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Das Interview wurde am 07.07.2014 veröffentlicht.

Steckbrief
Name: Mick Schnelle
Alter: 50 Jahre
Karriere: Spieletester, Übersetzer, Lektor


?: Hallo Mick. Fangen wir doch mal bei deinen Ursprüngen an. Wie kam es zu deiner Karriere im Spieletester-Business?
ms: Nach meinem Chemiestudium hatte ich wenig Lust mir in der chemischen Industrie oder gar Forschung (brrrr....) einen seriösen Job zu suchen. Nein, ich wollte Spieletester werden. Ohne allzu große Hoffnung schrieb ich mehrere Bewerbungen an die großen Magazine. Zu meinem Erstaunen bekam ich binnen weniger Tage gleich zwei Rückmeldungen. Die Video Games lud mich zu einem Gespräch ein. Noch fixer war Michael Labiner vom Joker Verlag. Der bot mir per Telefon direkt einen Job an. Und so saß ich bereits einen Monat später, am 3. Mai 1993, im Joker Verlag. Dort arbeiteten wir gleich an drei Magazinen (PC Joker, Amiga Joker, Megablast) und einem Sonderheft parallel. Vom ersten Tag an wurde ich von Kollegen und Chef sehr herzlich aufgenommen, ich hatte Spaß an der Arbeit und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Habe diesen Schritt nie bereut.
?: Man findet Beiträge von dir in der aktuellen, deutschen Retro-Gamer-Ausgabe und auch für die Website „GamersGlobal“, schreibst du ab und an einen Artikel. Welche anderen Projekte, hast du aktuell am Start?
ms: Ich arbeite nach wie vor als Übersetzer. So habe ich z. B. für eine große deutsche Kinoproduktion das Drehbuch ins Englische übertragen. Daneben bearbeite und lektoriere ich Texte für verschiedene Agenturen, allerdings außerhalb der Spielebranche. Und nach wie vor begutachte ich Spiele, die sich in der Entwicklung befinden. Und dann noch so dies und das, über das ich leider nix verraten darf.
?: Auf welchem System, begann deine Spiele-Leidenschaft?
ms: Alles begann 1978 mit einem klassischen Telespiel von Universum. Da waren fünf Spiele drauf. Drei Pong-Varianten und zwei Schießspiele, für die sogar ein Lichtgewehr beilag. Das sah ziemlich cool aus, weil man es wie ein Scharfschützengewehr zerlegen konnte.
?: Erinnerst du dich noch, welches der erste, von dir verfasste Test war?
ms: Klar, das war der Space Hulk-Test für den PC Joker auf dem PC. Meine 50+ Wertung brachte uns dann auch gleich einen Bemusterungsstopp ein. Und das gleich in meiner ersten Woche.
?: Was waren die skurrilsten Ereignisse, die du mit deiner Zeit als Redakteur verbindest?
ms: Hmmm... das Meiste kann ich echt nicht erzählen. Chefredakteure, die auf dem Rücken liegend hilfloser Käfer gespielt haben. Kollegen, die Brennpaste mit scharfer Chillisauce verwechselt haben. Oder das Schmelzinferno, als jemand, dessen prominenten Namen ich mal nicht erwähne, versuchte, Tütensuppe ohne Wasser zu erhitzen...
?: Wenn ich mich recht erinnere, hast du dich in deiner Redakteurszeit bei mehreren Gelegenheiten als Simulations-Fan geoutet. Wie geht man als solcher, mit den aktuell äußerst mageren Zeiten um?
ms: Ganz einfach: Man spielt die Klassiker wie Falcon 4.0 oder die ganzen Microprosesimulationen und hofft auf bessere Zeiten.
?: Dein offener Brief an den Kollegen Christian Schmidt, (ehemals Gamestar), betreffs seiner Kritik an der heutigen Generation der Spieletester im Allgemeinen, vom September 2011, hat im Netz ja recht große Wellen geschlagen. Hast du mit Christian danach noch einmal persönlich gesprochen und wenn ja, wie steht er zu seinen damals getätigten Aussagen ?
ms: Leider habe ich Christian nicht mehr getroffen. Das liegt schlicht und einfach daran, dass sich unsere Wege seitdem nicht mehr gekreuzt haben.
?: Hat dich eigentlich schon einmal eine Festanstellung auf der anderen Seite der Videospiel-Branche gelockt? Einige ehemalige Kollegen sind diesen Weg ja gegangen.
