So, und hier ist dann wirklich VIEL meiner Zeit für draufgegangen. Komischerweise hatte ich damals, also 2004/05 zwar das Erscheinen zumindest des Grundspiels mehr oder weniger aufmerksam verfolgt, aber trotz des Umstands, dass ich ganz frisch den Geschichts-Leistungskurs meines Jahrgangs belegte, das erste Thema sogleich mal die Entwicklung des Frankenreichs parallel zum Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Gallien war und ich auch eine CD-ROM-Enzyklopädie (Brockhaus, nicht Encarta!

) mit großem Interesse nach den Lebensdaten der letzten zwei dutzend römischen Kaiser nach Konstantin I. durchforstet hatte, bin ich einfach nicht auf "Barbarian Invasion" aufmerksam geworden. Tja, absolut unerklärlich - das wäre schon damals genau mein Spiel gewesen.
Gut, als ich dann 2012 irgendwann doch die Gold-Edition ranschaffte (und das eigentlich nur, weil die akkurat für "Knights Of Honor" - und jetzt weiß ich dann doch, warum mir "Barbarian Invasion" damals schlichtweg durchgerutscht ist... - ummgesetzte IBFD-Mod doch eher absturzträchtig war), korrigierte sich das dann. Die Vanilla-Version der Erweiterung war auch hier nur der Appetithappen bzw. das bessere Tutorial für den auch hier mit Modifikationen wie der schon qua Abkürzung erwähnten "Invasio Barbarorum"-Reihe, von denen ich dann insbesondere die Teile "
Flagellvm Dei" und "
Rvina Romae" von vorne bis hinten durchbekommen hatte.
Größtes Erlebnis überhaupt: In ersterem Teil West-Rom spielen und die Krisen schlechthin abarbeiten: Die Westgoten stehen in Italien, die Wandalen in Hispanien, die Franken in Niedergermanien, in Gallien hat sich das Imperium Constantini selbstständig gemacht, Geld hat man keines, die Truppen sind im ganzen Reich verstreut und in jeder zweiten Stadt kocht die Stimmung des Plebs vor Unzufriedenheit. Was tun? Nicht verzweifeln! Das Vorgehen hier erforderte vor allem Geduld und Opferbereitschaft. Eine ganze Reihe Provinzen verliert man ohnehin, aber mit Geld, das für den Abriss von städtischen Gebäuden bekommt, kann man zumindest den Rest noch halten... und unzufriedene Städte lässt man auch rebellieren, nur um sie danach zurückzuerobern und die Bevölkerung weitgehend auszulöschen, auf dass ein paar zufriedenere Bürger überbleiben mögen und die Stadt selber wieder grüne statt rote Zahlen schreibt. Klingt hart, aber ansonsten käme man hier nur mit Schummeln weiter.
Diese Partie lief danach aber auch sonst lustig. Mit dem stabilisierten Rest wurden dann nach und nach die eingangs genannten Germanenstämme geplättet, Gallien zurückerobert und dann etwas Aufbauarbeit betrieben. Irgendwann gab's dann aber überraschenderweise Krieg gegen Ostrom - noch so eine ganz dicke, bittere Pille. Somit ging's also an die gewaltsame Reichseinigung... nur um in Kleinasien dann auf die Sassaniden zu stoßen, den härtesten Gegner im ganzen Spiel. Tja, man wird hier einfach nicht müde.

Und irgendwann, so um 600 n.Chr., ist dann doch wieder alles gut.
Was gab's noch zu sagen? Interessanterweise ist hier gerade die Provinzverwaltung viel komplexer als im Grundspiel. Durch Religion kommt noch ein ganz anderer Faktor rein, der für Spannungen und Konflikte sorgen kann. Andererseits ermöglichen einige weitere Gebäude ein besseres Bevölkerungswachstum und größere Produktion... bis dann irgendwann aber alles kippt, weil bei Überbevölkerung alle schnell wieder seeeehr unzufrieden werden. Hier muss also immer balanciert werden.
Krieg führen ist hier auch kein Selbstläufer mehr. Die schon erwähnten Sassaniden sind mit ihren schwer zu knackenden, dafür aber massenhaft eingesetzten Saravan-Panzerreitern eine echte Plage, die Hunnen sind mit ihren leichten berittenen Bogenschützen ebenfalls die geborenen Rusher, und gegen die Horden an germanischen Schwert-, Axt- und Speerkämpfern sollte man sich als Römer auch lieber nur mit besseren Truppen als Auxilia und gewiefteren Taktiken als dem Frontalangriff blicken lassen. Kurzum: Ein kniffliges, forderndes und historisch höchst interessantes Spiel. Immer wieder gerne, und zwar lang und intensiv.
Ansonsten gibt's eigentlich nur einen kleinen Wermutstropfen: Diplomatie kommt hier immer zu kurz. Wer einmal mit wem im Krieg ist, bleibt das auch bis zum bitteren Ende. Friedensangebote? Pah, ihr seid doch unwürdig, wir gehen lieber unter.

Lustiger dagegen waren diverse Bugs: In irgendeiner Partie (vielleicht der oben genannten? Ich weiß es nicht mehr...) ist mein Fraktions-Anführer einfach nicht gestorben und hat am Ende, bis er dann in irgendeiner Schlacht unvorsichtigerweise geopfert wurde, über 100 Jahre lang geherrscht.

Ein netter Game-Breaker, den ich in diesem Umfeld aber als "nur gerecht" werten würde, waren dagegen die Onager, die mit ihrer Brandmunition dutzende dicht gedrängte Gegner auf einmal erledigen konnte. Hiermit war's dann eine ganz brauchbare Strategie, die Sassaniden an den Brücken über Halys, Orontes, Euphrat & Co. jeweils mit ein paar Batterien davon zu empfangen und die Saravan dann auf und vor den Brücken selber dann zusammezuschießen, während ein paar wackere Legionskohorten das diesseitige Ende jeweils abriegelten.