ich noch ein hervorragendes Verhältnis zu Eva (Anglophile) Hoogh und Martina Strack (Selling Points). Leider habe ich einige Leute, die ich für sehr talentiert halte (Peter Braun, Guido Alt und Michael Suck), aus den Augen verloren. Auch mit Bernd Zimmermann, einem langjährigen Weggefährten, hätte ich gern noch ein paar Worte gewechselt…
?: An welche/n Test/s kannst du dich noch gut erinnern, und welches Spiel hat dich damals am meisten aufgeregt?
mk: Nun, es gab, wie man sich vorstellen kann Tausende von Tests. Aber: Gut erinnern kann ich mich eigentlich an Little Computer People (Vorläufer der Sims oder Singles), Winter Games und Robin of Sherwood. Am meisten aufgeregt hat mich der Test zum Adventure A Personal Nightmare (Horrorsoft; Amiga und ST), da Bernd und ich quasi als Lead-Tester einer bereits veröffentlichten Version im Laufe der Ermittlungen noch zahlreiche Bugs fanden und diese den Programmierern mitteilten…
?: Welches System war damals dein Liebling, und welche besitzt du heute noch? Benutzt du diese noch, und wenn ja, wie oft?
mk: Ich habe immer den Atari ST und die PC-Engine geschätzt. Noch heute zocke ich gern mit der japanischen Antik-Klasse-Konsole…
?: Was waren/sind deine Lieblingsspiele?
mk: Bomb Jack, Summer Games, Winter Games, Galaga 88, Simon the Sorcerer und id.
?: Was hältst du von Emulation? Spielst du sogar ab und zu mit einem Emulator?
mk: Sorry, aber damit habe ich keine Erfahrung. Halte aber den Emulator-Gedanken für Fans der "alten Rechner" für einen guten…
?: Wie beurteilst du den derzeitigen Zeitschriften- und Spielemarkt?
mk: Um’s kurz zu machen: Ich möchte nur ungern die Macher der Mags der Neuen Generation nach ASM mit ebensolcher oder Power Play vergleichen. Zu unterschiedlich ist die momentane Ausgangslage. Aber: Vielleicht nur so viel: Manches ist halt eben nur flüchtig erdacht und schlecht gemacht…
?: Was müsste geschehen, damit die heutigen Spiele auch wieder "kultig" werden können?
mk: Bei den Games ist es wie bei der Musik. Es gibt einfach keine innovativen, "zündenden" Ideen mehr. Vieles wird einfach nur kopiert oder ge-covered!
?: Wie denkst du über den Unterschied zwischen den Computerzeiten damals und heute? Bist du retro?
mk: Darauf versuchen, eine Antwort zu geben, ist nicht einfach. Das bedürfe einer Doktorarbeit…

Aber: Damals waren die Programmierer bestrebt, etwas Künstlerisches zu erarbeiten; heute dagegen geht es nur noch darum, die Technik voll auszureizen und Titel zu kreieren, die es bis zum Kino-Status zu bringen.

Bin ich retro? Nun, auch ich lebe gern in der Vergangenheit. Es ist schön, sich an der Historie zu ergötzen. "Ach, was waren das noch Zeiten…!" Dieses Zitat kannte ich schon von meiner Mutter oder Oma. Aus der Vergangenheit kann man lernen, um Positives in der Gegenwart oder Zukunft zu erarbeiten oder zu verbessern. Dennoch sollte man stets den Blick nach vorn richten, um nicht die Zukunft zu verschlafen…
?: Wie denkst du über Retro-Fanatiker wie uns? Ist das cool, oder haben wir doch nur alle 'nen Schuss?
mk: Ich finde, es ist wahrlich keine Schande, Fan von einem bestimmten "System" zu sein. Denn: Ein Fußball-Fan von Fortuna Düsseldorf oder dem KSV Hessen Kassel hängt immer noch mit all seinem Herzblut an seinem Verein, obwohl nun Werder, die Bayern oder der VfB in der Champions League spielen. Ich habe volles Verständnis und finde das eher cool!!!
?: Ist dir manchmal bewusst, dass du die erste Generation der Computernutzer geprägt hast und sich heute noch Leute an dich erinnern?
mk: Ich muß sagen, ich finde es toll, daß ich noch zwei bis drei Mails von ehemaligen Fans der ASM erhalte. Gut, es sind im Laufe der Zeit weniger geworden, die mich "anhauen" (seit 1996). Aber ich bin mächtig stolz darauf, daß sehr viele Leser mich immer noch kennen und Kontakt zu mir aufnehmen. Mir ist bewußt, daß ich und meine Redaktion gute Arbeit geleistet haben muß. Vielen Dank hiermit an meine Fans!
?: Hast du etwas von den Gerüchten um deinen Verbleib (u.a. deines eigenen vermeintlichen Ablebens) gehört, und was sagst du dazu? [Achtung Ironie!]Hast du sie womöglich selbst gestreut, um Ruhe zu haben?[/Achtung Ironie!]
mk: Ich bin bestürzt! Wer hat denn so etwas in die Welt gesetzt? Und: Wer hat denn überhaupt Interesse daran, mich für tot zu erklären? Ich empfinde dies für eine Geschmacklosigkeit! Ich bin doch erst 49 und beabsichtige, noch einige Jahre weiter im Geschäft zu bleiben. Aber, wie heißt es so schön: "Totgesagte leben länger!"

So, nun noch ein Gläschen Shiraz, damit die Welt wieder etwas besser aussieht. Und einen Toast auf EUCH, die Ihr hervorragende Arbeit leistet!

