"Staatsanwalt rutscht auf schlüpfrigen Titeln aus" hieß es da in der Süddeutschen Zeitung vom 17.08.1995. Da fällt der Schluss nicht schwer, dass man dem Michael Labiner bei derartigen Titelzeilen sein breites Grinsen im
Editorial vollkommen nachvollziehen kann. Logisch, die ganze Sache hatte ihm genügend graue Haare gekostet und -was bei ihm noch viel schlimmer wiegt- vor allen Dingen so Einiges an Kohle, denn Rechtsanwalt und Verkaufsausfälle haben sicherlich eine Menge Geld verschlungen...
Keine Bange, der ach so peinlich-schlüpfrig agierende Staatsanwalt hat natürlich auch sein Fett von der Leserschaft in den
Leserbriefen abbekommen. Noch viel besser aber: In fast jeder Rubrik wird jokermäßig spitzzüngig diese absurde Beschlagnahme veräppelt. Dabei musste ich gleich mehrfach schmunzeln.
Arbeitstechnisch durfte sich der Verlag gleich auf 3 mehr oder minder neue Mitarbeiter freuen. Oskar Dzierzynski kehrte reumütig zurück, Martin Schnelle gesellte sich zu seinem Brüderchen und
Ole Albers (dürfte den Meisten eher unbekannt sein) durfte sich neuerdings als vollwertiger Redakteur einreihen.
Der bis zum heutigen Tage eher maue Inhaltsdurchschnitt (siehe Kultboy-Inhaltswertung oben rechts) dieser Ausgabe spricht irgendwie Bände. Zwar war Commodore unlängst "gerettet" worden, A1200 und CD32 versprühten neue Hoffnung, und doch war die "Delle im Lack" mehr als spür- und sichtbar. Das fängt im Heft mit dem Bericht über die
European Computer Trade Show - London '95 an, in dem längst nicht mehr so viele Games wie z. B. anno 1992 oder 1993 vorgestellt wurden. Weiter gehen die eher trüben Aussichten mit den nicht gerade prächtig wirkenden Previews der Spiele
Star Crusader,
Limbo of the Lost (versprüht schon auf den Bildern einen äußerst halbgaren Eindruck - oder mit Jugendsprache ausgedrückt: "Das Game ist LOST") und
Primal Rage. Letztgenanntes Spiel wirkte schon damals auf mich so wie
"die Dinosaurier werden immer trauriger...".
Enden tut das Ganze mit dem Blick auf magere 13 Spieletests, die wiederum untermauerten, wie das Vertrauen in die neu aufgestellte Commodore-Firma gelitten hatte.
Dennoch konnten die gelungenen Tests zu
Dungeon Master II,
Syndicate oder auch
Super Skidmarks neue Euphorie unter der Leserschaft entfachen.
Alles andere als euphorisch dürften sich die Käufer der Anflug-Sim
Approach Trainer gezeigt haben. Ja, Ihr habt richtig gelesen! "Anflug-Sim" deshalb, weil hier lediglich die Landemanöver auf -man höre und staune-
58 Flughäfen (was für ne Abwechslung!) zelebriert werden durften. Wahnsinnig motivierend, oder!??
Bevor wir uns an den
Kleinanzeigen verlustieren, hole ich mir neuen Mut in Form einer (hoffentlich) prächtigen Demo. Wer aufmerksam mein letztes Resümee zur Septemberausgabe studiert hat, weiß, dass ich bereits einen Favoriten ins Visier genommen hatte. Macht es Euch bequem und genießt mit mir die
Generation X von Haujobb. Das gute Stück benötigt ganze 6 MB Ram für die schnieken Effekte und wirklich wunderschön gemachten Zwischenbilder. Die Musi ist auch in Ordnung, hätte aber für meinen Geschmack einen Tick voluminöser und fetziger daherkommen dürfen. Immerhin dreht sie
an dieser Stelle zum Ende der Vorführung ein wenig auf und beschert dem Ganzen ein fesches Ende. Gut gemacht, Haujobb!
Dann wühle ich mich mal durch den Berg der
Kleinanzeigen und kredenze Euch diese "Querschläger", die Euch vielleicht ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern:
~ "Der verliebte Zweier":
Eben jener Inserent war ganz in die Zahl 2 verliebt, denn er offeriert seine "Freundin" mit
2 Laufwerken,
2 Joysticks und -wen wunderts?-
222 Disks. Unstimmig wirkt von daher, dass er seinen Compi mit nur 1 MB und für 550 DM anbietet.
~ "Raupkopie...ick hör Dir trappsen...":
Dieser Knilch verkauft sein
"Amiga-Zubehör, u. a. 300 Spiele, Maus, Bücher..." für schlappe
150 DM. Nee is klar...
~ "Schweizer mit gewissen Vorlieben":
Was diesen Schweizer wohl zu dieser Formulierung bewegt hat:
"Wir suchen Amigafreaks mit Interesse am Amiga!" POTZBLITZ!!! Wer hätte das gedacht!?? Warum haben die nicht Amigafreaks mit Interesse am Klöppeln gesucht??
