Pariah, was´n Rotz. Auf dem PC schnurrte der Hype um dieses Spiel schneller zusammen als ein Wachturm einstürzen kann. Ja, per sprengfreudiger Munition kann man Gebäude ein wenig umformen. Ein wenig, weil es freilich nur an wenigen und extra dafür hingestellten Türmen überhaupt geht. Ein fauler Kompromiss aus Balance und Showeffekt: zum einen sieht es schon beeindruckend aus, zu anderen könnte man sich bei generell zerstörbarer Architektur einfach durchs Level bomben und das schöne Leveldesign ginge vor die Hunde. Der Showeffekt wirkt sowieso freilich nur die erste zweidrei Male, danach kennt man das Gerumpel und spart sich die Knallpengmunition lieber für die Gegner auf... Von denen gibt es übrigens auch viel zu wenig Klassen, über weite Strecken ballert man die ewig selben Typen um. Und dann diese doofe Autofahrerei! Per se natürlich klasse, aber nicht mit dieser Steuerung: Richtung und Püsterich sind eins, nix mit WASD für die Karre und Maus für die Knarre. Außerdem erinnern die Fahrsequenzen an Railshooter, da es keine offene Welt gibt und die Gegner ausschließlich geskriptet auftauchen. Immerhin funktioniert Pariah als Shooter ganz gut, die Ballereien machen eine Weile satt und zufrieden, auch wenn dem Spiel sogar trotz seiner kurzen Laufzeit die Abwechslungspuste ausgeht. Okay, man kann seine Wummen aufrüsten und der Herr Doktor hat auch immer eine Heilspritze dabei, mittels derer er Lebenspunkte unabhängig von sofort wirkenden Medipacks bekommen kann, ihn dafür aber für Sekunden quasi schackmatt setzt. Und warum tut man sich das alles an? Für eine völlig banal erzählte Geschichte. Junge Frau mit bösem Virus im Blut rennt dauernd weg und der Held hinterher. Schließlich ist er Arzt und will zum einen die Dame wenn möglich retten, zum anderen die Menschheit eben genau vor diesem hübschen Infektionsherd schützen. Die vermeintlich Guten im Spiel wollen aber mit einem Atomschlag Tabula Rasa machen und das ganze Gebiet, äh, säubern und die Bösen wollen sowieso Rache an allem und jedem nehmen und erzählt ist das Ganze viel zu wirr und bruchstückhaft. Die Story hat eigentlich Potenzial, doch das wird von den Entwicklern fast komplett verschenkt. Und jetzt wird es besonders schmerzlich, denn der Entwickler von Pariah ist niemand anderes als Digital Extremes, der 1998 mit
Unreal einen Meilenstein der Spielegeschichte setzte. Nur ein Jahr vor Pariah baute Digital Extremes das über alle Zweifel erhabene
Unreal Tournament 2004, ab Pariah aber begann der Absturz des Studios in die Mittelmäßigkeit, beispielsweise mit dem irgendwie sinnlosen
Star Trek.
Zurück zu Pariah, ich muss es ja noch bewerten! Fünf Sterne. Die Optik kann sich dank der Unreal Engine 2,5 (Warfare) noch sehen lassen und rumballern kann man ordentlich und Waffenverbesserungen sind immer gut und im Original spritzt auch ordentlich Blut. Von einem Meilenstein wie Unreal ist Pariah aber, haha, meilenweit entfernt. Gab´s das eigentlich je im Budget? Oder kriegt man es heute noch irgendwo für Geld? Wenn es das korrekte MyAbandonware auf Lager
hat, sicherlich nicht. Auf GOG wünschen es sich rund 800 Leute, das sagt ja wohl alles.
Kommentar wurde am 23.09.2024, 22:33 von Bearcat editiert.