Cheerio for now, Euer Manni
?: Danke für das Interview Manni, ich wünsche dir noch viel Erfolg in deinen weiteren Leben.


Interviewer war Kultboy. Das Copyright des Interviews unterliegt Kultboy sowie Manfred Kleimann,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
User-Kommentare: (98)Seiten: [1] 2 3 4 5   »
23.10.2012, 19:57 kultboy [Admin] (10736 
Manni schrieb am 23.10.2012, 19:26:
Hi!
... würde wahrscheinlich zur heutigen Zeit die Interview-Fragen etwas anders beantworten. Der Zahn der Zeit ... Trotzdem vielen Dank für Eure positiven Kommentare!

Manni
Wenn es deine Zeit und natürlich Lust zulässt wäre ich auch dafür das wir ein zweites Interview führen. Nicht die selben fragen, sondern andere. Da gebe es sicher noch zig Fragen...
23.10.2012, 19:43 gamersince1984 (289 
Ja, das weiß ich. Mußte nur letztens an die Barbarian-Indizierung denken und die Parodie darüber, die in der ASM stand.
23.10.2012, 19:38 Retro-Nerd (9997 
Schon komisch, daß heute nach und nach alle Spiele vom Index verschwinden, über die damals geschrieben wurde.


Das ist gesetzlich geregelt. Nach 25 Jahren verschwinden indizierte Spiele automatisch vom Index.
23.10.2012, 19:38 Herr Planetfall [Mod] (3860 
Manni, wie wär's denn einfach mit nem zweiten Interview?
23.10.2012, 19:35 gamersince1984 (289 
Danke für die tollen Jahre, habe noch alle Hefte und lese sie heute noch sehr gerne. Die Leserbriefe waren auch immer sehr unterhaltsam. Schon komisch, daß heute nach und nach alle Spiele vom Index verschwinden, über die damals geschrieben wurde. Was den heutigen Zeitschriften fehlt, ist ein Magazin mit Herz, wie die ASM es war.
23.10.2012, 19:26 Manni [Ehrenmitglied] (25 
Hi!
... würde wahrscheinlich zur heutigen Zeit die Interview-Fragen etwas anders beantworten. Der Zahn der Zeit ... Trotzdem vielen Dank für Eure positiven Kommentare!

Manni
19.03.2011, 12:24 Sanxion (104 
super Interview, danke, der Mann hat Humor !
21.07.2010, 11:28 Teddy9569 (1548 
Auch hier würden mich die Details, die seinen Weggang bedingten schon interessieren. Letztendlich ist ja alles historisch und es müsste sich ja niemand angepisst fühlen.
20.08.2009, 21:02 lslarry00 (110 
Ach ja, der gute Manni.

Nie werde ich die furchtbaren Fotos von ihm vergessen wenn man die ASM aufgeschlagen hatte. Ne zeitlang hatte ich die Befürchtung, dass er irgendwo gefangengehalten und so gezwungen wird, die ASM zu machen, so schlecht sah er manchmal aus...
Aber vielen Dank für das Interview.
06.02.2009, 08:45 Herr Planetfall [Mod] (3860 
Zumindest ist "kindisch-naive Qualität" etwas, was man nach der Lektüre einiger alter ASM-Artikel auch der ASM ankreiden kann. Sollte er mit "Effekthascherei" das teilweise häßliche Layout im Inneren der Power Play gemeint haben, hat er recht. Ob die Power Play mehr Anzeigen als die ASM hatte, kann ich nicht beurteilen.

Jedenfalls ist solche Kritik im Nachhinein müßig, ein Blick in unsere Magazin-Rubrik zeigt ja, daß damals alle nur ASM und Power Play lasen und mochten, und dann erst kam der Rest. Die damaligen Redakteure beider Magazine haben schon ihre Meriten. Pioniere waren sie allemal.
06.02.2009, 00:49 asc (2207 
"er weiß sicher besser als wir alle, was sich damals eventuell im Hintergrund abgespielt hat."

WAS? Früher haben sich alle doch geliebt...
06.02.2009, 00:43 108 Sterne (648 
Ganz ehrlich gesagt glaube ich, ohne die PP je gelesen zu haben, das Manfred durchaus seine Gründe hat. Ich weiß aus Erfahrung, wie geschickt es manche verstehen, eine Feindseligkeit öffentlich zu verbergen aber im Hintergrund seh skrupellos vorzugehen. Wenn er sich etwas feindselig anhört, dann ist das sein gutes Recht; er weiß sicher besser als wir alle, was sich damals eventuell im Hintergrund abgespielt hat.
05.02.2009, 23:15 MrMetapher (68 
Treffend finde ich den Kommentar von
27.08.2008, 10:51 Gast
Mich wundert auch, wie abfällig sich Herr Kleimann über die Power Play noch heute äußerst. Damit möchte ich weder seine Leistung für den Spielejournalismus bestreiten, noch bestreiten, dass er eine freundliche Person ist. Aber es wundert mich doch etwas. Die Power Play und Asm waren BEIDE damals großartige Spielemagazine.
26.10.2008, 12:29 M@rlon (1 
Ja Ja Ja... die gute alte ASM.. ich glaube ich werd heute mal wieder auf den Speicher graxeln....
11.09.2008, 16:26 joystickhero (1 
Hallo Herr Kleinmann!

Meine Bewertung für die ASM und die Arbeit der Redakteure,

Absoluter Super Hit, 12 Punkte!

und 1 herzliches Dankeschön für die vielen Unterhaltsamen Stunden die Ihr mit eurem Magazin geschenkt habt!!

Matthias
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