ms: Nein, absolut nicht. Das ist eine völlig andere Arbeit mit völlig anderen Anforderungen und würde mir keinen Spaß machen. Ich liebe mein Freiberuflerdasein, weil ich so immer das letzte Wort habe. :-)
?: In den Bereichen Belletristik und Fachliteratur, bist du ja schon mehrfach als Übersetzer in Erscheinung getreten. Würde es dich locken, eine Übersetzung für ein Videospiel anzufertigen? Ist man da schon einmal damit an dich herangetreten und wie denkst du überhaupt über das allgemeine Niveau von Spiele-Lokalisierungen in unserer Zeit?
ms: Theoretisch ja. Aber nur, wenn ich ausreichend Zeit bekäme gute Arbeit abzuliefern. Oft kennen die Übersetzer bei PC- und Videospielen nicht den ganzen Text, sondern immer nur Teile. Und die ändern sich auch gern mal. Sehr häufig ist auch der Zusammenhang nicht klar. So mag ich nicht arbeiten. Bei Romanen oder Drehbüchern lese ich immer erst den ganzen Text, bevor ich mich an die Übersetzung mache. Schließlich wird manches erst dann klar, wenn man das Ganze kennt.
?: Wie hast du den Wechsel vom Joker zur PC-Player erlebt? Wie unterschiedlich waren die Arbeitsbedingungen?
ms: Ach, das verlief eigentlich ganz harmonisch. Hüben wie drüben gabs nette Kollegen. Bei der Player war die technische Ausstattung allerdings deutlich besser. Wir durften sogar ins Internet und hatten ein Netzwerk. Und endlich durfte ich regelmäßig auf Entwicklerbesuch und auf Messen. Einziger Nachteil: mein schönes großes Eckbüro musste ich bei der Player gegen eine enge Klosterzelle eintauschen mit Serverraum im Rücken.
?: Das Horror-Adventure Phantasmagoria, hast du damals im Vergleich zu anderen, deutschen Redakteuren, mit 88% recht positiv bewertet. Kamen eigentlich manchmal nachträgliche Kommentare, von der Chef-Redaktion, wenn die Wertung eines Spieles weit ober- oder unterhalb der der anderen Publikationen lag, oder hat man eher nicht auf die Konkurrenz geschielt?
ms: Jede Wertung war stets mit dem jeweiligen Chefredakteur besprochen. Also gabs auch nie Diskussionsbedarf. Und nein, wir haben nie geguckt wie die Mitbewerber gewertet haben.
?: Gibt es irgendwelche Spiele, die du aus heutiger Sicht härter, oder milder bewerten würdest.
ms: Ja, Black & White wäre mit einer 70er Wertung gut bedient gewesen.
?: Stimmt es, daß du schon länger an einem Retro-Buch schreibst? Wenn ja, zu welchem Thema?
ms: Nein, ich erzähle auf Facebook ja schon mal die eine oder andere Anekdote aus der Historie. Aber ein Buch ist derzeit nicht geplant.
?: An welchem Spiel, bist du verzweifelt? Entweder, weil es so unmenschlich schwer, oder so furchtbar grottig war?
ms: An Malkari. Das war ein Strategiespiel für den PC, dessen Sinn und Zweck ich trotz Erklärung durch den Entwickler nicht verstanden habe. Das mitgelieferte Handbuch war auch nicht viel aufschlussreicher. Also habe ich getan, was jeder gute Spieletester gemacht hätte: ich habe es auf einen Kollegen abgewälzt. Getroffen hat es den armen Martin Deppe. Keine Ahnung, was der aus dem Ding gemacht hat.
?: Wie hast du den Untergang der CHIP-Powerplay erlebt? Wirst du an Heinrich Lenhardts „Power-Play-Digital“ - Projekt beteiligt sein?
ms: Das Ende kam schnell und schnörkellos in einer Mail von Heinrich. Wir waren alle schon sehr früh darüber informiert. Schade, um das schöne Heftkonzept, ich habe die Mischung aus Neu und Alt sehr gemocht und empfinde es nach wie vor als Ehre dabeigewesen zu sein. Wenn Heinrich uns erneut an die Tastatur ruft, bin ich mit Freuden dabei.
?: Im Rahmen des Spieleveteranen-Podcast, erwähntest du, daß du im Rahmen eines Umzuges alle möglichen, alten Spiele und Hefte loswerden musstest. Bereust du das heute?