Was hat dieses Oktoberheftchen denn noch so zu bieten? Mit dem Verweis auf den neuen
Amiga Joker 1/2025 (Brigitta Interview!) sind die
Seitenhiebe eine Erwähnung wert. In eben diesen zeigt sich die damalige Boss-Braut mal wieder und gibt zu verschiedenen Themen ihre Meinung zum Besten. Ich führe das auch deshalb mit an, weil sich die Dame schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr in den
Seitenhieben mit Bild und Schrift gezeigt hat.
Dann nahm ich mit großem Erstaunen im
Know How Teil zur Kenntnis, dass der Joker erst mal frei raus die Lösung der Felswand in
Kings Quest VI rausposaunt hat. Dies ist deshalb so erheiternd, weil die Redaktion damit die von Sierra integrierte Codeabfrage im Spiel vollständig zu Nichte gemacht hat.
Jetzt sofort geht es rein in den Spieletest; ich lasse die Reifen per Burnout qualmen, denn das AGA-Game
Wheelspin wartet darauf, von mir bezwungen zu werden. Von diesem Black Legend Produkt hatte ich vorher übrigens noch nie gehört. Da -wie ein jeder weiß- Benzin durch meine Adern fließt, kam der Titel gerade recht.
Obwohl ich mit WinUAE ein wenig komisch dargestellte Wägelchen (ohne Reifenspuren!??) zu Gesicht bekam, hatte ich mehr oder minder spaßige Rennfreuden. Die Strecken sind zwar ziemlich kurz und zudem einfach vom Design her, nichtsdestoweniger kommt das Gesamtkonzept recht stimmig daher. Motivierend stürzt man sich in die jeweiligen Rennen, denn wer vom obersten Podestplätzchen lacht, dem hat es ebenso was in der Geldbörse gebracht. Merke: Nur mit genügend Zaster und Moneten lassen sich die vier verschiedenen Racing-Karren aufbohren und somit vernünftig ausrüsten, um überhaupt eine Siegeschance zu haben. Platziert man sich nur auf den hinteren Plätzen, bleiben nicht nur die Punkte, sondern auch das Bare aus. Merke zum Zweiten: Nur wer vorne mitfährt, kann für die gewonnene Kohle seine Kiste auf den dringend benötigten PS-/Tuningstand bringen.
Meine Wertung geht fast mit dem Joker d´accord. Lediglich ein paar Prozentpünktchen musste ich (man kennt mich als strengen Bewerter!

) abziehen:
ZUR TESTWERTUNGDie Wertung zeigt es bereits unmissverständlich an.
Wheelspin ist kein Hochkaräter, für eine Runde flottes Flitzen bereitet es aber allemal Vergnügen.
In der höchsten Liga geht es übrigens mit einem
Käfer-Verschnitt auf Punktejagd. Nach jeder gewonnenen Liga darf man sich einen
Pokal ins Schränkchen stellen. Am Ende der "World-League" wird man als Erster zum
Wheelspin World Champion gekürt und darf im Abendrot mit seinen Freunden den
Siegerchampus genießen.
Genießen kann ich später noch, denn ich hopse noch schnell in die Spielhalle, um dort einen Titel für Euch anzuspielen. "Hopsen" ist dabei ein gutes Stichwort, denn mit
Bubble Bobble II habe ich mir einen superben Plattformer ausgesucht.
Durch meinen Zeitrückstand, konnte ich den fetzigen Taito-Automaten nur ein Weilchen daddeln. Ohrwurmlastige Musik, eine 1A-Steuerung, super-putzige Gegner und 4 verschiedene Bubble-Drachen, die man im Spiel wählen darf. Hier hätte ich gern mehr am Gamepad gehangen. Für alle
Bubble Bobble-Fans sollte das Spiel ein Muss (wieso hat sich cassidy eigentlich noch nicht zum Nachfolger geäußert??) sein. Irgendwann komme ich noch mal gern auf die quirlig-niedlichen Lindwürmer zurück.
Nun heißt es aber: Oktober-Heft erst mal ad acta legen, November-Ausgabe fertig rezensieren und es sich dann mit der 12/95 gemütlich vor dem Kamin machen. Nun ja, bei mir muss der imaginäre Kamin in Form von youtube herhalten, aber immerhin.
Länger will ich jetzt hier keine Zeit verschwenden. Mein Statement zum Amiga Joker nummero 11/95 lest Ihr alsbald. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht auf Kultboy gebrochen.
Kommentar wurde am 04.12.2025, 21:22 von jan.hondafn2 editiert.