Extra hatte ich mir das Heft für die Feiertage zurückgelegt, um den Genuss unter Zuhilfenahme der weihnachtlichen Besinnlichkeit zu steigern. Das Ganze hat mir nur bedingt etwas gebracht, da zwar das Weihnachtsambiente soweit wunderbar war, das Heft aber leider nur bedingt überzogen konnte.
Ich splitte meine Einschätzungen mal in folgende Punkte auf:
1. CoverDas wohlig versprühende Titelbild-Flair der zuvor erschienenden (Neu-)Ausgaben
Amiga Joker 1/2017 und
Amiga Joker 1/2019 konnte dieses Heft nicht erreichen. Blutverschmiert und grimmig dreinguckend präsentiert sich die blonde Hüpfdohle. Im Hintergrund entdeckt man zumindest eine recht stimmige Winterlandschaft, die immerhin ein wenig Winterstimmung aufkommen lässt.
Vermutlich soll die holde Kämpferbraut zeigen: "Schaut her, die Freundin lässt sich nicht unterkriegen und schlägt mit blutig-scharfer Klinge zurück!"
Apropos blutig...zum Glück scheint die BP(j)S nicht mehr so wie anno dunnemals hinzuschauen, ansonsten müsste dieses Covermotiv wohl indiziert werden bzw. mit einem "ab 18"-Aufkleber in den Druck gehen...
Stimmig wirkt der Schriftsatz und die farbliche Gestaltung; das Joker-Layout ist ja eh über alle Zweifel erhaben, obwohl ich mir mal das ältere Layout, wie z. B. hier beim
Amiga Joker 3/90 gewünscht hätte.
Bei der Bildgestaltung wäre hier auf alle Fälle mehr drin gewesen. Ich schließe mich unserem Mitglied wled an und vergebe
6 Style-Punkte.
2. InhaltMit Entzücken las ich mich durch die ersten Seiten.
Mixer, Previews der Spiele
Die Siedler II (das der Strategiehit von Blue Byte so spät noch kommt - Wahnsinn!) und
Outrun begeisterten auf Anhieb. Auch die Leserbriefe in Form der
Mailbox kann einem nur Retro-Adrenalin durch die Adern beim Schmökern pumpen, insbesondere dann, wenn Big Boss Labiner sich dazu genommen hat, persönliche Zeilen an sein Magazin selbst zu richten.
Danach folgt für mich persönlich das Highlight des Heftes! Rede und Antwort steht uns Brigitta, die von Vielen (auf Grund ihres Aussehens) angehimmelt wurde und die immer etwas Magisch-Mysteriöses versprühte, da sie sich stets dezent im Hintergrund ihres Mannes bewegte.
Hier im Gespräch mit Richy lässt sie uns nach all den Jahren endlich mal tiefer/intimer in den damaligen Redaktionsalltag schauen, welches unheimlich authentisch und bodenständig wirkt. Mal so nebenbei habe ich mich unheimlich vogue (wie ich dieses Wort eigentlich hasse) gefühlt, als ich in meinem Retroleseprojekt ihre Rubrik
Hallo Mädels! mit Genuss gelesen habe. Auch da kamen ihre Zeilen stets glaubhaft und vor allen Dingen
nicht gekünzelt rüber.
Auf den folgenden Seiten hatte ich eine hohe Motivations- und Befriedigungskurve beim Lesen, die aber leider -so mehr ich mich voranlas- nach unten abrutschte.
Famos gemacht sind die Berichte
Test Battle Neu gegen Klassiker, einmal mit den Kampfhähnen
Hybris gegen
Reshoot Proxima 3 und den Blechrobbies
Turrican II gegen
Turrcian II AGA.
Im Anschluss daran wurde ich aber mehrfach enttäuscht:
Dragon's Lair vs.
Star Dust Wars - Director's Cut oder auch
Deja Vu vs.
ASM - Das Computer-Spiel, hier hinkt der Vergleich ob der verschiedenen Thematiken doch sehr.
Größter Minuspunkt, so wie ich finde, waren dann die restlichen Testseiten. Weit und breit kein Klassiker sondern nur veröffentlichte Amiga-Games der neueren Zeit. Dass bei den wenigen Rezensionen auch noch 4 Programme mit exakt
71 % Gesamtwertung bedacht wurden, schmeckte mir auch nicht sonderlich. Aber das Thema hatte ich schon mal bei einer PC Player Ausgabe kritisiert und es wurde sich auf mich mit dem Motto "Auf ihn mit Gebrüll" gestürzt...(bevor sich jemand aufregt -> ist satirisch gemeint).