ms: Nö!
?: Wird man dich in absehbarer Zeit wieder einmal als Gast des Spieleveteranen-Podcast zu hören, oder sogar zu sehen bekommen?
ms: Mir hat die Teilnahme am Podcast viel Spaß gemacht, allein schon weil ich mit den lieben Kollegen wild rumplaudern konnte. Habe viel dabei gelacht. Wenn die Herren mich nochmal ertragen, bin ich gern wieder dabei.
?: Zu welchen deiner Kollegen, aus deinen Zeiten, als fest angestellter Redakteur, hast du heute noch Kontakt?
ms: Über Facebook, Telefon und via Mail zu sehr vielen. Persönlicher Kontakt ist deutlich seltener, da wir mittlerweile ja über die ganze Republik samt diverser US- Bundesstaaten plus Kanada verstreut sind. Meinem Bruder Martin sehe ich natürlich regelmäßig.
?: Wie stellt sich die Spielwelt der letzten, sagen wir mal zehn Jahre, in deinen Augen im Vergleich zu der deiner persönlichen Pionier-Zeit dar ? Welche Entwicklungen hast du begrüßt und welche hast du verdammt?
ms: Nun ja, meine „persönliche Pionierzeit" ist tatsächlich schon 20 Jahre her. Die Unterschiede zu damals sind gar nicht mal so groß. Es gibt nach wie vor gute und schlechte Spiele. Wobei früher der Anteil der Komplettausfälle sicherlich größer war. Dafür gibts heute erheblich mehr Mittelfeld, wobei die Zahl der völlig uninteressanten Titel sehr groß ist. Diablo-Klone en masse, Rennspiele, die man weder optisch noch spielerisch kaum unterscheiden kann. Nicht zu vergessen die Flut generischer Free2Play-Spiele. Letztlich ist der Markt aber nach wie vor Wellenbewegungen unterworfen, wobei die Qualität der Spitzentitel mittlerweile überragend ist. Solange mehr Spiele erscheinen als ich durchspielen kann, ist die Welt aber noch okay.
?: Viele Leute in der Spiele-Branche, egal ob Entwickler, oder Journalisten gestehen im Interview, daß sie aus Zeitmangel, abseits der Arbeit nur noch selten zocken. Wie sieht das bei dir aus ? Spielst du vielleicht sogar gerne alte Spiele und wenn ja, auf welchen Plattformen am liebsten?
ms: Ich spiele nach wie vor viel und gern. Und zwar privat, wie beruflich. Ich bin nach wie vor neugierig, beschäftige mich gern auch mit richtig schlechtem Kram. Oder den Klassikern. Darunter ist auch viel altes Zeug. Gern in Versionen auf dem iPad, etwa Baldur's Gate oder Final Fantasy 6.
?: Gibt es ein absolutes Top-Lieblingsspiel der Herzen, für Mick Schnelle?
ms: Ja, Magic Carpet spiele ich nach wie vor regelmäßig. Und einmal pro Jahr Fate of Atlantis auf einem der drei Lösungswege.
?: Wie wird die Zukunft des Print-Mediums, im Spiele-Bereich deiner Meinung nach aussehen ? Besonders mit Blick auf die vielen Internet-Blogs, die das Thema mittlerweile abdecken.
ms: Print hat dann eine Chance, wenn besseres als in irgendwelchen Internetblogs geboten wird. Tests und Reports, die nicht vom Praktikanten aus PR-Propaganda zusammengesetzt werden. So wie wir es mit der Chip Power Play gezeigt haben. Dazu gehört die Einsicht bei den Entscheidungsträgern, dass die Leser das auch haben wollen und keine beigelegten Glasperlen. Müssen die Verlage aber auch wollen.
?: Was denkst du über Retro-Seiten und Fanatiker wie uns? Ist das eine gute Sache oder haben wir alle einen Schuss?
ms: Natürlich habt ihr alle einen Schuß! So, wie ich auch. Und natürlich ist es eine gute Sache, wenn engagierte Leute die Geschichte unserer Branche am Leben halten. Verlage und Spielehersteller sehen sich ja leider nicht in der Verantwortung sich darum zu kümmern. Da ist die Arbeit von euch Enthusiasten wichtig. Ginge es nach mir, würden 50 Cent pro verkauftem Spiel in Projekte wie eures fließen.
?: Kultboy.com bedankt sich im Namen aller Mitglieder für das Interview und wünscht viel Erfolg und Gesundheit für dein weiteres Leben.


