Ist doch so ähnlich wie mit den Filmen von
Quentin Tarantino: Allesamt brutal, trotzdem von der Fachpresse umjubelt, nicht selten bereits ab 16 Jahren freigegeben, da Prädikat:
"Besonders empfehlenswert". Ob jene Filme nun anspruchsvolle Unterhaltung, Kult oder vielleicht doch nur übelste Gewaltorgien ohne jeglichen intellektuellen Nährwert darstellen, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: Würde ein anderer, nicht so gefeierter Regisseur solch ein Werk abliefern, sähe es in Sachen breiter Akzeptanz von Seiten der Kritiker und dem Publikum wohl anders aus.
"Grand Theft Auto" ist mittlerweile zum Massenphänomen herangereift, garantiert Bestnoten und Spitzenabsätze, was gibt es da noch groß zu sagen? Würde sich ein Magazin wirklich erlauben, einen Titel dieser Reihe aufgrund seiner Brutalität schlechtzureden; die Auflage wäre spätestens bei der nächsten Ausgabe im Keller! Es geht nicht etwa darum, ob hier gewisse Toleranzgrenzen überschritten werden - über solcherlei "Kleinigkeiten" ist "GTA" schon längst hinausgewachsen - es geht nur noch ums große Ganze, sprich: ums Endprodukt, und ob es ein weiteres Mal die hochgesteckten Erwartungen erfüllen oder gar übertreffen kann.
Würde das nächste "Grand Theft Auto" sich die momentanen Rassenunruhen in den USA zu eigen machen, und man würde unter anderem in die Haut eines Schwarzen schlüpfen, der Jagd auf weiße Polizisten macht bzw. der umgekehrte Fall - klar, ohne Zweifel würde ein Aufschrei des Entsetzens durch die Menge gehen! Trotzdem, zu einer Indizierung oder gar zu einem Verkaufsstopp würde es bestimmt nicht führen, da bin ich mir ziemlich sicher. Ist halt genauso, wie mit der Folterszene aus Teil 5:
"Widerlich, wie könnt ihr nur? Schämt euch!" Und doch, gespielt hat man sie trotzdem, man will ja schließlich weiterkommen - also, Augen zu (oder auch nicht) und durch...
Für gewisse Personen bzw. Firmen aus dem Film- und Spiele-Business gelten bestimmte Regeln, oder besser gesagt Tabus, eben nicht länger. Sie sind zu gewichtig für die Industrie, genießen ein zu hohes Ansehen und spülen viel zu viel Geld in die Kassen, als dass man sie allen Ernstes in Verruf bringen würde...
Dass man sich hin und wieder ein schwarzes Schaf wie "Hatred" herauspickt, um einmal mehr mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln, ist doch lediglich die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Allein schon der Name des Spiels qualifiziert es geradezu dafür, einen mehr als würdigen Sündenbock abzugeben, an dem sich die Presse ausgiebig weiden kann. Fest steht: Sowohl in diesem Game wie auch in "Grand Theft Auto" wird die Brutalität regelrecht zelebriert, nur die Art und Weise, oder besser gesagt: die Inszenierung, wird bei der Rockstar-Produktion um ein Vielfaches anspruchsvoller (man könnte auch sagen, verführerischer) präsentiert!
...womit wir wieder bei
Mr. Tarantino wären: Dem steht mittlerweile ein Millionen-Dollar-Budget zur Verfügung, um seine Werke entsprechend kunstvoll auszuschmücken bzw. die jeweiligen Rollen mit einer berühmten und vor allem talentierten Schauspielerriege zu besetzen. Und natürlich ist auch sein mittlerweile fast schon legendäres Ansehen, welches er genießt, nicht zu verachten. Es dürfte wohl nur sehr wenige Hollywoodstars geben, die nicht in einem seiner Filme mitspielen wollten. Bei Filmen aus der Feder eines
Sylvester Stallone sieht es wahrscheinlich ein bisschen anders aus: Die "The Expandables"-Trilogie setzt sich zu einem großen Teil aus längst abgehalferten Ex-Stars zusammen, die nur allzu gern dazu bereit waren, mal wieder in einer vergleichsweise großen Produktion mitzuspielen. Innerhalb dieses "elitären" Kreises konnte sich
Mr. Stallone die Rosinen freilich herauspicken; Schauspieler (also richtige) vom Schlage eines
Samuel L. Jackson,
Jamie Fox oder
Christoph Walz hätte er wohl kaum für sich gewinnen können. Na ja, und was den guten
Mr. Gibson angeht: Wirklich schade, ihn in einem solchen Streifen zu sehen, obgleich es gerade ihm und seinen immer noch witzigen Sprüchen zu verdanken ist, dass "Expendables 3" nicht zum völligen Totalausfall degeneriert ist...
Trotzdem, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass jene Filmreihe ebenfalls so einiges gekostet hat und alles andere als ein Flop an den Kinokassen darstellte! Dennoch, ein künstlerisches Ansehen dürfte die Serie wohl kaum genießen, was wiederum dazu führt, dass jene Filme eben nicht eine ab 16-Freigabe erlangten und von bestimmt nicht wenigen als
"tumbe Unterhaltung der untersten Schublade" aufgefasst werden. Ein
Sylvester Stallone ist nun mal kein zweiter
Tarantino, die - wenn auch prominente - Besetzung kein besonders talentierter Cast (zumindest schauspielerisch) und die Handlung auf Vorschulniveau. Und für einen solchen Film geht das auch völlig in Ordnung! Trotzdem, allgemein betrachtet sind
Stallone-Produktionen in erster Linie
"Dumme Jungen"-Streifen, wohingegen "Pulp Fiction", "Kill Bill" und "Django Unchained" als wahre Meisterwerke durchgehen. Eben so verhält es sich auch mit der "Grand Theft Auto"-Reihe: Einmal König, immer König - und der kann bekanntlich tun und lassen was er will!
Kommentar wurde am 12.07.2016, 20:55 von Bren McGuire editiert.