Kurzum: Auch der Inhalt muss im Vergleich zu in den Jahren zuvor veröffentlichten Heften Federn lassen. In dem Zusammenhang stellte ich mir die Fragen
~ Wieso hat man nicht mehr Klassiker neu unter die Lupe genommen? Z. B. ein damaliges sehr durchschnittlich bewertetes Programm (40 % - 60 % Gesamtwertung), welches unterbewertet wurde und heute mit einer 70 % Plus Wertung aus dem Testring steigen würde.
~ Warum keine Titel im Test, die vor der Ausgabe 11/89 erschienen sind?
Hybris war doch ein toller Ansatz, den man mit weiteren Tests hätte fortführen können. Sicherlich gab es noch mehr Games, die in den Jahren 88/89 auf der "Freundin" für heißgelaufene Chips gesorgt haben, oder?
~ Weshalb widmet man sich nicht mal einem Spiel, welches man mal richtig zerreißen kann? Ein Jokerheft ohne "Würge-Joker" bzw. "Kotz-Joker" ist kein richtiger Joker! Hey Richy...wir warten noch auf Deinen
Rise of the Robots "Damals vs. heute"-Test.
Wenn ich somit auf die Vorläufer Amiga Joker 1/2017 und 1/2019 schaue, macht dieser Joker anno '25 seinen "Job" leider nicht mehr so gut. Ich schließe mich unserem User HelmutH an und rechne mit
7 Inhaltspunkten ab.
3. Schreibe/StilistikEdgar Allens Po schrieb am 02.12.2025, 10:40:
Ich bin vom Joker begeistert, kann dabei ein täuschend echtes Lesegefühl entwickeln. Kommt mir vor wie die erste Ausgabe nach einer längeren Sommerpause.
[...]
Dieses Statement kann ich nur bedingt bejahen. Wie oben bereits beschrieben, sind die ersten (Test-)Beiträge sehr gut in Szene gesetzt. Hier stimmt soweit auch die flotte Joker-Schreibe, obwohl selbst Richy (bitte nimm mir meine Kritik nicht übel) auch mitunter einen kleinen Hänger hatte:
In seinem
Turrican II Vergleichstest liest man auf Seite 22 "
...mögen ein Grund für die ewig währende Popularität dieses Peng-Bangs unter den Peng-Pengs sein."
Tiefpunkt für mich, und natürlich dies ist rein subjektiver Natur, sind die Kurztests ab Seite 37 bis 39. Die Verfasser mögen mir meine Kritik verzeihen, aber leider sind die Berichte zu nüchtern verfasst. Keine flotte-Jokerschreibe, keine fetzig-positiven Stilblüten. Schade!!
Immerhin drehen zum Schluss nochmal P. Kautz und R. Löwenstein in der
Demo Galerie auf, welche mich sowohl inhaltlich als auch formulierungstechnisch begeistern konnte.
Schlussfazit und Ausblick:Mit diesem Heft kann man erneut seinen Joker-Leseheißunger stillen, in alten Zeiten schwelgen und neue Titel bzw. Hardware in Augenschein nehmen. Das Bestreben war gut, die Umsetzung aber leider nur teilweise gelungen. Zu viele Vergleichs- und Neutests, deutlich zu wenige Klassiker wurden ins Heft implementiert. Negativ kommt hinzu (für mich hatte das jedenfalls einen leicht negativen Beigeschmack), dass die Joker-Teststatements zu sehr verwurstet wurden. Ein z. B. im
Wizonk Magic Arena Test abgedruckte Jokeraussage
"Hat Suchtpotenzial" hat leider herzlich wenig mit den ursprünglich markanten und zumeist nur ein (Adjektiv-)Wort umfassenden Jokereinschätzungen von damals am Hut. "Schuster, bleib bitte bei deinen Leisten" kann ich diesbezüglich nur anstimmen...
Meine Anregungen für (hoffentlich!) noch folgende Ausgaben wären:
* Heftcover mit altem Jokerlayout und Titelmotiv im Celâl Kandemiroglu-Style
* Heft kann zwar offiziell die Ausgabennummer 1/26 oder 1/27 tragen, inoffziell steht aber eine 10/89 drauf (Pre-Erstausgabe!)
* 10/89 heißt dann auch -> viele alte Spielprogramme der Jahre 1988/1989 im Test. Da gibts bestimmt noch Games, die den Meisten von uns unbekannt sind
* Brork meets Ghost Comic
* mehr Bilder von Usern vor ihren "Freundinnen" (ich kann auch noch mit dem ein oder anderen Schnappschuss dienen!)
* eine vernünftige letzte Seite, die
Joker Galerie darf nicht als Abschlussseite verwurstet werden
Zum Schluss benötige ich bitte eine Aufklärung:
Im Joker-Comic kapiere ich die letzte Zeichnung nicht. Dem Joker ist der Kragen hochgerutscht, dass man nur noch seinen Hals sieht oder verstehe/sehe ich das vollkommen falsch?
Kommentar wurde am 02.01.2026, 11:52 von jan.hondafn2 editiert.