Interviewer war Retrofrank. Das Copyright des Interviews unterliegt Retrofrank sowie Mick Schnelle,
eine Kopie hiervon darf nur mit Genehmigung gemacht werden!
User-Kommentare: (99)Seiten: «  1 2 3 [4] 5 6 7   »
12.07.2014, 08:31 forenuser (3094 
Moin Moin!

MickSchnelle schrieb am 09.07.2014, 11:11:
Meinen allerersten Amiga habe ich tatsächlich am ersten Tag im Jokerverlag in die Hände bekommen. Manfred Duy und ich waren immer die Amiga No-Fraktion... ;-)
Mein Computerwerdegang ist Atari 400, C64, Atari ST und dann PC. Manfred Duy und ich waren die einzigen beim Joker,


Au weia...
Statt eines Amiga einen Atari ST besessen zu haben. Ich sehe schon den Lynchmob mit Fakeln und Forken. Die Nennung des VC64 hätte helfen können, wäre da nicht der "Makel" Atari 400.

Mir fleucht, mit dieser Vita sind Ruf und Ansehen bei einigen Mitgliedern auf Talfahrt.
Kommentar wurde am 12.07.2014, 08:32 von forenuser editiert.
12.07.2014, 05:37 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Nr.1 schrieb am 12.07.2014, 00:35:
MickSchnelle schrieb am 11.07.2014, 17:26:
...... Außerdem wollte ich schon immer bei der Entstehung eines neuen Magazins dabeisein. Dann habe ich die Jungs in ihrem schwabinger Keller besucht (der noch weitgehend leer war) und habe mich vom Elan von Jörg & Co. anstecken lassen. Am nächsten Tag habe ich meinen Vertrag unterschrieben.


Auch von mir ein Herzliches Willkommen!

Interessanterweise liest sich das genau so, wie ich es von einigen Deiner Kollegen gelesen habe. Die jedoch beschrieben Ihre Zeit des Aufbruchs in den später 70er und frühen 80er Jahren und die Stimmung die damals herrschte.

Inwieweit unterscheiden sich denn Deiner Meinung nach diese beiden "Epochen" der Computerzeitschriften? Oder sind die Emotionen und Probleme mehr oder weniger gleich?

Kann ich nichts zu sagen, weil ich in der frühen Epoche nicht mit dabei war. GameStar war zu seiner Zeit aber schon ein sehr besonderes Projekt, weil IDG damals als einziger Verlag kräftig investierte, um ein erfolgreiches Heft zu machen. Da war unheimlich viel Energie (und auch Geld) drin. Wir haben am Anfang fast rund um die Uhr gearbeitet und das sogar gern. Unser Ziel: den Rest abhängen!
Kommentar wurde am 12.07.2014, 05:43 von MickSchnelle editiert.
12.07.2014, 05:33 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Nr.1 schrieb am 12.07.2014, 00:28:
Deathrider schrieb am 11.07.2014, 19:24:
Meine Frau (Chemiedoktorandin) wollte wissen, wieso du Chemie studiert hast? Heutzutage kommt man in der Chemiebranche ohne Doktortitel nicht weit. ...


Ist es wirklich so seltsam mittlerweile? Ich als Nichtabiturient und Nichtstudent habe davon offenbar keine Ahnung, denn ich ging davon aus, das fachliche Leistung vor Titel geht. Aber anscheinend ist dies nicht mehr der Fall.

Da kann man ein Virtuose mit dem Erlenmeyerkolben (Jaja, ich habe bei "Breaking Bad" aufgepasst! ) sein und zählt nichts, solange man keinen Dr. vor dem Namen trägt?

HaHaHa, Virtuose mit dem Erlenmeyerkolben. Das hat mit dem Leben eines Chemikers nix zu tun. Die stehen nicht im weißen Kittel rum und mixen buntes Zeug zusammen. In den Naturwissenschaften geht es allein um Leistung. Die Doktorarbeit gehörte da schon immer zu. War nie anders. Egal, ob man in die Uni-Forschung geht,,oder gleich direkt in die Wirtschaft. Der Doktortitel in den Naturwissenschaft ist weniger schmückendes Beiwerk, sondern zusätzlicher Leistungsnachweis. Vor allem, da man nicht eben mal so eine flotte Doktorarbeit „abschreibt". Sowas geht in den Naturwissenschaften kaum bis gar nicht, weil man stets ein neues Thema beackert. Das sind mindestens drei Jahre harter Arbeit. Teilweise sogar noch mehr.
Kommentar wurde am 12.07.2014, 05:41 von MickSchnelle editiert.
12.07.2014, 00:35 Nr.1 (3431 
MickSchnelle schrieb am 11.07.2014, 17:26:
...... Außerdem wollte ich schon immer bei der Entstehung eines neuen Magazins dabeisein. Dann habe ich die Jungs in ihrem schwabinger Keller besucht (der noch weitgehend leer war) und habe mich vom Elan von Jörg & Co. anstecken lassen. Am nächsten Tag habe ich meinen Vertrag unterschrieben.


Auch von mir ein Herzliches Willkommen!

Interessanterweise liest sich das genau so, wie ich es von einigen Deiner Kollegen gelesen habe. Die jedoch beschrieben Ihre Zeit des Aufbruchs in den später 70er und frühen 80er Jahren und die Stimmung die damals herrschte.

Inwieweit unterscheiden sich denn Deiner Meinung nach diese beiden "Epochen" der Computerzeitschriften? Oder sind die Emotionen und Probleme mehr oder weniger gleich?
12.07.2014, 00:28 Nr.1 (3431 
Deathrider schrieb am 11.07.2014, 19:24:
Meine Frau (Chemiedoktorandin) wollte wissen, wieso du Chemie studiert hast? Heutzutage kommt man in der Chemiebranche ohne Doktortitel nicht weit. ...


Ist es wirklich so seltsam mittlerweile? Ich als Nichtabiturient und Nichtstudent habe davon offenbar keine Ahnung, denn ich ging davon aus, das fachliche Leistung vor Titel geht. Aber anscheinend ist dies nicht mehr der Fall.

Da kann man ein Virtuose mit dem Erlenmeyerkolben (Jaja, ich habe bei "Breaking Bad" aufgepasst! ) sein und zählt nichts, solange man keinen Dr. vor dem Namen trägt?
11.07.2014, 21:20 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Deathrider schrieb am 11.07.2014, 19:24:
Meine Frau (Chemiedoktorandin) wollte wissen, wieso du Chemie studiert hast? Heutzutage kommt man in der Chemiebranche ohne Doktortitel nicht weit. War es damals auch so und dir bewusst oder hast du einfach drauflosstudiert?

Ahja. Herzlich Willkommen.

Ich habe in Bochum studiert. Eigentlich Chemie und Physik. Ab dem Vordiplom aus Zeitgründen nur noch Chemie. Warum? Weils mich interessiert hat. Und ja, als nächstes hätte die Promotion angestanden. Just die Wartezeit dazwischen habe ich für die Bewerbung in der Zeitschriftenbranche genutzt. Eher aus „Schaun mer mal, wie das da so ist"-Gründen. Und ich hatte ja ein paar Monate Zeit. Dass es mir so viel Spaß machen würde, habe ich ja nicht geahnt. Und es wurde soviel besser bezahlt, als eine Viertelassistentenstelle an einer chronisch unterfinanzierten Abteilung an der Uni.
Kommentar wurde am 11.07.2014, 21:21 von MickSchnelle editiert.
11.07.2014, 19:24 Deathrider (1488 
Meine Frau (Chemiedoktorandin) wollte wissen, wieso du Chemie studiert hast? Heutzutage kommt man in der Chemiebranche ohne Doktortitel nicht weit. War es damals auch so und dir bewusst oder hast du einfach drauflosstudiert?

Ahja. Herzlich Willkommen.
11.07.2014, 17:26 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
90sgamer schrieb am 11.07.2014, 10:00:
In einem früheren Interview hast Du mal erwähnt, dass die Stimmung zum Zeitpunkt des Wechsels zur Gamestar nicht mehr ganz so rosig war. Ohne schmutzige Wäsche zu waschen, woran lag das eigentlich? Boris Weggang und sein Sternchen-System?

PC Player war damals im Umbruch. Boris war weg, Jörg, Charles, Martin und Toni auch. Ich hatte damals den Eindruck, dass die wahre PC Player bei IDG als Gamestar entstand (den Namen gabs da noch gar nicht) Zudem hatte ich so meine Probleme mit einer Chefetage, die uns als „Debile" bezeichnete. Außerdem wollte ich schon immer bei der Entstehung eines neuen Magazins dabeisein. Dann habe ich die Jungs in ihrem schwabinger Keller besucht (der noch weitgehend leer war) und habe mich vom Elan von Jörg & Co. anstecken lassen. Am nächsten Tag habe ich meinen Vertrag unterschrieben.
11.07.2014, 10:00 90sgamer (751 
Herzlichen Dank für das Interview, Mick! Als ebenfalls "Amiga-Besitzloser" bist Du mir zuerst in der Player über den Weg gelaufen.

In einem früheren Interview hast Du mal erwähnt, dass die Stimmung zum Zeitpunkt des Wechsels zur Gamestar nicht mehr ganz so rosig war. Ohne schmutzige Wäsche zu waschen, woran lag das eigentlich? Boris Weggang und sein Sternchen-System? Und welche Rolle spielte dabei eigentlich der Verlag? DMV und WEKA sind kurz darauf doch zusammengegangen, spürtest Du da was von Krise?
Kommentar wurde am 11.07.2014, 10:01 von 90sgamer editiert.
11.07.2014, 06:16 Twinworld (2192 
Tolles Interview mit einem Sympatischen Mick Schnelle was Ihn aber noch viel Sympatischer wirken lässt ist die Tatsache das er sich viel zeit nimmt alle unsere Fragen zu beantworten.


P.S.Wo kann man die zweistündige Dankesrede höhren???
11.07.2014, 02:18 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Huch, gerade erst gesehen. Ihr habt mich zum Ehrenmitglied aufgewertet. Vielen lieben Dank! Und nun meine zweistündige Dankesrede...
Kommentar wurde am 11.07.2014, 02:18 von MickSchnelle editiert.
11.07.2014, 02:16 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Frank ciezki schrieb am 10.07.2014, 15:45:
Was mir momentan mehr auf den Geist geht, als Kickstarter, ist dieser Early-Exzess-Wahn.Auf eine Hand voll Spiele, die wirklich schon in diesem Stadium Spaß machen (Nuclear-Throne kann ich sehr empfehlen), kommt ein absoluter Erdrutsch, von total überteuerten Wracks, bei denen ich mich oft frage, wie viele davon tatsächlich ihr Fertigstellung erleben werden.

Gefällt mir auch nicht. Früher wurden Betatester bezahlt. Heute zahlen die Kunden dafür Betatester zu sein. Wie das Negativbeispiel Planetary Annihilation ja mal wieder zeigt...
11.07.2014, 02:11 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
Frank ciezki schrieb am 10.07.2014, 15:45:
Was mir momentan mehr auf den Geist geht, als Kickstarter, ist dieser Early-Exzess-Wahn.Auf eine Hand voll Spiele, die wirklich schon in diesem Stadium Spaß machen (Nuclear-Throne kann ich sehr empfehlen), kommt ein absoluter Erdrutsch, von total überteuerten Wracks, bei denen ich mich oft frage, wie viele davon tatsächlich ihr Fertigstellung erleben werden.

Gefällt mir auch nicht. Früher wurden Betatester bezahlt. Heute zahlen die Kunden dafür Betatester zu sein. Wie das Negativbeispiel Planetary Annihilation ja mal wieder zeigt...
11.07.2014, 02:08 MickSchnelle [Ehrenmitglied] (23 
SarahKreuz schrieb am 10.07.2014, 19:16:
Hey Miiiick! Da du die Frage nach den Simulationen mit alten Klassikern beantwortet hast; kann man da davon ausgehen, dass Du kein Freund der riesigen Schwemme an Euro-Truck-, Bus-, Landwirtschaftssimualtoren usw bist? Man hört seitens der "Fans" dieser Spiele immer als Argument, das sie sehr wohl Anspruch besitzen - wenn Leute wie ich daher kommen und das alles als Mumpitz deklassieren. Aber ich stand ja noch nie großartig auf Flug- und U-Boot-Simulationen der alten Schule.
Was sagt jemand wie Du - quasi Sim-Experte - zu diesem (noch relativ neuem) Trend?

Das meiste sind nun wirklich keine Simulationen, sondern aus den ewig gleichen Baukästen zusammengestöpselte Zeittotschläger. Woher der Spaß beim monotonen Felderpflügen kommen soll, mag sich mir nicht erschließen. Zudem sind die Dinger meist von mäßiger technischer und spielerischer Qualität. Eine gute Simulation muss den schmalen Grad von Realismus bei gleichzeitigem Spielspaß erwischen. Das ist nicht leicht und sicherlich einer der Hauptgründe für den Niedergang des Genres. Und mal ehrlich: Panzer, Kampfflieger und Uboote machen sicherlich mehr Spaß, als der Müllwagensimulator...
11.07.2014, 01:39 Frank ciezki [Mod Videos] (3180 
Das Adventure, hat immerhin so etwas wie eine Auferstehung erlebt.
Ich würde also die Hoffnung nicht vollkommen fahren lassen.
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